Zwischen 1980 und 2020 sind in Europa ganze 600 Millionen Vögel verschwunden. Grund dafür ist ein Mangel an Lebensräumen, Nahrung und Nistplätzen. Besonders betroffen sind Feld- und Wiesenvögel wie der Kiebitz oder das Rebhuhn. Aber auch Singvögel, Eulen und Greifvögel suchen oft vergeblich nach geeigneten Höhlen und Nischen. Nistkästen nehmen sie deshalb dankbar an. Damit keine Vogelart zu kurz kommt, braucht es in Gärten, auf Streuobstwiesen und an Waldrändern ein breites Angebot verschiedener Nisthilfen. Denn die Vorlieben der Tiere gehen zum Teil stark auseinander. Klassische Vogelhäuser mit kleinem Einflugloch können nur von einem Bruchteil der heimischen Vögel genutzt werden. Der NABU warnt außerdem vor minderwertiger Qualität, die den Vögeln unter Umständen schaden kann.
Nistkästen für Höhlenbrüter
Klassische, geschlossene Vogelhäuser mit einem runden Einflugloch werden von Höhlenbrütern angenommen. Je nach Vogelart kommt es vor allem auf den Durchmesser und die Ausrichtung des Einfluglochs an:
- Kleinere Meisen wie die Blaumeise oder die Tannenmeise sind durch kleine Einfluglöcher mit einem Durchmesser von 28 Millimetern optimal geschützt.
- Gartenbaumläufer sind kaum größer als Blaumeisen, der Nesteingang befindet sich bei speziellen Nistkästen jedoch an der Rück- und Seitenwand.
- Größere Meisen wie die Kohlmeise oder die Haubenmeise benötigen einen größeren Eingang: 32 Millimeter dürfen es in diesem Fall sein.
- Haus- und Feldsperlinge brüten gern in Gruppen, deshalb bevorzugen sie Koloniekästen mit einem Einflugloch zwischen 32 und 34 Millimetern.
- Für den Gartenrotschwanz, Kleiber oder Trauerschnäpper eignen sich Einfluglöcher ab 34 Millimeter.
- Stare freuen sich über ein Einflugloch mit einem Durchmesser von 45 Millimeter. Auf Streuobstwiesen mit altem Baumbestand zieht hier mit etwas Glück auch der seltene Wendehals ein.
- Der Wiedehopf nutzt seitlich versetzte Einfluglöcher ab 51 Millimeter. Die Nistkästen werden bodennah angebracht, nicht in unmittelbarer Wald- oder Siedlungsnähe.
- Steinkauz und Raufußkauz benötigen etwa 65 bis 70 Millimeter Platz für den Einflug, der Waldkauz sogar 130 Millimeter.
Nistkästen für Halbhöhlenbrüter
Zu den Halbhöhlenbrütern gehören unter anderem Amseln, Bachstelzen, Hausrotschwänze, Rotkehlchen und Grauschnäpper, aber auch Turmfalken oder Uhus. Naturgemäß suchen sie nach Nischen und Spalten für den Nestbau, weshalb Nistkästen für diese Vogelarten nicht über ein rundes Einflugloch verfügen, sondern über eine halb geöffnete Front. Werden diese Halbhöhlen falsch angebracht, haben Raubtiere leichtes Spiel. Für Katzen und andere Fressfeinde sollten sie entweder schwer zu finden oder unmöglich zu erreichen sein. Im dichten Gebüsch oder hoch an der Hauswand sind die Nistkästen sicher.
Eine Halbhöhle nimmt zuweilen auch der Zaunkönig dankend an. Der kleine Vogel ist an das Leben im dichten Gestrüpp angepasst und fühlt sich zwischen Brombeerhecken, Wildrosen und Totholzhaufen wohl. Wo der flinke Vogel die richtigen Bedingungen vorfindet, baut er gleich mehrere Nester, aus denen das Weibchen die beste Kinderstube auswählt. Über ein wenig Unterstützung dürfte sich das geschickte Männchen also freuen. Spezielle Nestbeutel kann man kaufen oder aus biegsamen Ästen, trockenem Gras und Moos selbst herstellen.
Nisthilfen für Schwalben und Mauersegler
Schwalben und Mauersegler nutzen keine Vogelhäuser im klassischen Sinne. Nisthilfen sind den Nestern nachempfunden, die die Vögel üblicherweise selbst bauen. Mauersegler brüten ursprünglich an Felsen und Klippen. Heute nutzen die Vögel Dächer oder Mauerspalten, die sie an Neubauten und sanierten Dächern jedoch immer seltener finden - ebenso wenig wie geeignetes Material für den Nestbau.
Künstliche Mehlschwalbennester und Nistkästen für Mauersegler sollten immer in Gruppen angebracht werden, denn bei beiden Vogelarten handelt es sich um Koloniebrüter. Der beste Standort befindet sich hoch oben unter einem Dachvorsprung.
Anfang März sollte der Nistkasten hängen
Für viele heimische Vögel beginnt Anfang März die Brutzeit. Spätestens dann sollten die Nistkästen bezugsfertig sein. Wer besonders pünktlich ist und die Vogelhäuschen schon im Herbst aufhängt, bietet den Tieren damit nicht nur ein Winterquartier, sondern auch die Möglichkeit, sich schon früh auf die Suche nach einem Nistplatz zu machen. Aber auch später im Jahr lohnt es sich, neue Nistkästen aufzuhängen. Denn Zugvögel wie der Trauerschnäpper sind teilweise erst im April wieder in Deutschland anzutreffen und freuen sich über ein freies Plätzchen, um den Nachwuchs großzuziehen. Im Winter werden Nisthilfen gern als Winterquartiere genutzt.
Woran erkenne ich ein hochwertiges Vogelhaus?
Einen Nistkasten für Vögel können Sie relativ einfach selbst bauen. Der NABU stellt detaillierte Bauanleitungen bereit. Wer handwerklich nicht so geschickt ist oder wenig Zeit hat, kauft geeignete Nisthilfen im Handel. Dabei ist Vorsicht geboten, denn nicht alle Produkte sind hochwertig. Manche können den Tieren sogar schaden, warnt der NABU. Demnach sind viele Modelle zu klein, um alle Jungen zu beherbergen. Eine Grundfläche von zwölf mal zwölf Zentimetern sei für Singvögel mindestens erforderlich. Darüber hinaus dürfe sich das Einflugloch nicht in der Mitte des Kastens befinden, sondern weit oben. So fällt es Fressfeinden wie Katzen schwer, die Jungen mit der Pfote zu erreichen.
Eine Sitzstange vor dem Einflugloch sei nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich für die Vögel. Denn sie dient Fressfeinden als Kletterhilfe. Nistkästen sollten zudem aus Naturholz bestehen. Modelle aus Plastik sind nicht geeignet: Sie erhitzen schnell und an der glatten Oberfläche können die Jungen nicht hinaufklettern. Ein guter Nistkasten muss sich außerdem öffnen lassen, denn nur so können Sie ihn reinigen. Der beste Zeitpunkt dafür ist der Spätsommer. Hier verraten wir, worauf Sie bei der Reinigung eines Nistkastens achten müssen.
Der Garten als Lebensraum
Genauso wichtig wie Nisthilfen sind natürliche Lebensräume im Garten. Denn von Nistkästen profitieren nur höhlen- und nischenbrütende Vogelarten. Das treffe laut NABU lediglich auf eine von ungefähr fünf Vogelarten zu. Ein Naturgarten mit dichten Hecken, heimischen Gehölzen und Wiese statt Rasen ist daher ein wichtiger Lebensraum für viele Vögel.
Mit diesen Pflanzen schaffen Sie vogelgerechte Rückzugsorte im Garten
Mit diesen Pflanzen schaffen Sie vogelgerechte Rückzugsorte im Garten
Übrigens: Auch auf dem Balkon können Sie einiges für Wildvögel tun. Ein kleiner Nistkasten, eine Vogeltränke und ein Futterhäuschen finden fast überall Platz. Platzsparendes Balkonobst zieht im Frühling Insekten an und nährt im Herbst sowohl Mensch als auch Vogel. In Töpfen und Balkonkästen pflanzen Sie insektenfreundliche Pflanzen an und wenn ein Vogel auf dem Balkon ein Nest baut, lassen Sie ihn ungestört brüten und die Jungen aufziehen.