Frage des Tages: 10.12.2018 Kann man das Verdursten verhindern, indem man seinen eigenen Urin trinkt?

Dieses mal stellen wir Ihr Survival-Wissen auf die Probe. Die Frage dreht sich um das Thema Urin. Kennen Sie die Antwort?

Die Auflösung der Fragen finden Sie unten.

Kann man das Verdursten verhindern, indem man seinen eigenen Urin trinkt?

a) Ja

b) Nein


 

Achtung Auflösung!

Hier finden Sie die Antworten zur Überprüfung:

Kann man das Verdursten verhindern, indem man seinen eigenen Urin trinkt?

a) Ja ❌

b) Nein ✔️

Kurz gesagt: Wer seinen eigenen Urin trinkt, kann ein Verdursten nicht verhindern – im Gegenteil, in den meisten Situationen verschlechtert das den Zustand des Körpers und beschleunigt die Dehydration. Der eigene Urin ist also keinesfalls als Durstlöscher geeignet. Wenn ein Verdurstender in der Wüste einen deutlichen Flüssigkeitsmangel hat, ist die Salzkonzentration in seinem Urin sehr hoch. Wenn man diesen konzentrierten Urin trinken würde, müsste der Körper die Salze wieder ausscheiden. Das ist eine zusätzliche Belastung, da für die Entgiftung noch mehr Flüssigkeit benötigt wird.

Längere Erklärung: Warum Urin kein Trinkwasser ist

Urin ist ein Ausscheidungsprodukt: Über ihn entsorgt der Körper Stoffwechselabfälle wie Harnstoff, Säuren, Medikamentenreste und vor allem Salze, darunter Natrium. Gerade bei starkem Durst ist der Urin besonders konzentriert – der Körper versucht, Wasser zu sparen und packt möglichst viele gelöste Stoffe in wenig Flüssigkeit. Wer diesen konzentrierten Urin trinkt, führt sich genau jene Stoffe wieder zu, die die Nieren eigentlich mühsam loswerden wollten. Damit wird der Organismus doppelt belastet: Er muss die Abfallprodukte erneut herausfiltern und braucht dafür zusätzlich Wasser, das in der Notsituation gar nicht vorhanden ist.

Medizinisch betrachtet ähnelt der Effekt dem Trinken von Meerwasser: Der hohe Salzgehalt im Urin erhöht die Osmolarität im Blut und zieht Wasser aus den Zellen – der Durst wird schlimmer, nicht besser. Wiederholtes Urintrinken kann zu Elektrolytstörungen führen, also Ungleichgewichten von Natrium, Kalium und anderen Ionen, was Kreislauf, Herz und Gehirn beeinträchtigt. Die Nieren müssen die konzentrierten Abfallstoffe erneut ausscheiden; gelingt das nicht mehr, drohen Übelkeit, Erbrechen, im Extremfall sogar ein akutes Nierenversagen. Survival‑Experten und Humanphysiologen raten deshalb klar davon ab, Urin als „Wasserquelle“ in Notsituationen einzuplanen.

Mythos Survival-Trick: Warum das Bild aus Filmen trügt

Prominente Survival-Shows, Abenteuerberichte und Social‑Media‑Videos haben das Bild geprägt, man könne sich durch das Trinken des eigenen Urins „über die Zeit retten“. Tatsächlich gibt es Einzelfälle, in denen Menschen in Extremsituationen zu diesem Mittel gegriffen haben – ob es ihnen genutzt oder eher geschadet hat, lässt sich im Nachhinein kaum sauber beurteilen. Fachleute betonen: Selbst wenn ein einziger Schluck in einem sehr frühen Stadium der Dehydration theoretisch für kurze Zeit minimal Flüssigkeit zurückführt, löst er das Grundproblem nicht und ist kein zuverlässiger Überlebensmechanismus. Deutlich sinnvoller ist es, Energie zu sparen, sich vor Sonne zu schützen, Schweißverlust zu minimieren und systematisch nach alternativen Wasserquellen zu suchen.

Was Studien zu Hydration und Nierengesundheit zeigen

Aktuelle Übersichtsarbeiten zur Hydration betonen, wie wichtig es ist, ausreichend Wasser zu trinken, um die Nieren zu entlasten und Infektionen oder Steinen vorzubeugen. Wer viel trinkt, produziert ein großes Volumen verdünnten Urins – das ist genau das Gegenteil dessen, was beim Urintrinken in einer Dürresituation passiert. Mit jedem Schluck konzentrierten Urins steigen Belastung und Dichte der gelösten Stoffe, was die Nierenfunktion strapaziert und langfristig das Risiko für Steine oder andere Komplikationen erhöhen kann. Leitlinien in der Nephrologie diskutieren intensiv, wie Ernährung und Trinkmenge zusammenhängen – das Trinken von Urin taucht dabei nicht als sinnvolle oder empfohlene Strategie auf.

Was in einer Notsituation wirklich hilft

Die Forschung zur Überlebensphysiologie unterstreicht, dass der Körper in kritischem Wassermangel vor allem ein Ziel hat: vorhandene Flüssigkeit so gut wie möglich zu bewahren. Wer der Sonne ausweicht, körperliche Aktivität reduziert und den Körper durch Kleidung vor Verdunstung schützt, verlängert seine Überlebenszeit oft effektiver, als wenn er seinen eigenen Urin trinkt. Technisch sinnvoller wäre es, Urin – wenn überhaupt – zu verdunsten und das Kondensat aufzufangen, das dann weitgehend salzarm wäre; in der Realität fehlen dafür aber meist Zeit, Material und Energie. Expertinnen und Experten empfehlen deshalb, Survival-Mythen zu kennen – und sie im Ernstfall besser zu ignorieren.  Unterm Strich gilt: Der eigene Urin ist kein „Notfallgetränk“, sondern eine Flüssigkeit, die der Körper aus gutem Grund loswerden will – wer ihn trinkt, spielt in lebensbedrohlichen Situationen mit einem gefährlichen Vorsprung des Durstes.

sho