Schnakenlarven Schädling im Beet: Kennen Sie die "unterirdische Schnecke"?

Wiesenschnake,Hinterende mit Tracheenoeffnungen
Ein typisches Erkennungsmerkmal von Schnakenlarven (Tipula) ist die "Teufelsfratze" an ihrem Hinterende. Die Ausstülpungen helfen bei der Fortbewegung
© H. Bellmann/F. Hecker / picture alliance
Keine Schnecke zu sehen und der Salat trotzdem abgefressen: Schnakenlarven fallen im Frühling über Gemüse und Rasen her. Wie man die Tiere erkennt – und wieder los wird

Der Schneckenkragen sitzt, weit und breit keine Schleimspur zu sehen. Trotzdem wurde der Salatsetzling über Nacht niedergemetzelt. Auch die Wurzel ist abgefressen. Beim Graben offenbart sich der Übeltäter: Ein vier Zentimeter langes graubraunes Würmchen mit lederartiger Haut windet sich in der Erde. Es handelt sich um eine Schnakenlarve, lateinisch Tipula.

Die Larven werden im Volksmund auch "unterirdische Schnecken" genannt, weil sie sich im Boden verkriechen und Pflanzen von unten her abfressen. Andere Ausdrücke sind "Lederwurm", "Lederlarve" oder im Englischen "Leatherjacket", übersetzt: "Lederjäckchen".

Larve einer Kohlschnake (Tipula oleracea) attackiert Lauch
Eine Larve der Kohlschnake (Tipula oleracea). Sie befällt oft in großer Zahl junge Gemüsepflanzen. Tagsüber vergräbt sie sich in der Erde und knabbert an den Wurzeln
© Science Source / Nigel Cattlin / mauritius images

Am Hinterleib trägt Tipula sechs hornartige Ausstülpungen, die der Fortbewegung dienen, und zwei kreisrunde, schwarze Atemöffnungen. Diese werden wegen des unheimlichen Aussehens "Teufelsfratze" genannt. Aus den Larven schlüpfen nach der Verpuppung ausgewachsene Schnaken, jene Riesenmücken, die sich oft im Sommer in die Wohnung verirren. Sie stechen nicht, sind also harmlos.

Welche Arten von Schnaken gibt es?

Schätzungen zufolge leben in Deutschland mehr als 100 Schnakenarten. Aber nur die wenigsten verursachen Schäden im Garten. Dazu zählen:

  • Wiesenschnake oder Sumpfschnake (Tipula paludosa), deren Larven vor allem Rasenflächen unterirdisch und später auch oberirdisch abknabbern
  • Kohlschnake (Tipula oleracea), deren Larve sich, wie der Name sagt, häufig im Gemüsebeet satt frisst
  • Herbstschnake (Tipula czizeki) befällt gelegentlich Rasenflächen, scheint aber eine untergeordnete Rolle zu spielen

Allein anhand des Aussehens zu bestimmen, welche Larve genau man vor sich hat, ist ohne insektenkundliche Ausbildung kaum möglich und auch nicht notwendig. Am aktivsten und größten sind die Larven im Frühling.

Wie sieht der Lebenszyklus der Schnaken (Tipula) aus?

Die ausgewachsene Wiesenschnake trifft man ausschließlich im Spätsommer von August bis September an. Die Kohlschnake fliegt und paart sich von April bis Juni und von August bis Oktober. Die Herbstschnake ist von Oktober bis November unterwegs. Die erwachsenen Tiere haben eine Körperlänge von bis zu zweieinhalb Zentimetern und ernähren sich von Nektar.

Wiesenschnake - Tipula paludosa-  im Gras
Das Weibchen der Wiesenschnake (Tipula paludosa) bohrt mit seinem spitzen Hinterteil ein Loch in die Erde, um darin Eier abzulegen. Die daraus schlüpfenden Larven ernähren sich von den Graswurzeln
© nature picture library / Nick Upton / mauritius images

Nach der Paarung legen die Weibchen bis zu 500 Eier (Wiesenschnake und Herbstschnake) beziehungsweise 1200 Eier (Kohlschnake) unter der Erdoberfläche ab. Wiesenschnakenlarven und Kohlschnakenlarven schlüpfen nach ungefähr zwei Wochen. Die Herbstschnake überwintert im Eistadium, die Larven schlüpfen erst im Frühling. 

Nach dem Schlupf beginnen die wenige Millimeter kleinen Larven, an Graswurzeln oder Gemüsewurzeln zu fressen. Nachts verlassen sie ihre Erdgänge und knabbern auch an zarten, oberirdischen Pflanzenteilen. Die Larven der Wiesenschnake schädigen vor allem Rasenflächen, die sich durch den Wurzelfraß mit der Zeit braun verfärben und absterben. Die Kohlschnake richtet auch in Gemüsebeeten oder Feldern großflächig Schäden an. 

Wiesenschnake und Kohlschnake überwintern als Larve und fressen sich insbesondere im Frühling durch den sprießenden Rasen, beziehungsweise die frisch bepflanzten Gemüsebeete. Bis zu 400 gefräßige Larven pro Quadratmeter wurden schon beobachtet. Ihre Körper wachsen über mehrere Wochen von wenigen Millimetern auf rund vier Zentimeter.

Im vierten Larvenstadium graben sich die walzenförmigen Tiere tiefer in den Boden und verpuppen sich. Kurz vor dem Ausschlüpfen befördert sich der in der Puppe befindliche Imago mit wellenförmigen Bewegungen wieder gen Oberfläche und bricht seine Hülle auf. Die ausgewachsene Schnake fliegt davon, um sich zu paaren, während die Puppenhülle in der Erde stecken bleibt. Der Kreislauf beginnt erneut.

Sollte man Wiesenschnaken und Kohlschnaken bekämpfen?

Unter Naturschutz stehen sie jedenfalls nicht. Trotzdem will gut überlegt sein, ob eine Bekämpfung wirklich notwendig ist. Denn Schnaken spielen ökologisch eine wichtige Rolle. Sowohl die Larven als auch die ausgewachsenen Fluginsekten sind eine proteinreiche Nahrungsquelle für Vögel, Amphibien und Säugetiere wie den Igel. Allerdings kann das Scharren der Altvögel auf der Suche nach Larven wiederum zur Verwüstung von Rasen und Gemüsebeet beitragen. Hier gilt es individuell abzuwägen, inwiefern man eingreift oder der Natur ihren Lauf lässt. 

Schnakenlarven manuell beseitigen

Die manuelle Beseitigung ähnelt der von Schnecken: Im Dunkeln mit der Taschenlampe Rasen oder Beete abgehen und die Tierchen einsammeln. Diese kriechen nachts aus ihren Löchern und robben auf der Suche nach Nahrung trotz fehlender Beine erstaunlich agil über Wege und Beetflächen. Mit einem Gemisch aus einem Teil Zucker und zehn Teilen feuchter Weizenkleie sollen sich die Tiere gezielt anlocken lassen. Nimmt man sie auf die nackte Hand, zwicken sie beim Fluchtversuch leicht, ohne zu verletzen. Auch beim Umtopfen lohnt es sich zu prüfen, ob sich Tipula-Larven eingenistet haben, die an den Wurzeln junger Setzlingen fressen.

Ist der Rasen befallen, kann man die Fläche im Frühjahr walzen oder tief vertikutieren, um die großen Larven zu erwischen. Weil dabei oft auch der Rasen in Mitleidenschaft gezogen wird, muss mitunter nachgesät werden. Ein hoch wachsender Rasen erschwert den Schnaken die Eiablage im Vergleich zu einem raspelkurzen. 

Gemüsebeete lassen sich durch Schutznetze während der Flugzeit der Schnaken vor einer Eiablage schützen. Dennoch können Larven aus angrenzenden Rasenflächen auch das Gemüse anknabbern.

Nematoden gegen Schnakenlarven einsetzen

Eine weitere natürliche Bekämpfungsmethode sind Nematoden (Steinernema carpocapsae). Das sind Fadenwürmer, die sich im Internet bestellen lassen. Sie werden mit dem Gießwasser auf die befallene Fläche ausgebracht. Nematoden wirken am besten gegen die kleinen Larvenstadien, die von Mitte September bis Anfang Oktober aktiv sind; und bei der Kohlschnake, die zwei Generationen bildet, zusätzlich auch von Mitte Mai bis Mitte Juni.

Für ein optimales Ergebnis sollte die Bodentemperatur über 14 Grad Celsius liegen und die Erde zwei bis drei Wochen leicht feucht gehalten werden. Die Nematoden dringen über Körperöffnungen in die Larve ein und infizieren sie mit einem Bakterium, das sich vermehrt und die Larve tötet. Die Nematoden fressen wiederum den toten Wirtskörper und produzieren Nachkommen, die weitere Larven infizieren. 

Gegen einen akuten Befall der großen letzten Larvenstadien, die den meisten Schaden anrichten, können die Nematoden allerdings nichts ausrichten. Sie wirken vorbeugend für die nächste Saison. Für warmblütige Tiere und Menschen sind die Nematoden harmlos.

Nacktschnecke frisst Salat

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Ein Garten ohne Chemie – geht das überhaupt? René Wadas ist begeisterter Gärtner und beschreibt in seinem Buch „Der Pflanzenarzt“ wie ein gesunder Garten, ganz ohne Chemie funktioniert. Kaum zu glauben, aber auch Schnecken lassen sich ohne Gift aus dem Beet fernhalten

Eine weitere Möglichkeit des Umgangs mit den gefräßigen Tierchen ist: Nichtstun, Vögeln und Igeln die Arbeit überlassen. Um den Preis, dass der Rasen ein paar Löcher bekommt und der Schwund im Gemüsebeet etwas größer ist als sonst.