VG-Wort Pixel

Kompostieren Da ist der Wurm drin: Wie Sie dem Garten mit einer Wurmbox helfen

Mann hält dunkle Erde mit Regenwürmern in den Händen
Regenwürmer durchwühlen das Erdreich und zersetzen organisches Material zu nährstoffreicher Erde
© Avi - Adobe Stock
Wer Regenwürmer züchten will, um seine Gartenerde aufzulockern oder den Biomüll zu kompostieren, kann das mit Leichtigkeit und Spaß selbst tun. Was es beim Aufbau einer Wurmkiste zu beachten gilt und was die Würmer glücklich macht

Da ist der Wurm drin, heißt es, wenn etwas einfach nicht richtig funktioniert. Das durchaus etwas funktionieren kann – gerade wegen des Wurms darin – zeigt die Wurmbox. Mit ihr lassen sich Küchenabfälle nachhaltig verwerten und wertvoller Humus produzieren – mithilfe der darin befindlichen, fleißigen Regenwürmer.

Sage und schreibe 670 verschiedene Arten der fleißigen Gartenhelfer gibt es weltweit – allein in Deutschland und in der Schweiz leben 46 davon. Irgendwie muss die Erde in Österreich besser schmecken, denn dort leben 62 Arten von Regenwürmern. Dass der schlanke Wurm ohne sichtbare Borsten diesen Namen hat, macht Sinn.

Schließlich lebt der blinde Wurm in Gängen in der Erde. Wenn es zu sehr regnet, laufen die Gänge voll und der Wurm kommt wie ein Apnoe-Taucher an die Erdoberfläche, um Luft zu schnappen: fertig ist der Regenwurm.Allerdings gibt es auch noch eine andere Vermutung, woher der Name stammt: aus dem Altdeutschen für "Reger Wurm" – immerhin arbeitet sich der Regenwurm pausenlos durch die Erde.

Regenwürmer züchten für Wurmhumus

Je mehr dieser Würmer ein Garten hat, desto besser für den Boden. Regenwürmer lockern durch ihre Arbeit und ihren Appetit den Boden auf, belüften ihn, sorgen für eine bessere Fruchtbarkeit und produzieren durch ihre Verdauung kleine Krümel als Humusnachschub. Das liegt unter anderem daran, dass Regenwürmer tatsächlich unaufhörlich fressen.

Würmer sind Vielfraße und produzieren Kompost

Pro Tag vertilgt ein Regenwurm gut die Hälfte seines Körpergewichts an Nahrung. Bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen wären das jeden Tag 35 Kilogramm an Essen. Ganz oben auf der Speisekarte von Regenwürmern stehen:

  • Pflanzenreste
  • Blätter
  • Algen
  • Pilze
  • Mikroorganismen
  • organische Reststoffe

Wurmbox für Garten und Balkon

Wie aber schaffen Sie es jetzt, die natürlichen Gartenbelüfter in großem Stil zu züchten? Das ist zum Glück sehr einfach, denn Regenwürmer sind recht anspruchslos. Selbst, wer keinen Garten hat, kann die Würmer zum Beispiel auf dem Balkon züchten. Die Lösung des Rätsels: die Wurmbox.

Affiliate Link
🪱 Wurmkiste für Balkon, Küche oder Wohnung - Selbstbauset
Jetzt shoppen
255,00 €

Der Zuchtbehälter für Regenwürmer kann aus Holz oder auch Plastik sein, braucht einen Minimalaufwand an Innenausstattung und lässt sich bei Bedarf auch leicht selber bauen. Dafür brauchen Sie:

  • Box aus Holz oder Plastik
  • Deckel für die Box
  • Gartenvlies oder Insektengitter
  • unbedruckte Wellpappe
  • Laub
  • reifer Kompost
  • unbedruckte Eierpappen
  • Futter für die Würmer: Gemüsereste (ungekocht)
  • Regenwürmer

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Wurmboxen: die Solobox oder mehrere Boxen übereinander. Holzboxen sind generell besser als Plastikboxen, weil Holz atmungsaktiv ist. Dadurch gibt es in der Wurmkiste ein ideales Klima.

Wenn Sie Plastikkisten verwenden, sollten Sie auf eine verstärkte Feuchtigkeitsbildung achten, für Ablauflöcher sorgen und unter der Kiste eine Abtropfschale installieren.

Tiere benötigen in der Wurmkiste eine ausreichende Belüftung

Wichtig ist, dass die Wurmbox durch Seitenschlitze oder eine offene Struktur bei der Plastikkiste ausreichend belüftet ist. Benutzen Sie mehrere Behältnisse übereinander, ist der Einbau eines Ablassventils am untersten Gefäß sinnvoll, damit Flüssigkeit ablaufen kann und Ihre Regenwürmer nicht ertrinken.

Wer sich nicht im Aufbauversuch ausprobieren will, der kann auch fertige Wurmboxen in Einzelhandel bestellen – sowohl aus Holz als auch aus Plastik. Die Einzelbox ist praktisch ein Doppelzimmer. In der Mitte wird ein Trenngitter installiert, das die Box in zwei Kammern unterteilt. In der einen Hälfte werden die Regenwürmer zusammen mit dem organischen Material und den Bio-Abfällen untergebracht.

Humusproduktion als Dünger für den Gartenboden

Ist dort die gesamte Substanz in Humus durch die Würmer umgewandelt, wandern sie schlichtweg durch das grobmaschige Trenngitter in die zweite Kammer, wo Sie als Regenwurmzüchter bereits mit dem Anlegen der nächsten Materialbasis für die Zucht und Humusproduktion begonnen haben. Den fertigen Kompost in der ersten Kammer entnehmen Sie einfach.

Kompostwürmer wechseln zwischen Boxen hin und her

Verwenden Sie mehrere Kisten übereinander, bohren Sie einfach in die Böden der oberen Kisten einige Löcher. So können die Regenwürmer bei Bedarf zwischen den einzelnen Kisten hin- und her wandern und Flüssigkeit nach unten ablaufen. Auch hier sind ein Ablaufventil und eine Auffangschale am untersten Behälter sinnvoll.

Für einen Vier-Personen-Haushalt reichen vier Boxen übereinander. Bis zu drei Kilogramm organischer Abfall kann so pro Woche verwertet werden.

Material verteilen und Bodenschichten schaffen

Wie sieht aber jetzt der Aufbau einer Wurmbox überhaupt aus? Die gute Nachricht: Extrem einfach. Nehmen Sie unbedrucktes Papier und reißen es in Fetzen. Wellpappe, Eierkartons (unbedruckt) und andere Dinge aus Pappmaché mögen Regenwürmer ebenfalls sehr gern. Am besten weichen Sie das Material kurz ein, bevor Sie es als Nistmaterial in der Box verteilen.

Mischen Sie einige Hände Garten- oder Walderde dazwischen – keine sterilisiere Blumenerde – um unterschiedliche Bodenschichten schaffen. Diese Schicht sollte je nach Boxformat bis zu 15 Zentimeter hoch sein.

Küchenabfälle bieten Nahrung für die Würmer

Hierauf verteilen Sie anschließend möglichst kleine geschnittes Material wie Gemüseabschnitt aus der Küche, Laub, Obst, zerkleinerte Eierschalen, Kaffeesatz auch in Filtertüten, benutzte Teebeutel oder zerkleinerte Schnitt- und Topfpflanzen – als Nahrung für die Regenwürmer.

Fehlen nur noch die Würmer selbst, um den gewünschten Kompost zu produzieren – doch woher nehmen? Entweder aus dem eigenen Garten oder im Fachhandel ordern. Tatsächlich gibt es Regenwurmeier auf Bestellung – in sogenannten Kokons. Regenwürmer sind Zwitter und begatten sich gegenseitig. Die befruchteten Eier werden in Kokons abgelegt, die der Regenwurm aus einem Sekret bildet. Meist wird pro Kokon eine Eizelle abgelegt.

Pro Jahr kann ein geschlechtsreifes Tier bis zu 300 Nachkommen produzieren. Je nach Wurmart schlüpft der Nachwuchs aus dem Kokon schon nach 16 Tagen. Sie können sowohl die Regenwurmkokons im Fachhandel kaufen oder auch fertige Würmer. Dabei handelt es sich meistens um sogenannte Kompostwürmer, die in Rekordzeit aus organischem Material einsatzfähigen Wurmhumus machen – den perfekten Dünger.

Richtige Temperatur im Boden ist wichtig für Regenwürmer

Wichtig ist, dass Sie die mit einem Deckel abgedeckte Kiste an einer Stelle im Garten oder zum Beispiel auf dem Balkon aufstellen, wo die Temperatur stimmt. Regenwürmer mögen es dunkel und fühlen sich zwischen zehn und 25 Grad besonders wohl. Im Winter sollten Sie die Wurmbox hereinholen und in den Keller stellen, damit Ihre Regenwürmer nicht eingehen.

Bildet sich Geruch oder Schimmel in einer Wurmbox kann das an einer zu starken Belüftung, an Staunässe liegen und an zu viel Futter, aber auch an wenig Futter liegen.

Was Regenwürmer auf gar keinen Fall mögen:

  • Zwiebeln und Zitrusfrüchte
  • gespritzte Lebensmittel
  • starke Gewürze
  • Fleisch, Fisch, Milchprodukte
  • Öle und Fette
  • Knochen
  • Vibrationen (führen wegen Regen- bzw. Gewitterverdacht zur Wurmflucht)
  • Licht und Überfütterung

Regenwürmer züchten für Humus und Dünger

Meist dauert es rund drei Monate, bis Sie den ersten selbstproduzierten Wurmhumus aus Ihrer Wurmbox als Dünger für den Gartenboden "ernten" können – abgesehen natürlich auch von den Regenwürmern selbst, wenn Sie zum Beispiel Angler sind.

Aber aufgepasst: Entnehmen Sie nicht zu viele der fleißigen Tiere aus Ihrer Wurmbox, denn eines wollen Sie ja auf jeden Fall verhindern: Dass die Regenwürmer aufgrund von Partnermangel die Vermehrung und damit irgendwann auch die Produktion einstellen.


Mehr zum Thema