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Klimawandel Die Permafrostböden im Norden Europas sind wohl nicht zu retten

Tauende Permafrostböden gefährden auch die Infrastruktur – hier eine Brücke auf Spitzbergen (Archivbild)
Tauende Permafrostböden gefährden auch die Infrastruktur – hier eine Brücke auf Spitzbergen (Archivbild)
© IMAGO / blickwinkel
Noch gibt es in Skandinavien und Finnland Böden, die das ganze Jahr über gefroren sind. Doch schon bis zum Jahr 2040 werden sie wohl auftauen – selbst bei einem entschlossenen Klimaschutz

Wenn von tauenden Permafrostböden die Rede ist, denken wohl die meisten an die Weiten Sibiriens. Doch auch im Norden Europas gibt es Regionen, in denen der Boden unter der Erdoberfläche das ganze Jahr über gefroren bleibt. Noch. Ein Team von Forschenden hat nun berechnet, dass die Bedingungen für Permafrostböden in Skandinavien und Finnland sich im Zuge der Klimaerwärmung schon in kurzer Zeit rapide verschlechtern werden.

Wie das Team in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" berichtet, könnten schon im Jahr 2040 Permafrostböden an den nördlichen Rändern Europas unwiderruflich schmelzen – selbst im Fall eines entschlossenen weltweiten Klimaschutzes. Verantwortlich dafür sind steigende Temperaturen und vermehrte Niederschläge.

Für seine Prognosen hat das Team den Geografen Richard E. Fewster von der Universität Leeds vier verschiedene Emissions-Szenarien zugrunde gelegt. Das Worst-Case-Szenario beschreibt die Folgen eines Business as usual mit unverminderten Emissionen, das optimistischte Szenario dagegen geht davon aus, dass es der Menschheit gelingt, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren und so den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Permafrostböden sind gigantische Kohlenstoff-Speicher

Gleichwohl ist das Zusammenspiel von Permafrostböden und Klimasystem nicht restlos geklärt. Zwar werden sich Wälder in Folge des Temperaturanstiegs weiter nördlich ausbreiten. Davon profitiert das Klima, denn im Holz der Bäume werden große Mengen Kohlenstoff gebunden. Allerdings setzen tauende Permafrostböden ihrerseits gigantische Mengen Kohlenstoffdioxid und Methan frei, die den Klimawandel beschleunigen. Denn organisches Pflanzenmaterial, das bislang durch die Kälte konserviert war, kann nach dem Abschmelzen von Mikroben zersetzt werden. Dabei wird der im Boden gespeicherte Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre entlassen.

Insgesamt, so schreiben die Forschenden, seien in den untersuchten Permafrostböden Nordeuropas und Westsibiriens bis zu 39 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gebunden – doppelt so viel wie in allen europäischen Wäldern zusammen. Und selbst im optimistischen Unter-zwei-Grad-Szenario würde sich die für Permafrostböden geeignete Fläche um fast 60 Prozent verringern.

Das sei aber "kein Grund, das Handtuch zu werfen", mahnt Hauptautor Richard Fewster. Durch entschlossene Klimapolitik lasse sich der Verlust von Permafrost-Flächen eingrenzen und das Tempo verlangsamen, mit der die Böden auftauen.


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