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Insektenforschung Wie die Honigbiene nach Europa kam

Bienen beim Trinken: Die Urahnen unserer Westlichen Honigbiene stammen aus Asien
Bienen beim Trinken: Die Urahnen unserer Westlichen Honigbiene stammen aus Asien
© EcaterinaLeonte / Adobe Stock
Lange stritten Forschende darüber, ob die Honigbiene aus Asien oder aus Afrika stammt. Genomanalysen deuten nur auf einen asiatischen Ursprung hin

Honigbienen sind nicht nur unverzichtbar für die Lebensmittelproduktion weltweit. Sie sind auch echte Globetrotter. Darauf deuten genetische Analysen eines Forscherteams hin. Die Biolog*innen um Kathleen A. Dogantzis von der York University in Toronto haben dafür 251 Bienen aus Europa, Afrika und Asien unter die Lupe genommen. Deren Genom verriet: Schon vor rund sechs Millionen Jahren sammelten die Urahnen unserer Westlichen Honigbiene im westlichen Asien Nektar. Und begannen, neue Erdteile zu besiedeln.

Eine Stammeslinie der Honigbiene breitete sich demnach vor ein bis zwei Millionen Jahren in nördlicher Richtung nach Nordeuropa aus. Und von dort nach Mitteleuropa und bis auf die iberische Halbinsel. Eine andere Stammeslinie hat Europa wahrscheinlich auf einer westlichen Route erreicht. Und könnte in Südost- und Südeuropa die vor ihr angekommenen Artgenossen teilweise wieder verdrängt haben.

Den Analysen zufolge entstanden die heutigen rund 30 Unterarten von Apis mellifera vor rund 140.000 bis 280.000 Jahren. Zurückzuführen sind sie auf sieben Stammeslinien, deren gemeinsame Vorfahren vor acht Millionen Jahren in Asien Nektar und Pollen sammelten und in ihren Stock trugen.

Arbeiterinnen entscheidend für die Anpassungsfähigkeit der Bienen

Bei der rasanten Ausbreitung der fleißigen Honigsammlerinnen – und der Anpassung an neue Gegebenheiten – half ihnen offenbar vor allem die genetische Ausstattung der Arbeiterinnen. Ihre Anpassungsfähigkeit könnte demnach entscheidend für das Überleben des Staats gewesen sein: Arbeiterinnen legen zwar keine Eier, versorgen aber die Brut und verteidigen den Staat gegen Angreifer.

Honigbienen sind heute Kosmopoliten. Sie leben im tropischen Regenwald ebenso wie in gemäßigten Breiten mit kalten Wintern. Apis mellifera bildet mit ihren Unterarten nur eine winzige Fraktion im Reich der Bienen. Weltweit sind mehr als 20.000 Arten bekannt. Im Unterschied zu vielen ihrer wild lebenden Verwandten gelten Honigbienen nicht als gefährdet.


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