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Niederlande Massenhaft tote Schweinswale auf Nordseeinseln gestrandet

Gestrandete Schweinswale auf Ameland: Ist das Militär schuld?
Gestrandete Schweinswale auf Ameland: Ist das Militär schuld?
© Rob Knoeff / RTZ
In den vergangenen Tagen wurden mehr als 100 der Meeressäuger an den Stränden niederländischer Inseln entdeckt. Die Ursache könnten Walschützern zufolge militärische Übungen sein

An den Küsten niederländischer Nordseeinseln sind in den vergangenen Tagen mehr als 100 Kadaver von Schweinswalen angetrieben worden. Das berichten die Whale and Dolphin Conservation und der Verein Schweinswale e.V.

Demnach sind allein am Strand der Insel Ameland 26 tote Tiere angeschwemmt worden, und wie die Walschützer berichten, werden es täglich mehr. Auch auf dem Meer treibend wurden Kadaver entdeckt. Offenbar sorgte der Wind aus nördlichen Richtungen dafür, dass die Kadaver angespült wurden.

Diese Zahlen seien für die niederländische Nordseeküste "extrem hoch", sagt Lonneke IJsseldijk von der Universität Utrecht, wo die Kadaver zurzeit untersucht werden. "Unter den gestrandeten Tieren befinden sich viele erwachsene Tiere. Eine derartig hohe Sterblichkeit älterer Tiere haben wir noch nie erlebt."

Die Tiere weisen einen ähnlichen Verwesungszustand auf, was den Expert*innen zufolge darauf hindeutet, dass die Tiere zur selben Zeit starben. Die genaue Todesursache ist allerdings unklar – und wird wegen der fortgeschrittenen Verwesung möglicherweise nicht geklärt werden können. Neben einer möglichen Virusinfektion könnten den Walschützerinnen und -schützern zufolge auch Militäroperationen schuld an der Katastrophe sein.

Ist eine Militärübung die Ursache des Massensterbens?

Seit dem 23. August findet in den Gewässern vor Ameland eine groß angelegte Minenräumübung mit 600 Soldatinnen und Soldaten statt. Bei derartigen Unterwasser-Operationen werden regelmäßig große Mengen Sprengstoff zur Detonation gebracht. Um Schweinswale, Robben und Fische vor dem tödlichem Schalldruck zu schützen, müssten sie zuvor aus dem Gefahrenbezirk vergrämt und durch einen doppelten Blasenschleier geschützt werden.

Doch solche Vorkehrungen gehören nicht zum Standard. Das zeigt ein Vorfall aus dem Jahr 2019 in der deutschen Ostsee. Damals sprengte ein Nato-Verband in einem Meeresschutzgebiet vor der Insel Fehmarn ohne alle Sicherheitsvorkehrungen 42 britische Seeminen. In der Folge wurde 18 Schweinswale tot an die Küsten Fehmarns angespült. Eine Untersuchung des Vorfalls zeigte: Das Umweltministerium war zuvor nicht informiert und geltendes Naturschutzrecht gebrochen worden.

"Wenn sich herausstellt, dass militärische Aktivitäten die aktuelle Massenstrandung verursacht haben, haben wir einen handfesten Umweltskandal", sagt Fabian Ritter, Leiter Meeresschutz bei Whale and Dolphin Conservation. Dass militärische Aktivitäten immer wieder über geltendes Naturschutzrecht gestellt würden, könne nicht länger hingenommen werden.

Seit Jahren gibt es Bemühungen, die große Menge an Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg, die noch in der Nordsee liegen, unschädlich zu machen – und teilweise zu sprengen. Nach offiziellen Schätzungen liegen allein in der deutschen Nordsee rund 1,3 Millionen Tonnen Munition aus Weltkriegszeiten.

Schweinswale sind europaweit streng geschützt. Doch die Zahl der Meeressäuger nimmt sowohl in der Nord- als auch in der Ostsee besorgniserregend ab. Erst zu Beginn dieses Jahres warnten Forscher*innen vor dramatischen Rückgängen bei den Beständen der Nordsee-Schweinswale. Neben Unterwasserdetonationen gibt es weitere Stressfaktoren, darunter andere militärische Aktivitäten, zunehmender Schiffsverkehr, die Fischerei und der Bau von Offshore-Windkraftanlagen.


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