Wild lebende Schimpansen besitzen eine viel umfassendere Kultur als bisher angenommen. Mehrere Jahre lang beobachteten Forschende 28 Schimpansen im ugandischen Regenwald und dokumentierten Situationen, in denen ein Tier ein anderes aufmerksam observierte – das „Peering“.
Schimpansenkinder beobachteten vor allem erfahrene Tiere, häufig ihre Mütter, und schauten ihnen bei seltenen, komplexen, aber auch alltäglichen Handlungen zu. So lernten sie grundlegende Fähigkeiten wie Nahrungssuche, Fressen, Spielen, Körperpflege – aber auch Wundversorgung.
Insgesamt identifizierten die Forschenden 69 verschiedene Verhaltensweisen, die sich die Affen auf diese Weise aneigneten. Bisher galt nur ein Bruchteil dieser Fähigkeiten als kulturell erlernt. Ihre Ergebnisse veröffentlichte das Team des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie im Fachjournal iScience.
Die Autorinnen und Autoren argumentieren, dass die Schimpansenkultur nicht nur aus komplexen Verhaltensweisen wie Werkzeuggebrauch besteht. Ähnlich wie beim Menschen gehören auch einfache, alltägliche Fertigkeiten dazu, die an jüngere Gruppenmitglieder weitergegeben werden.
Betrachte man Tiere nach den gleichen Maßstäben wie Menschen, zeige sich, dass Schimpansen – und möglicherweise auch viele andere Arten – weitreichendere und vielfältigere Kulturen besitzen, als lange vermutet. Die Erkenntnisse sollen dabei helfen, das Verhalten der Tiere besser zu verstehen und ihre Lebensräume in einer sich wandelnden Umwelt effektiver zu schützen.