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Ratgeber Winterbiken im Schnee – so gelingt der Einstieg

Mann fährt mit dem Fatbike durch den Schnee
Wer mit dem Rad im Schnee Spaß haben will, braucht besonders breite Reifen
© Scott/Adobe Stock
Wer Radfahren und Schnee mag, wird das Winterbiken lieben. Doch um in der weißen Pracht wirklich Spaß zu haben, sollten Neulinge, die den Trendsport ausprobieren wollen, ein paar Dinge beachten. Wir geben Tipps für Anfänger*innen

Im Winter bei Schnee und Eis Radfahren? Das ist kein Problem und macht riesigen Spaß, wenn man die richtige Ausrüstung hat. Mit Fatbikes, das sind Räder mit besonders breiten Reifen, ist es kinderleicht, im Schnee zu fahren. Die Fatbikes kommen urspünglich aus Alaska und wurden für das Fahren im Schnee entwickelt. Mittlerweile sind die Räder bei vielen Sportbegeisterten in Europa beliebt. Für wen sich dieser Outdoor-Trend eignet, was es dazu braucht und wo man im Schnee fahren kann – die wichtigsten Fragen und Antworten.

Für wen eignet sich Winterbiken?

"Jeder und jede kann Winterbiken – wer nicht so eine gute Kondition hat, kann auch mit dem E-Fatbike fahren", sagt Michael Stix. Er bietet seit 2014 in Ramsau am Dachstein geführte Touren bei "Alpine Fatbike" an. Bereits für Kinder ab einer Körpergröße von 1,30 Metern sei so eine Tour durch die verschneite Steiermark geeignet. Daniel Schneider ist passionierter Fatbiker und hat selbst bei einer Tour die Alpen mit dem Fatbike überquert. Er meint: „Bei der Fahrt durch losen Schnee ist der Rollwiderstand höher als bei Radfahrten auf festgefahrenem Schnee oder im Sommer, deshalb ist es gut, etwas sportlich zu sein.“

Was macht das Fahren im Schnee so besonders?

Michael Stix
Michael Stix bietet in Ramsau in Österreich Touren mit dem Fatbike bei "Alpine Fatbike" an
© alpinefatbike.com

"Es ist einfach ein Riesenerlebnis, radelnd durch den Winter zu fahren. Es riecht anders, die Luft ist viel kälter, es hört sich anders an. Das Erlebnis ist der Winter selbst und das Fahren im Schnee", sagt Michael Stix. Auch Daniel Schneider ist gerne bei weißer Pracht mit seinem Fatbike unterwegs: "Ob im Wald, im Feld oder der Stadt – durch den Schnee ist die Geräuschkulisse ganz gedämpft und es ist ein anderes Gefühl, mit dem Rad zu fahren als im Sommer."

Welches Rad ist geeignet?

Daniel Schneider mit dem Fatbike
Daniel Schneider ist gerne mit dem Fatbike im Schnee unterwegs. Auf Fatbike.de gibt er Tipps zum Sport
© privat

Beim nächsten Schnee sollte nicht direkt eine Tour mit dem Stadtrad geplant werden: Die dicken Reifen der Fatbikes sind das Geheimnis für Fahrspaß im Schnee. "Ein Fatbike hat zwei- bis dreimal dickere Reifen als ein normales Fahrrad, dadurch ist es einfacher, damit im Schnee zu fahren. Auf den Reifen ist ein niedrigerer Luftdruck, der dafür sorgt, dass Radfahrer*innen nicht im Schnee einsinken. Der Grund: Die Auflagefläche wird größer", sagt Schneider. Der Unterschied sei vergleichbar mit dem Unterschied zwischen einem Spaziergang mit Schneeschuhen und einem ohne. Michael Stix erklärt: "Die breiten Reifen sorgen für einen guten Grip im Schnee – so lange es nicht zu warm und der Schnee matschig wird. Dann besteht die Gefahr wegzurutschen."

Unterscheiden sich Fatbikes stark von normalen Fahrrädern?

Die Fatbikes unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von anderen Fahrrädern – bis auf die breiteren Reifen. Der Rahmen hat wegen der breiteren Reifen eine andere Geometrie, und die Kette sitzt weiter außen. "Was die Räder nicht benötigen, sind Federgabeln, weil wir nur auf präparierten Strecken unterwegs sind. Das heißt: Es gibt keine Steine, keine Wurzeln und keine unebenen Flächen", sagt Stix.

Welche Kleidung sollte ich beim Winterbiken tragen?

Ideal sei wintertaugliche Outdoor-Kleidung: "Besonders Softshell-Jacken und Hosen sind gut geeignet. Darunter trage ich immer eine Fahrradunterhose, die gut polstert. Damit es nicht zu kalt wird, ist es gut, sich mehrere Schichten anzuziehen." Für den Notfall reiche eine Jeans auch aus – diese ist elastisch und atmungsaktiv, meint Stix. Außerdem sollten bei einer Tour Skihandschuhe, warme und bequeme Schuhe, Helm und Skibrille nicht fehlen. Michael Stix nutzt in seinem Verleih Skihelme, die über die Ohren gehen, das sei bei der Kälte wichtig, um einen Zug zu vermeiden. Daniel Schneider berichtet, dass sich auch ein normaler Fahrradhelm zum Winterbiken nutzen lasse. Allerdings sollte wegen der Kälte eine Mütze unter dem Helm getragen werden.

Auf was sollte ich achten, wenn ich mir ein Fatbike leihe?

Für eine Tour durch den Schnee brauche ein Fatbike keine besondere Ausstattung. Je nach Fitnessgrad sei aber in manchen Fällen ein E-Fatbike die bessere Wahl, sagt Schneider. Ein Qualitätskriterium sind gepflegte Räder: "Jedes Rad muss gut gewartet sein: Die Bremsen müssen funktionieren und dürfen nicht quietschen, die Kette muss geölt und die Schaltung richtig eingestellt sein", weiß Michael Stix.

Wo kann ich mit dem Fatbike im Schnee fahren?

Für eine Tour mit dem Fatbike eignen sich am besten Wanderwege beziehungsweise Langlaufpisten. Fatbikerinnen und Fatbiker sollten aber drauf achten, dass es sich nicht um exklusive Strecken handelt – in manchen Orten gibt beispielsweise Wege, die für den Langlauf reserviert sind. Und das Biken auf diesen Wegen ist nicht erlaubt. "Eine Skipiste sollten Fatbikefans nicht hinuntersausen, um andere Wintersportbegeisterte nicht zu stören", sagt Schneider. In Ramsau, wo Michael Stix seine Touren anbietet, ist Winterbiken nur eine Sportart von vielen. Wandernde, Pferdekutschen, Reiterinnen und Reiter sowie die Bikefans nutzen dieselben präparierten Pisten. Bei Michael Stix können Reisende die Fatbikes deshalb nur für geführte Radtouren leihen. In manchen Orten gibt es auch extra ausgeschilderte Wege für eine Tour mit dem Fatbike durch den Schnee, zum Beispiel in Livigno in Italien oder Gstaad in der Schweiz.

Was gilt es sonst noch beim Winterbiken zu beachten?

Wer noch keine Erfahrung hat, sollte es vermeiden, im unbekannten Tiefschnee zu fahren. "Wer nicht ortskundig ist, kann nicht wissen, wie tief die Schneedecke ist. Ist der Tiefschnee zu tief – rund 30 Zentimeter oder mehr –  bleibt das Vorderrad des Fatbikes stecken und die Fahrerin oder der Fahrer überschlägt sich", erklärt Michael Stix.


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