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Tiergesundheit Demenz, Inkontinenz & Co. – woran Hunde erkranken, wenn sie altern

Ein alter Mischlingshund steht im Gras
Nicht nur wir altern, sondern auch unsere Hunde. An den Tieren geht die Zeit nicht spurlos vorbei
© mauritius images / Pitopia / Judith Dzierzawa
Gefühlt ist der eigene Hund vor gar nicht langer Zeit zu Hause eingezogen. Doch ehe man sich's versieht, ist aus dem Junghund ein Senior geworden. Welche Alterserscheinungen bei den grauen Schnauzen auftreten können und welche Vorsorgemöglichkeiten es gibt

Inhaltsverzeichnis

Arthrose

Arthrose ist bei Hunden eine der häufigsten Alterserscheinungen. Mindestens jeder fünfte erwachsene Hund ist vom Gelenkverschleiß betroffen, wobei manche Hunderassen – zum Beispiel Deutscher Schäferhund, Retriever und Berner Sennenhund – anfälliger sind als andere. Mit zunehmendem Alter steigt aber insgesamt das Arthroserisiko, weil der Gelenkknorpel älterer Hunde weniger elastisch und damit auch weniger belastbar ist.

In der Regel entsteht Arthrose durch eine übermäßige Belastung der Gelenke, weshalb insbesondere Übergewicht und übermäßiger Sport als Ursachen in Frage kommen. Auch eine Verletzung des Gelenks infolge eines Unfalls kann die Arthrose begünstigen. Arthrose verläuft schubweise und ist nicht heilbar. Die betroffenen Gelenke werden mit der Zeit immer unbeweglicher, der Gang wird steifer.

Um Gelenkerkrankungen beim Hund vorzubeugen, können Herrchen und Frauchen einiges tun:

  • Bei Welpen, besonders die großer Hunderassen, sollten während der Wachstumsphase gelenkbelastende Bewegungen vermieden werden. Dazu zählen zum Beispiel Treppensteigen oder der Sprung ins Auto.
  • Hunde sollten kein Übergewicht entwickeln. Jedes Kilogramm zu viel belastet die Gelenke bei der Bewegung.
  • Ruhige und gleichmäßige Bewegungen, zum Beispiel schwimmen oder traben, sind besser für die Gelenke als wildes Herumspringen.
  • Der alljährliche Gesundheits-Check des Hundes in der Tierarztpraxis hilft, Erkrankungen frühzeitig erkennen zu können.
  • Die Fütterung des Hundes sollte stets an das Alter und die Lebensumstände angepasst sein. Dies betrifft sowohl die Menge als auch die Zusammensetzung des Futters.
  • Hunderassen, die bekanntermaßen zu Arthrose neigen, sollten eine gelenkunterstützende Nahrungsergänzung bekommen.

Harninkontinenz

Ältere Rüden, vor allem aber kastrierte Hündinnen sind im Alter vom Harnträufeln betroffen, beinahe ein Drittel kennt dieses Problem. Gründe dafür können hormonelle Veränderungen sein, oder auch eine altersbedingte Schwäche des Blasenschließmuskels oder schlicht eine Blasenentzündung.

Ist ein Hund nicht mehr fähig, seinen Urin zu halten, wird das sowohl für das Tier als auch für die Besitzer zum großen Problem, das den Alltag belastet. Die gute Nachricht lautet jedoch: In den allermeisten Fällen lässt sich die Harninkontinenz bei Hunden medikamentös – je nach tiefer liegender Ursache – gut behandeln.

Verliert ein Hund vermehrt Urin, sollten Halterinnen und Halter mit ihm in einer tierärztlichen Praxis vorstellig werden. Außerdem können folgende Maßnahmen das Zusammenleben im Haus oder in der Wohnung trotz der Inkontinenz erleichtern:

  • Sorgen Sie dafür, dass sich der Hund vor allem in Räumen mit wischbarem Bodenbelägen aufhält. Rollen Sie im Zweifel teure Teppiche und ähnliches für eine Weile vom Bodem auf.
  • Gehen Sie mit dem Hund so oft wie möglich nach draußen, damit er sich erleichtern kann – auch nachts.
  • Besorgen Sie eine wasserdichte Unterlage oder auch Hundewindeln, damit nachts im Schlaf kein Ungeschick geschieht.
  • Auf keinen Fall sollte die Wassermenge eingeschränkt werden, die dem Hund zum Trinken angeboten wird. Besonders alte Hunde benötigen viel Flüssigkeit.

Demenz

Beim Hund ist die senile Demenz eine altersabhängige, degenerative Erkrankung des Gehirns und beruht auf dem langsamen Absterben von Nervenzellen. Sie wird auch als Kognitives Dysfunktionssyndrom, kurz CDS (cognitive dysfunctional syndrom), bezeichnet.

Bei großen Hunderassen kann die Erkrankung etwa ab dem fünften Lebensjahr eintreten, bei kleineren Hunderassen hingegen meist erst ab dem zehnten Lebensjahr. Hinweise darauf, dass bestimmte Rassen eher an Demenz erkranken als andere, gibt es nicht. Verschiedene Studien belegen allerdings, dass etwa 30 bis 60 Prozent der Hunde im gehobenen Alter erkranken.

Sowohl die Anzeichen als auch der Verlauf der Hunde-Demenz sind der Demenzerkrankung des Menschen ähnlich. Erkrankt ein Hund an der senilen Demenz, kann das für den gesamten Haushalt sehr bedrückend sein. Sind die ersten Symptome – beispielsweise Nachtwandeln, Verlust der Stubenreinheit, Vergesslichkeit, eine erhöhte Reizbarkeit oder neu auftretende Ängste – noch mild, verschlimmern sich diese im Laufe der Zeit mit fortschreitender Erkrankung.

Alter Mops steht im Laub
Wie alle Zuchtrassen, sind auch Möpse anfällig für Krankheiten - besonders im Alter. Ein Mops neigt zu Augen- und Hautentzündungen
© mauritius images / Tierfotoagentur / M. Rohlf

Fallen Herrchen oder Frauchen gleich mehrere typische Anzeichen für eine senile Demenz bei ihrem Vierbeiner auf und ist dieser im fortgeschrittenen Alter, sollte unverzüglich eine Tierarztpraxis aufgesucht werden. Denn je früher im tatsächlichen Krankheitsfall mit einer entsprechenden Therapie begonnen wird, desto langsamer schreitet die Demenz fort.

Um einer Demenz vorzubeugen, können Herrchen und Frauchen für eine ausreichende mentale Auslastung ihres Vierbeiners sorgen. Wechselnde Herausforderungen, Denkspiele und das Einüben neuer Kommandos können helfen, die kognitiven Fähigkeiten zu steigern. Auch Hundefutter, das reich an Antioxidantien und mitochondrialen Cofaktoren ist, hat sich als unterstützend für die Hirnfunktion erwiesen.

Schwerhörigkeit

Hört ein alter Hund nicht mehr zuverlässig auf die Kommandos von Herrchen und Frauchen, so wird dies zunächst oft mit Sturheit verbunden. Dabei kann schlicht der Verlust des Hörvermögens hinter der fehlenden Reaktion stecken. Alters-Schwerhörigkeit ist gerade unter betagten Hunden weit verbreitet und kann sich zur Taubheit steigern (Presbyakusis). Am häufigsten ist der Cavalier King Charles Spaniel vom degenerativen Hörverlust betroffen.

Laut der Uni Giessen werden insbesondere hohe Töne, zum Beispiel Hundepfeifen, von alten Hunden oft nicht mehr gut gehört, weil diese im Laufe des Lebens am meisten beansprucht werden. Wenn Hundehalterinnen und Hundehalter eine Schwerhörigkeit oder Taubheit bei ihrem Tier vermuten, sollte ein Hörtest in einer Tierklinik durchgeführt werden.

Außerdem kann es sinnvoll sein, den Hund unterwegs an einer langen Leine zu führen, um ihn im Fall der Fälle bei sich halten zu können. Denn Hunde mit einem verminderten Hörvermögen erschrecken leichter, da sie nahende Artgenossen oder andere Reize erst spät bemerken.

Vermindertes Sehvermögen

Wie bei uns Menschen lässt auch bei Hunden neben dem Verlust des Hörvermögens auch die Sehkraft mit zunehmendem Alter nach – beim einen mehr, beim anderen weniger. Zuallererst ist meistens das Sehen im Dunkeln beeinträchtigt. Das abnehmende Sehvermögen und der damit verbundene Orientierungsverlust verunsichern das Tier je nach Ausprägung mehr oder weniger stark und lösen Stress aus.

Zwischen Mensch und Tier können Missverständnisse in Situationen entstehen, die der Hund aufgrund seiner fehlenden Sinneskraft nicht mehr richtig einschätzen kann und im Zweifel als mögliche Bedrohung empfindet. In den eigenen vier Wänden sollten einem Hund daher stets genügend Rückzugsmöglichkeiten gegeben werden. Auch Treppen oder andere mögliche Gefahrenstellen sollten abgesichert sein.

Draußen sollten alte Hunde mit einem schlechten Sehvermögen an der Leine geführt werden – sie geraten wegen ihrer fehlenden Sinnesleistung schneller in Panik. Die Leine gibt Sicherheit.


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