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Mit Video Immer weniger Schweinswale im Hamburger Hafen

Schweinswale werden bis zu 1,80 Meter lang und sind damit kleiner als Delfine
Schweinswale werden bis zu 1,80 Meter lang und sind damit kleiner als Delfine
© IMAGO / Nature Picture Library
Regelmäßig im Frühjahr besuchen die Meeressäuger die Hansestadt: Sie ziehen ihrer Lieblingsspeise, dem Stint, elbaufwärts hinterher. Doch die Wale zeigen sich immer seltener. Umweltverbände machen Baggerarbeiten in der Elbe dafür verantwortlich

Der Schweinswal ist der einzige Wal, der regelmäßig in der deutschen Nord- und Ostsee lebt. Und nicht nur das: Im Frühjahr schwimmt er hundert Kilometer die Elbe aufwärts, bis in den Hamburger Hafen – immer dem Stint auf den Fersen, einem seiner liebsten Speisefische. Im April 2016 zeigten sich bis zu hundert Meeressäuger im Hafen der Hansestadt.

Doch die Zahl der Besucher aus der Nordsee nimmt seit Jahren ab, wie die Umweltverbände BUND, NABU und WWF beklagen. Der Grund: Die Bedingungen für den Stint, der im Frühjahr zum Laichen elbaufwärts zieht, werden im Fluss stetig schlechter. Seit die Elbe für den Schiffsverkehr immer wieder vertieft wird, sinkt dort der Sauerstoffgehalt.

Das liegt zum einen an den Baggerarbeiten selbst, bei denen jede Menge Sedimente aufgewirbelt werden. Im vergangenen Jahr kam es sogar zu einem massenhaften Fisch-Sterben im Bereich der Elbmündung. Ob die Baggerarbeiten die Ursache waren, ist bis heute ungeklärt. Zum anderen verändern sich die Strömungsverhältnisse, je tiefer das Flussbett ausgebaggert wird.

Baggerarbeiten verändern das komplette Ökosystem

Schon immer strömte das Nordseewasser bei Flut in den Fluss und brachte Sedimente aus der Nordsee mit. Doch je tiefer der Querschnitt des Flusses - nach der jüngsten Vertiefung können nun auch Schiffe mit einem Tiefgang von über 15 Metern Hamburg erreichen -, desto mehr und desto schneller fließt das Meerwasser bei Flut in Richtung Hamburg. Und bringt auch mehr Schlick aus der Nordsee mit. Das führt dazu, dass Flachwasserzonen verlanden, die als "Lungen des Flusses" für seine Anreicherung mit Sauerstoff wichtig sind. In tieferen Bereichen bilden sich extrem sauerstoffarme Zonen, in denen Fische buchstäblich ersticken. Auch erwärmtes Kühlwasser aus dem Kohlekraftwerk Moorburg führt dazu, dass das Elbwasser weniger Sauerstoff enthält.

Dieses Video, aufgenommen von einer Spaziergängerin am 18. April 2021 im Hamburger Hafen, zeigt die charakteristischen, dreieckigen Rückenflossen der kleinen Wale:

Mit Video: Immer weniger Schweinswale im Hamburger Hafen
@eternal.soulshine

Der seltene Besuch der kleinen Wale mag Spaziergänger am Ufer freuen. Doch der NABU Hamburg verweist darauf, dass der wirtschaftlich bedeutsame Hafen der Hansestadt kein guter Aufenthaltsort für sie ist: Schadstoffe im Wasser, Unterwasserlärm und die ständige Gefahr, mit Motorbooten zu kollidieren, machen die Jagd auf den Stint für den Schweinswal zu einem riskanten Ausflug ins Süßwasser.

Ende Mai, wenn die Wanderung der Stinte zu Ende ist, zieht sich auch der Schweinwal aus Hamburg wieder in die Nordsee zurück.


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