Verbrauchertäuschung Warum uns echtes Fell so oft als Kunstpelz verkauft wird

Wer Kunstpelz will, kauft oft - ohne es zu wissen - Haut und Haar von echten Tieren. Woran liegt das? Und wie lässt sich die Täuschung erkennen?
Jacken mit Pelzkragen auf der Kleinderstange

Echt oder nicht? Dafür gibt es bei fehlender Deklaration nur Anhaltspunkte (siehe die Tipps am Ende des Artikels)

Pelz ist in. An vielen Kapuzen wippt flauschiges Haar, auf mancher Mütze thront ein kesser Pelz-Bommel. Sieht ja auch schön flauschig aus. Und weil mittlerweile viele Menschen Wert darauf legen, dass für Modeaccessoires keine Tiere gequält oder getötet werden, gibt es sowas auch aus Kunstfasern. Aber was ist echt, was Kunst?

Im Handel, das hat jetzt ein Markt-Check des Deutschen Tierschutzbundes und der Stiftung Vier Pfoten gezeigt, wird echter Pelz oft ohne Kennzeichnung angeboten. Und das, obwohl tierische Bekleidungsteile, zum Beispiel Leder- oder Pelzaccessoires, nach EU- und deutschem Recht deklariert werden müssen: mit dem Hinweis "Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs".

Bei 44 von 49 Teilen fehlte die korrekte Deklaration

Für ihre Stichprobe gingen die Tierschützer in Geschäften und auf Weihnachtsmärkten in München und in Hamburg shoppen – und suchten dabei gezielt nach echtem Pelz. Das Ergebnis: Bei 44 von 49 Textilteilen mit Echtpelz fehlte die Deklaration. Verbraucher hätten so keine Wahl, ob sie Echt- oder Kunstpelz kaufen, kritisiert Denise Schmidt, Kampagnenleiterin von Vier Pfoten: "Wenn eine Mütze mit echtem Pelz-Bommel als '100 Prozent Acryl' gekennzeichnet wird, ist das Verbrauchertäuschung."

Grund dafür ist offenbar, dass gut gemachter Kunstpelz oft teurer ist als Echtpelz, zum Beispiel vom Marderhund, der in China billig gezüchtet wird, sagt Henriette Mackensen, Fachreferentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund.

Die Stichprobe folgt auf eine Studie aus dem Jahr 2016. Damals bemängelten die Tierschützer, dass bei der Hälfte von 79 untersuchten Kleidungsstücken der Hinweis auf die tierische Herkunft fehlte. Dabei scheint vor allem billige Ware betroffen zu sein: So fehlte der Hinweis bei allen Artikeln, die für weniger als zehn Euro angeboten wurden.

Für ihren aktuellen Markt-Check gingen der Deutsche Tierschutzbund und Vier Pfoten gezielt bei Händlern shoppen, in deren Sortiment sie schon im Herbst 2016 Kleidungsstücke mit falschen Deklarationen entdeckt hatten.

Intransparente Lieferketten

Nicht in jedem Fall steckt dahinter eine betrügerische Absicht. "Bei zusammengesetzten Kleidungsstücken wird zum Beispiel der Besatz woanders gefertigt als der Rest der Jacke. Für solche Ware gibt es dann Zertifikate, die oft schwer verständlich sind", berichtet Henriette Mackensen. "Wir haben im vergangenen Jahr auf Nachfrage ein Zertifikat aus China vorgelegt bekommen, das nicht korrekt war. In so einem Fall wird es natürlich auch für den Hersteller schwierig."

Auch Thomas Lange, Zweiter Hauptgeschäftsführer beim deutschen Modeverband Germanfashion, kennt das Problem: "So etwas kann leider passieren. Wenn Sie international beschaffen, sind Sie immer darauf angewiesen, dass die Lieferanten Ihnen das liefern, was Sie bestellt haben. Und es kommt vor, dass Zulieferer sich nicht an Verträge halten." Aber Lange schließt auch nicht aus, dass einzelne Hersteller in irreführender Absicht handeln.

Sind die Kontrollen zu lasch?

Henriette Mackensen kritisiert auch, dass die zuständigen Behörden offenbar zu wenig kontrollieren. Denn die EU-Textilkennzeichnungsverordnung gibt es seit 2011, in deutsches Recht umgesetzt wurde sie im Februar 2016. "Im Herbst 2016 dachten wir noch, das Gesetz ist einfach zu neu. Aber mittlerweile gilt es schon seit fast zwei Jahren. Und geändert hat sich wenig."

Doch selbst wenn das Gesetz konsequent angewandt würde, bleibt mit dem pauschalen Hinweis auf "nichttextile Bestandteile tierischen Ursprungs" vieles unklar, kritisieren die Tierschützer. Notwendig seien daher auch Angaben zu der Art und der Herkunft des Tieres, von dem der Pelz stammt. Und zwar auf deutsch.

Noch besser sei es allerdings, ganz auf Pelz zu verzichten, sagt Henriette Mackensen. "Denn egal, ob man echten oder Kunstpelz kauft - man unterstützt damit einen Modetrend, für den auch Tiere leiden müssen."

So unterscheiden Sie echten Pelz von Kunstpelz

  • Ziehen Sie die Haare auf voller Länge auseinander. Bei Kunstpelz zeigt sich die gewebte, textile Unterlage. Echter Pelz dagegen wird immer mit der Tierhaut gewonnen.
  • Ziehen Sie die langen Pelzhaare etwas auseinander. Zeigt sich eine feine Unterwolle, handelt es sich möglicherweise um echtes, wärmendes Tierkleid.
  • Haare von echtem Pelz sind sehr leicht beweglich. Wenn Sie sich schon in einem ganz leichten Lufthauch bewegen, handelt es sich wahrscheinlich um echten Pelz.
  • Bei schon gekauften Stücken hilft auch der Brenntest weiter: Verbrennen Sie ein paar Haare. Synthetischer Geruch deutet auf Kunstpelz hin, der Geruch von verbranntem Horn bzw. Haaren auf Echtpelz.
  • Unter der Lupe zeigt sich bei Kunstpelz übrigens, dass die Haarspitzen geschnitten, also stumpf sind. Echte Haare dagegen laufen spitz aus.

Eine hundertprozentige Sicherheit, darauf weisen Tierschutzorganisationen hin, bieten diese Anhaltspunkte allerdings nicht.

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