Botswana Hunderte tote Elefanten: Rätsel um Massensterben scheint gelöst

Aus dem afrikanischen Land wurden Hunderte tote Elefanten gemeldet - Todesursache unbekannt. Nun zeigen Labortests: Offenbar haben sich die Tiere an Wasserstellen vergiftet
Afrikanischer Elefant, Botswana

330 Elefanten erlagen in Botswana offenbar einer Vergiftung mit Neurotoxinen

Elefanten, die größten Landsäugetiere der Erde, gelten als gefährdet – und stehen unter strengem Naturschutz. Umso alarmierender war eine Meldung, die vor einigen Monaten um die Welt ging. Aus Botswana berichteten Wildhüter von insgesamt 330 toten Elefanten, die seit März deses Jahres im Okavango-Delta gefunden wurden. Die Todesursache: unbekannt. Wilderei schied aus, weil die Kadaver unversehrt waren. Die Stoßzähne, die auf dem Schwarzmarkt hohe Preise erzielen, steckten noch im Schädel.

Nun haben Labortests ergeben: Offenbar hatten sich die Tiere an Wasserstellen vergiftet; menschliche Einwirkung scheint ausgeschlossen. Das teilte Mmadi Reuben mit, der Chefveterinär der Nationalparks in Botswana.

Schuld sind demnach giftige, aber natürlich vorkommende Cyanobakterien. Die Einzeller haben sich möglicherweise in den Gewässern massenhaft vermehrt, die viele Elefanten zum Trinken nutzen. Bestimmte Cyanobakterien sind auch in unseren Breiten bekannt: als sogenannte Blaualgen in Binnengewässern. Auch sie sind giftig für Säugetiere.

So genannte Neurotoxine aus Cyanobakterien haben schon früher zu Massensterben geführt. So starben zwischen 2005 und 2008 im südafrikanischen Krüger-Nationalpark zahlreiche Gnus, Zebras, Nashörner und Raubtiere.

Warum starben nur Elefanten?

Die Experten suchen allerdings weiter nach einem Grund, warum in Botswana nur Elefanten betroffen waren. Möglicherweise ist die unterschiedliche Art zu trinken Schuld: Im Gegensatz zu anderen Säugetieren nehmen Elefanten mit ihrem Rüssel das Wasser nicht nur direkt von der Oberfläche, sondern auch aus tieferen Schichten und mit Schlamm vermischt auf.

Auch über das Auftreten der Bakterien gibt es noch keine Klarheit. Denkbar wäre laut Experten, dass eine lange Dürre und nachfolgende heftige Regenfälle zu einer massenhaften Vermehrung geführt hatten.

In Botswana hat sich der Bestand der Elefanten – auch dank effizienter Schutzmaßnahmen – gut erholt. Nach Schätzungen leben dort rund 130.000 Tiere – so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Weil Bauern zunehmend darüber klagen, die Tiere würden ihre Ernte und Häuser zerstören, gab es zuletzt allerdings auch Spekulationen über einen Zusammenhang mit den mysteriösen Todesfällen.

Zu Massensterben kommt es unter afrikanischen Wildtieren immer wieder. Am schlimmsten traf es Afrikanische Elefanten bislang in den 70er-Jahren, als im Tsavo-Nationalpark in Kenia nach einer schweren Dürre 5900 Tiere verendeten.