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Waldstrategie Zu viel Klimaschutz: Klöckner kritisiert EU-Waldstrategie 2030 als "unausgewogen"

Stärkt noch einmal der Forstlobby den Rücken: die geschäftsführende Bundeslandwirtschaftministerin Julia Klöckner (hier beim Deutschen Waldtag 2020)
Stärkt noch einmal der Forstlobby den Rücken: die geschäftsführende Bundeslandwirtschaftministerin Julia Klöckner (hier beim Deutschen Waldtag 2020)
© IMAGO / Christian Thiel
Die EU-Kommission will mit ihrer Waldstrategie 2030 die nachhaltige Waldbewirtschaftung voranbringen. Doch der geschäftsführenden Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gehen die "zentralistischen Vorgaben" aus Brüssel zu weit

Dem Wald in Deutschland geht es so schlecht wie nie. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an den Forst von Jahr zu Jahr: Er soll Holz liefern, Wasser speichern, Erholung bieten – und nun auch noch einen entscheidenden Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten. Und das, obwohl er selbst schon heute unter den Folgen der Erderwärmung leidet. In vielen Mitgliedsstaaten der EU ist die Lage ähnlich. Die EU-Kommission hat darum im Sommer 2021 ein Papier vorgelegt, das dafür sorgen soll, dass der Wald in Europa gesünder wird und widerstandsfähig bleibt.

Kernpunkte der "EU-Waldstrategie 2030" sind eine zentrale Datenerfassung zum Zustand der Wälder in der EU, eine nachhaltigere und ökologischere Bewirtschaftung – und der Beitrag des Waldes zum Erreichen des EU-Ziels von mindestens 55 Prozent weniger Emissionen bis 2030 gegenüber dem Wert von 1990. Als wichtigem natürlichem Kohlenstoffspeicher kommt dem Wald laut dem Papier eine Schlüsselrolle auch im Rahmen des "European Green Deals" zu. Dessen wichtigstes Ziel: Netto-Null-Emissionen bis zur Jahrhundertmitte.

Außerdem schlägt die EU-Kommission in dem Papier Fördermaßnahmen und Mittel zur Entschädigung von Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern vor. Bis zum Jahr 2030 sollen nach dem Willen der Kommission in den Mitgliedsländern drei Milliarden Bäume gepflanzt werden.

Das Strategie-Papier zielt darauf ab, "Europas Wälder an neue Bedingungen, Wetterextreme und die große Unsicherheit infolge des Klimawandels anzupassen". Das sei eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass Wälder weiterhin in der Lage sind, ihre sozioökonomischen Funktionen zu erfüllen.

Klöckner: "Einseitige Betrachtung" der Klima- und Artenschutzziele

Auf Kritik stieß der Vorschlag der Kommission nun im Ministerrat der EU. Der geschäftsführenden Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gehen die ökologischen Ambitionen der Kommission zu weit. In einer Stellungnahme kritisiert sie die "Unausgewogenheit der Strategie und einseitige Betrachtung der Umweltziele (Klima und Biodiversität) bei gleichzeitiger Vernachlässigung des Beitrags bewirtschafteter Wälder und von Holz zur Bioökonomie".

Zudem sorgt sich Julia Klöckner, dass höhere EU-Standards die Nachfrage auf Staaten außerhalb der EU verlagern könnten. Dem Umwelt- und Klimaschutz sei nicht gedient, sagte Klöckner laut der Pressemitteilung, wenn immer mehr Holz aus Drittstaaten mit niedrigeren Nachhaltigkeitsstandards importiert würde.

Und noch etwas stört die geschäftsführende Ministerin: dass nämlich in Brüssel eine einheitliche Marschrichtung für alle EU-Mitgliedsstaaten vorgegeben wird. "Zentralistische Verschiebungen der Waldplanung durch die Kommission", so heißt es in der Stellungnahme, würden "entschieden abgelehnt". Das soll wohl heißen: Die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer wissen selbst am besten, was gut ist für den Wald.


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