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Nachhaltiger gärtnern Auf die kleinen Dinge kommt es an: Wie Sie beim Gärtnern der Natur etwas zurückgeben

Biene im Anflug auf eine Pflanze im Abendlicht
Wer Insekten ein Zuhause im Garten bietet, bekommt ihre Hilfe bei der Gartenarbeit
© Ulrich Perrey/dpa/dpa-tmn
Wer etwas nimmt, muss auch etwas zurückgeben. Das gilt für viele Beziehungen in unserem Leben - auch für die zum eigenen Garten. Wer der Natur etwas Gutes tun möchte, fängt am besten gleich im heimischen Grün damit an. Wir liefern Tipps

Auch wenn man einen prächtig grünen Garten hat - er ist anders als die Natur. Und oft tun wir darin Dinge, die nicht gut für ihn und in der Folge auch nicht so gut für die Umwelt sind. Dabei könnte nachhaltiges Handeln gerade hier anfangen: im eigenen Garten, wo man sich der Natur zumindest gefühlt so bewusst wird.

"Während sich in der Natur die Stoffe beim Wachsen und Vergehen von pflanzlichem und tierischem Leben im Gleichgewicht halten, wurde im Laufe der Industrialisierung im gärtnerischen Landbau immer mehr entnommen als gegeben", sagt Marja Rottleb vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Schließlich werden heutzutage nicht nur Blätter, Blüten und Früchte geerntet, sondern auch Schnittgut und Herbstlaub dem Kreislauf entzogen.

Ein guter Anfang, etwas zurückzugeben, ist für Rottleb das Anlegen eines Komposts im Garten. "Man sammelt die gesunden Pflanzenreste im Garten ein, lässt sie verrotten und bringt sie anschließend wieder als Dünger in den Kreislauf ein." Gleichzeitig wird mithilfe von Kompost die Bodenstruktur verbessert, sodass sich Würmer und viele im Boden lebenden Insekten besser darin bewegen können. Darüber hinaus verhilft Kompost beim Speichern von Wasser in der Erde.

Mit Kompost und Mulch dem Boden etwas zurückgeben

Rindenmulch wird bei der Gartenarbeit verwendet
Natürlicher Helfer: Rindenmulch als oberste Lage auf den Beeten hilft, das Wasser länger im Boden zu halten
© Christin Klose/dpa-tmn

Eine gute Alternative ist die Verwertung der abgeschnittenen und gehäckselten Pflanzenreste als Mulch zwischen den Pflanzen im Beet. Der Vorteil des Mulchens ist, dass die Decke die oberste Bodenschicht schützt. "Eine Bodenbedeckung erhält auch das Bodenleben und sorgt dafür, dass eine natürliche Lockerung und Belüftung des Bodens erfolgt", so Rottleb. Da der Mulch nach und nach verrottet, gehen auch über ihn wertvolle Nährstoffe zurück an die Erde.

"Wenn man keine Pflanzenreste zum Abdecken hat, sät man eine Gründüngung", empfiehlt Rottleb. Pflanzen wie Senf, Buchweizen und Feldsalat werden nicht oder nur teilweise geerntet und in den Boden eingearbeitet.

Regionale Pflanzen bevorzugen

Die Nachhaltigkeit beim Gärtnern lässt sich Schritt für Schritt steigern. Ein Baustein ist die Auswahl und der Einkauf der Pflanzen. Für Burkhard Bohne, Technischer Leiter des Arzneipflanzengartens der Technischen Universität Braunschweig, haben heimische Pflanzen eine wichtige Rolle inne. Er rät gerade auch im Gemüsegarten auf regionale Sorten zu setzen.

Diese regionalen Pflanzen kommen schließlich mit den heimischen Bedingungen gut klar, ihr Anbau hat sich bewährt und bei diesen Samen und Pflanzen fallen keine weiten Transportwege an. Das verringert den Energieverbrauch und CO2-Ausstoß - was beim Klimaschutz hilft.

Der Nachhaltigkeitstipp für das Staudenbeet sind Wildvarianten, die meist weniger Wasser und Nährstoffe als Prachtstauden benötigen. Außerdem kann man sie leicht selbst aus Samen ziehen. So schlägt man auch bei ihrem Kauf einen nachhaltigeren Weg ein, weil man auf schwere Transportgewichte sowie aufwendige Verpackung beim Versand von Pflanzen verzichtet. Immergrüne Sträucher, die vergreisen, kann man durch vitale heimische Laubsträucher wie Feldahorn, Kornelkirsche oder Buchen ersetzen.

Aus Plastiktöpfen wird im Kreislauf Mikroplastik

Nicht unterschätzen sollte man übrigens den Kauf oder die eigene Anzucht von Pflanzen in Plastiktöpfen. Die Stoffe - und wenn es nur Splitter sind - können in den Boden gelangen und dort als Mikroplastik zu einer Belastung werden.

Es gibt aber schon Alternativen im Handel: Auf Märkten zum Beispiel werden junge Pflanzen in Papierbeuteln verkauft, und im Gartenhandel findet man gar nicht mal so selten kompostierbare Töpfe. Letztere werden mitsamt dem Wurzelballen in den Gartenboden gesetzt. Bohnes Rat für die eigene Anzucht: Man kann kleine Gefäße aus Zeitungspapier falten oder Eierkartons zweckentfremden. Langlebige Alternative sind Saatschalen aus Holz oder offenporige Tongefäße.

Und manchmal sind es die Kleinigkeiten im Garten, die man ändern kann: Auf Plastikschilder beim Beschriften der Aussaaten zugunsten von Metall- oder Holzschildern verzichten. Selbstmachen lassen sie sich etwa aus den gesammelten Holzstielen von Eis. Oder man stülpt die leere Samentüte über einen Stock und schützt sie mit einem leeren Marmeladenglas vor Feuchtigkeit.

Substrat selbst herstellen

Plastikmüll fällt auch beim Kauf von Blumenerde an, darauf weist Burkhard Bohne hin. Dabei kann man den guten Gartenboden doch auch für Töpfe nutzen, gemischt mit Sand und Komposterde.

Für die Anzucht von neuen Pflanzen aus Samen verzichtet man aber besser auf den Zusatz von Dünger. Und ein Tipp: Die Anzuchterde lässt sich wiederverwerten, indem man sie durch Erhitzen im Backofen sterilisiert. Ausgewachsene Pflanzen in Kästen und Kübeln brauchen mehr Nährstoffe. "Die können durch entsprechend großzügige Kompostanteile zugefügt werden", so Marja Rottleb. Alternativ lassen sich gebrauchte Teeblätter und Kaffeesatz als Dünger nutzen.

"Ich empfehle, auf dem Balkon auch mal eine sogenannte Wurmkiste auszuprobieren", nennt die Nabu-Referentin eine weitere Düngeralternative. In dieser Kiste zersetzen Kompostwürmer pflanzliche Küchenabfälle zu einem nährstoffreichen Humus. Gleichzeitig entsteht eine wässrige Lösung, die mit Gießwasser gemischt Nährstoffe in den Boden bringt.

Tiere fördern - und ihre Hilfe bekommen

Mit diesen kleinen Stellschrauben wird der Garten Stück für Stück nachhaltiger und bietet mehr Raum für Tiere. Sie sind Regulatoren. Und auch hier ist es wieder so wie beim Boden: Gibt man ihnen Nistmöglichkeiten, Überwinterungsplätze und Nahrung, geben sie auch etwas zurück. So vertilgen Igel und Laufkäfer Schnecken, die sonst so manche Lieblingspflanze im Garten abknabbern würden. Meisen verringern die Blattläuse und Fledermäuse ernähren sich von Mücken.

Und vor allem: "Natürlich braucht man für die Bestäubung auch Insekten und Vögel sowie Ameisen für die natürliche Ausbreitung von Samen", ergänzt Rottleb. Sie betont daher: "Ein zirkuläres Denken beim Gärtnern ist ganz wichtig."

Dorothée Waechter, dpa

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