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Alarmierendes Naturphänomen Woher kommt der Schaum an den Nordsee-Stränden?

Schaum am Strand der Nordsee tritt vor allem im Frühjahr auf. Er ist die Folge einer Algenblüte
Schaum am Strand der Nordsee tritt vor allem im Frühjahr auf. Er ist die Folge einer Algenblüte
© mauritius images / Jochen Tack / imageBROKER
An einigen Stränden der Nordsee stapfen Spaziergänger zurzeit knöcheltief durch fluffigen Schaum. Ein für diese Jahreszeit ungewöhnliches Phänomen. Und ein beunruhigendes dazu

An den Stränden der Nordsee bietet sich den Menschen derzeit ein ungewöhnliches Bild: In der Brandung treiben dicke Schaumteppiche, Flocken davon weht der Wind über die Strände. Das berichtet das Besucherzentrum der "Watt Welten" auf der Nordseeinsel Noderney auf Facebook.

Das Phänomen der Schaumberge ist an der Nordsee zwar nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist allerdings die Jahreszeit. Denn solche Schaumteppiche bilden sich in der Regel erst im Frühjahr.

Grund für den ungewöhnlichen Strand-Zauber ist eine einzellige Alge namens Phaeocystis globosa, auch Schaumalge genannt. Die für das bloße Auge unsichtbaren Einzeller schließen sich zu Kolonien zusammen und umgeben sich mit einer Schleimschicht aus Polysacchariden, um darin Nährstoffe zu speichern und um sich vor Fressfeinden und Viren zu schützen.

Sterben die Algenkolonien ab, zum Beispiel nach einer Algenblüte, treiben die übrig gebliebenen Schleimhüllen an die Strände, wo sie in der Brandung wie Eischnee zu Schaum geschlagen werden.

Normalerweise tritt der Schaum im Frühjahr auf

Für gewöhnlich tritt der Schaum im Frühjahr auf, wenn die Wassertemperaturen steigen. Dass die Strände teilweise schon jetzt, im November, weiß sind, ist laut Expert*innen ein Warnsignal. Denn die Algenblüte ist auch ein Hinweis darauf, dass das Wasser der Nordsee für die Jahreszeit zu warm ist.

Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte, war der Oktober einer der wärmsten je gemessenen. Mit durchschnittlich 12,5 Grad Celsius war der Monat demnach nicht nur 3,5 Grad wärmer als im Schnitt der Jahre 1961 bis 1990. Die Sonne schien auch über 50 Stunden länger als gewöhnlich – laut dem Deutschen Wetterdienst ein klarer Hinweis auf den menschengemachten Klimawandel.

Nährstoffe befeuern Algenblüten zusätzlich

Ein weiteres Problem: Es befinden sich zu viele Nährstoffe im Meerwasser. Dabei handelt es sich überwiegend um Düngerrückstände aus der intensiven Landwirtschaft. Stickstoff etwa gelangt über Bäche und Gräben in Flüsse wie Elbe, Rhein und Weser – und von dort in die Nordsee. Die Belastung ist zwar seit einigen Jahren rückläufig – aber immer noch hoch, wie das Umweltbundesamt warnt.

Um ihre eigene Gesundheit müssen sich Strandurlauber keine Sorgen machen. Der Schaum ist ungiftig. Allerdings wird bei einer sehr intensiven Algenblüte so viel Biomasse abgebaut, dass es zu einer für Fische tödlichen Sauerstoffarmut im Wasser kommen kann.

Algen der Gattung Phaeocystis sind weltweit verbreitet – und produzieren etwa zehn Prozent der jährlichen Biomasse in den Ozeanen. Also rund zwei Milliarden Tonnen Polysaccharide, die, schaumig geschlagen, weltweit die Strände "zieren".

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