Frage des Tages: 14.6.2018 Wie viel Prozent unseres Gehirns nutzen wir?

In der heutigen Frage des Tages stellen wir Ihr Wissen zum menschlichen Gehirn auf die Probe.

Die Auflösung der Fragen finden Sie unten.

Wie viel Prozent unseres Gehirns nutzen wir?

a) 10 Prozent

b) 25 Prozent

c) 100 Prozent

 

Achtung Auflösung!

Hier finden Sie die Antworten zur Überprüfung:
 

Wie viel Prozent unseres Gehirns nutzen wir?

a) 10 Prozent ❌

b) 25 Prozent ❌

c) 100 Prozent ✔️

Es ist ein Mythos, dass der Mensch nur 10 Prozent bzw. 25 Prozent seiner Hirnkapazität nutze. Tatsächlich gibt es keine inaktiven Bereiche im Gehirn, wie Untersuchungen und biochemische Verfahren gezeigt haben. Auch einzelne Nervenzellen kommen bei gesunden Menschen nicht dauerhaft zur Ruhe – ein gesundes Gehirn ist im Alltag praktisch voll im Einsatz, allerdings nie komplett gleichzeitig. 

Die Behauptung, wir würden nur zehn Prozent unseres Gehirns nutzen, kursiert seit über 100 Jahren und wird bis heute fälschlich Persönlichkeiten wie Albert Einstein zugeschrieben. Ihren Ursprung hat sie vermutlich in missverstandenen frühen neurowissenschaftlichen Studien und populärwissenschaftlichen Vereinfachungen: Man beobachtete, dass bei bestimmten Aufgaben nur einzelne Hirnareale besonders aktiv sind – der Schluss, der Rest sei „ungenutzt“, war aber ein Denkfehler. Auch Fehlinterpretationen älterer psychologischer Arbeiten zu „ungenutztem Potential“ des Menschen haben dazu beigetragen, dass sich die Formel von den „10 Prozent“ in Ratgeberliteratur und Medien festsetzen konnte.

Was moderne Hirnforschung wirklich zeigt

Bildgebende Verfahren wie funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) und Positronenemissionstomografie (PET) zeigen ein anderes Bild: Im Wachzustand ist nahezu das ganze Gehirn über die Zeit hinweg aktiv, selbst in Ruhephasen. Zwar leuchten auf fMRT-Bildern immer nur bestimmte Regionen besonders stark – je nach Aufgabe etwa Sprachzentren, Areale für Motorik oder Sehen –, doch auch die übrigen Bereiche zeigen Grundaktivität und sind in Netzwerke eingebunden. Forschende sprechen von „Ruhenetzwerken“ oder „resting state networks“: funktionell verbundenen Regionen, die selbst dann miteinander kommunizieren, wenn wir vermeintlich „nichts tun“.

Energieverbrauch: Warum brachliegende Areale unwahrscheinlich sind

Das Gehirn macht nur rund zwei Prozent des Körpergewichts aus, verbraucht aber etwa 20 bis 25 Prozent des gesamten Energiebedarfs. Etwa die Hälfte dieser Energie dient allein dazu, Nervenzellen in ständiger Einsatzbereitschaft zu halten – Ruhepotenziale müssen stabil bleiben, damit Signale jederzeit weitergeleitet werden können. Ein Organ, das so teuer im Unterhalt ist, hätte sich in der Evolution kaum mit 70 oder 90 Prozent funktionsloser Reserve durchgesetzt. Evolutionsbiologisch spricht daher vieles dafür, dass wir unser Gehirn als Organ sehr effizient und umfassend nutzen, auch wenn wir sein kognitives Potenzial nicht ausschöpfen.

Klinische Evidenz: Was Hirnschäden verraten

Auch die Neurologie widerspricht der 10-Prozent-These: Schon kleine Hirnschädigungen – durch Schlaganfälle, Tumoren oder Unfälle – können deutliche Ausfälle verursachen, von Sprachstörungen bis zu Lähmungen oder Veränderungen der Persönlichkeit. Wäre wirklich nur ein Zehntel des Gehirns im Gebrauch, müssten viele Verletzungen folgenlos bleiben, weil sie vermeintlich „stille“ Bereiche träfen. Stattdessen zeigt sich: Praktisch jede Region erfüllt Aufgaben – wird sie zerstört, gehen Funktionen verloren oder müssen mühsam von anderen Arealen übernommen werden.

Nutzen wir 100 Prozent – und was heißt das?

In der Neurowissenschaft gilt heute: Menschen mit gesundem Gehirn nutzen anatomisch 100 Prozent ihres Gehirns, allerdings nie alles zugleich und nicht immer im gleichen Maß. Je nach Situation schaltet das Gehirn dynamisch zwischen Netzwerken um – etwa zwischen Aufmerksamkeit, Motorik, Sprache oder dem sogenannten Default Mode Network, das bei Tagträumen und Selbstreflexion aktiv ist. „Unbenutzte“ Areale gibt es im gesunden Gehirn nicht; was wir allerdings nicht ausschöpfen, ist unser individuelles geistiges Potenzial – etwa in Form von Lernfähigkeit, Kreativität oder kognitiver Reserve im Alter.

Ein moderner Blick auf die 10‑Prozent-Formel lautet daher: Nicht 90 Prozent des Gehirns warten darauf, „freigeschaltet“ zu werden, sondern unsere bestehenden Netzwerke lassen sich durch Bildung, Training, Schlaf und gesunden Lebensstil gezielt stärken – das Organ selbst arbeitet schon seit der Kindheit auf Hochtouren.

sho