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Pflanzenökologie Blütenblätter werden immer dunkler – mit gravierenden Folgen für die Bestäubung

Raps sendet spezifische UV-Muster aus, auf die ihre Bestäuber - hier eine Biene - reagieren
Raps sendet spezifische UV-Muster aus, auf die ihre Bestäuber - hier eine Biene - reagieren
© Daniel Prudek/Shutterstock
Eine neue Studie zeigt: Bei steigender UV-Strahlung werden Blütenblätter immer dunkler. Und möglicherweise unsichtbar für ihre Bestäuber

Viele Tierarten schützen sich vor schädlicher UV-Strahlung durch eine dunkle Pigmentierung. Und Pflanzen? Machen es genauso. Eine neue Studie, veröffentlich im Magazin Current Biology, kommt zu dem Schluss: Im Schnitt sind die Blütenblätter zwischen 1941 und 2017 jedes Jahr um zwei Prozent dunkler geworden. Für Menschen nicht wahrnehmbar, enthalten Blütenblätter heute also mehr UV-absorbierende Pigmente als noch vor 75 Jahren.

Die Forscher um den Pflanzenökologen Matthew Koski von der Clemson University in South Carolina, USA, untersuchten 1238 Präparate von insgesamt 42 Spezies aus Herbarien in den USA, in Europa und in Australien mit UV-sensiblen Kameras. Und glichen die Pigmentierung mit lokalen Klimadaten ab, vor allem dem Zustand der Ozonschicht, die die UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht filtert. Im untersuchten Zeitraum ist diese Schicht immer dünner geworden.

Mehr UV-Strahlung, mehr dunkle Pigmente

Beim Abgleich von Pigmentierung und der Dicke der Ozonschicht zeichnete sich ein klarer Zusammenhang ab: Je dünner die Ozonschicht, je höher also die lokale Belastung durch UV-Strahlung, desto stärker die Pigmentierung. Offenbar schützen die Pflanzen ihren empfindlichen Pollen auf diese Weise gegen die erbgutverändernde Strahlung.

Doch nicht alle Pflanzenspezies zeigten diese Reaktion. Bei einigen nahm die Pigmentierung sogar ab. Der Grund: Es handelt sich um Blüten, bei denen die Staubgefäße von den Blütenblättern umschlossen sind. Bei steigenden Lufttemperaturen besteht so die Gefahr, dass die Pollen zu großer Hitze ausgesetzt sind. Die Pflanze steuert darum mit einer helleren Pigmentierung gegen.

Folgen für die Welternährung und Artenvielfalt

Die allmähliche Veränderung der Blütenfarben ist zwar für menschliche Augen nicht wahrnehmbar. Doch für die Welternährung und die Artenvielfalt könnte die Verdunkelung der Blütenwelt weit reichende Folgen haben.

Pflanzen und ihre Bestäuber, darunter Bienen und Hummeln, sind seit Jahrmillionen eingespielte Teams. Die Insekten reagieren auf bestimmte Farbmuster – und sehen dabei sogar im UV-Bereich. Verändern die gewohnten Nektar- und Pollenquellen ihre Farbe, könnten sie schlimmstenfalls für ihre langgewohnten Bestäuber "unsichtbar" werden.

"Das hat Implikationen für die Vermehrung von Wildpflanzen, aber auch von Pflanzen wie Sonnenblumen oder Raps, die ein spezifisches UV-Muster aussenden", sagt Koski in einer Pressemitteilung. "Eine veränderte UV-Blütenfarbe hat das Potenzial, die Bestäubung zu unterbrechen."


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