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  • Apnoe-Tauchen: "Freediven fördert die mentale Stärke"

Apnoe-Tauchen "Freediven fördert die mentale Stärke"

  • von Julia Großmann-Krieger
  • 19. Juli 2013
  • 10:44 Uhr
Freediver tauchen mit nur einem Atemzug minutenlang und erleben dabei das Ökosystem Meer besonders intensiv. Zwei Freediver sprechen über ihre Erlebnisse und zeigen Bilder aus der Tiefe
Apnoe-Tauchen: "Freediven fördert die mentale Stärke"
Apnoe-Tauchen: "Freediven fördert die mentale Stärke"
Hawaii, Delfine, 2013
© Christina und Eusebio Saenz de Santamaria
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Christina und Eusebio Saenz de Santamaria sind Freediver: Auf ihren Tauchgängen verzichten sie ganz auf Equipment und machen die Meeresbewohner neugierig. So können sie zum Beispiel stundenlang mit Delfinen schwimmen und tauchen. Inzwischen führen sie eine der besten Freedive-Tauchschulen der Welt. Aus der Tiefe haben die beiden Freediver Bilder mitgebracht und berichten, was das Besondere am Freediven ist.

GEO.de: Wann haben Sie mit dem Freediven angefangen?

Christina: Ich habe 2005 einen Freedive-Kurs auf der kleinen thailändischen Insel Koh Tao gemacht. Mein Mann Eusebio begann schon 2003, ebenfalls auf Koh Tao, danach hat er seine Erfahrungen in der Türkei und im Roten Meer vor Ägypten vertieft. Ein Jahr später hat er mit einer Freundin zusammen die Freedive-Schule "Apnea Total" auf Koh Tao eröffnet.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Freediven auszuprobieren?

Christina: Ich bin in Sydney, Australien, aufgewachsen und habe seit frühester Kindheit einen starken Bezug zum Ozean. Als ich Anfang zwanzig war, reiste ich viel, unter anderem nach Koh Tao. Ich wollte dort Scuba-Tauchen unterrichten und sah zum ersten Mal beeindruckende Bilder von Freedivern. Es sah so frei, pur und graziös aus, dass ich es einfach ausprobieren musste.

Eusebio: Bereits in jungen Jahren hat mich der Ozean fasziniert. Ich sammelte die wöchentliche Ausgabe "Mundo Submarino" von Jacques Cousteau und staunte jedes Mal über die Bilder. Als ich 2003 in Asien unterwegs war, sah ich, wie Leute im Pool trainierten, die Luft so lange wie möglich unter Wasser anzuhalten. Ich habe Herausforderungen schon immer gemocht, und so befand ich mich bald selbst in dem Pool. Dann beschäftigte ich mich immer mehr mit dem Freediven.

Was macht das Tauchen ohne Ausrüstung so besonders?

Christina: Man fühlt sich dabei so pur und frei. Wir können den Ozean und seine Lebewesen ganz intimer erleben. Die Tiere reagieren sehr viel neugieriger auf uns, als wenn wir mit Equipment tauchen, das gilt besonders für intelligente Geschöpfe wie Delfine. Wenn man mit nur einem Atemzug versucht in eine bestimmte Tiefe vorzudringen, ist das befreiend und herausfordernd. Das Freediven fördert auch die geistige Stärke: Wenn wir versuchen, länger unter Wasser zu bleiben, müssen wir zuerst unseren Geist davon überzeugen, damit der Körper mitmacht.

Wie lange schaffen Sie es, unter Wasser zu bleiben?

Christina: Wenn wir fotografieren oder nur zum Spaß freediven, sind wir um die vier Minuten unter Wasser. Wenn wir trainieren, schaffe ich rund sechs Minuten und Eusebio acht, dabei kann ich eine Tiefe von 80 Metern erreichen und Eusebio 100. Wir werden in den nächsten Tagen in die Karibik aufbrechen und wollen uns dort noch steigern.

Wie lang hat es gedauert, so gut zu werden wie jetzt?

Christina: Auch wenn ich meinen Anfängerkurs schon 2005 gemacht habe, habe ich erst in den letzten vier Jahren wirklich trainiert. Dazu gehörten viele, viele Unterwasser-Sessions, aber auch Aufenthalte im Fitnessstudio und spezielle Atemtechniken. Aber ich habe noch lange nicht ausgelernt, ich entwickle mich konstant weiter.

Eusebio: Ich kann das gar nicht so richtig sagen. Ich habe vor über zehn Jahren mit dem Freediving angefangen und meine Fähigkeiten seitdem stetig weiterentwickelt. Ich bin mental stärker geworden, was mir bei dem Sport sehr zu Gute kommt, denn die psychische Entwicklung ist dabei genauso wichtig wie die körperliche. Auch wenn es eine immense physische Leistung ist, in die Tiefe zu tauchen, bedarf es doch meines Verstandes, meinen Kopf unter Wasser zu bringen.

Was war die bisher beste und was die gefährlichste Situation unter Wasser?

Christina: Die Beste war während eines Segeltrips mit Freunden an der Kona-Küste vor Big Island, Hawaii. Jeden Morgen sind wir früh aufgestanden, um mit einem ganzen Rudel von 60 hawaiianischen Spinner-Delfinen zu tauchen. Besonders an Eusebio und mir waren sie interessiert, da wir als Freediver für mehrere Minuten mit ihnen zum sandigen Grund tauchen konnten. Die Delfine spielten oft mehrere Stunden mit uns. Mit Delfinen zu freediven ist berauschend und zauberhaft zugleich. Ihre intensive Neugierde und Intelligenz sind bemerkenswert, ihre Bewegungen gekonnt und elegant.

Eusebio: Mein bestes Erlebnis hatte ich in meinem ersten Jahr. Während eines Tauchgangs schwamm lediglich fünf Meter von mir entfernt ein ausgewachsener schwarzer Marlin, eine Schwertfischart. Das Bild hat sich in meinem Kopf festgesetzt und ich sehe es immer wieder ganz klar vor mir, wenn ich an die Begegnung mit dieser kraftvollen und imponierenden Unterwasserkreatur denke.

Wenn wir freediven, haben wir unsere eigenen Sicherheitsregeln und sind uns immer über unsere momentane körperliche und geistige Fitness bewusst. Deshalb, sind wir noch nie in eine gefährliche Situation geraten.

Wo liegt Ihr liebstes Freedive-Gebiet?

Christina: Es gibt viele, aber zwei, haben es uns besonders angetan. Einmal die Cenoten auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Die gefluteten Kalksteinhöhlen sind tief mit der Geschichte der Mayas verwurzelt und machen sie zu einem mystischen Ort für einen Tauchgang. Die zweite Location ist Big Island, Hawaii. Der Pazifik ist hier sehr artenreich. Wir treffen regelmäßig auf Buckelwale, Spinner-Delfine, Tiger-Haie, Hammerhaie sowie Schildkröten und hawaiianische Mönchsrobben.

Haben Sie über die Jahre Veränderungen im Ökosystem Meer festgestellt?

Christina: Wir sind ja erst seit zehn Jahren dabei. Aber: Wir haben ganz klar gemerkt, dass sich die Menge an biologisch nicht abbaubaren Materialien drastisch erhöht hat. Außerdem haben wir aus nächster Nähe gesehen, wie Riffe und ganze maritime Welten in Südostasien durch sogenanntes Dynamite-Fischen zerstört wurden. Diese Praxis ist zwar eigentlich verboten, aber die Regierungen haben ihre Probleme, diese Verbote umzusetzen.

Sie unterrichten Freediving in Thailand. Was erwartet die Kursteilnehmer, und wie lange sollten sie Unterricht nehmen, um den Sport richtig zu lernen?

Christina: Der Anfängerkurs dauert zwei Tage, hier lernen die Teilnehmer, Geist und Körper auf einen Freedive vorzubereiten. Es geht nicht um Tiefen, sondern darum, das Meer aus einem anderen Blickwinkel kennenzulernen und die erlernten Techniken anzuwenden. Aber auch nach zwei Tagen kann man bereits große Fortschritte sehen. Wer möchte, macht im Anschluss den dreitägigen Aufbaukurs oder den vier- bis sechswöchigen Master-Freedive-Kurs. Es liegt im Ermessen des Reisenden, wie lange er bleiben möchte. Ich finde, nach dem Anfängerkurs geht es nur noch darum, das Erlernte so oft wie möglich anzuwenden und zu vertiefen.

Muss man bestimmte körperliche Voraussetzungen mitbringen?

Christina: Nein, jeder kann freediven. Weder das persönliche Fitness-Level noch Phobien oder Ängste sind ein Problem, wenn man Freediving in einer sicheren und sachkundigen Umgebung erlernt.

Informationen zum Freediven

Die Freedive-Schule, in der Eusebio und Christina unterrichten, liegt auf der thailändischen Insel Koh Tao.

  • Apnea Total

Noch mehr Bilder und Impressionen von Eusebio und Christina gibt es auf ihrer Webseite.

  • One ocean, one breath

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