Pilgerweg: Der Klassiker in Europa - der Jakobsweg

Fast alle kennen diesen Pilgerweg, nicht zuletzt durch Hape Kerlings Bestseller aus dem Jahre 2008: "Ich bin dann mal weg" - der Jakobsweg ist der Klassiker unter den europäischen Pilgerwegen. Mehrere Wege aus ganz Europa führen zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Galicien. Rund 150.000 Menschen wandern jedes Jahr auf den Spuren des Apostels, jeder zehnte kommt aus dem deutschsprachigen Raum.

Selbst Bundeskanzlerin Angelika Merkel lief im August 2014 schon fünf Kilometer des UNESCO-Weltkulturerbes in Nordspanien. Allerdings erhielt sie damit nicht die begehrte Pilgerurkunde "Compostela" - denn dafür muss man die letzten 100 Kilometer zu Fuß oder die letzten 200 Kilometer per Rad oder zu Pferd geschafft haben.

Wer den großen Pilgerzug umgehen möchte, sollte die nordspanische Hauptstrecke, die von den französischen Pyrenäen bis nach Santigao de Compostela führt, besser meiden. Eine ruhige Alternativroute ist der "Camino Portugués". Dieser portugiesische Pilgerpfad ist 620 Kilometer lang und führt von Lissabon über Coimbra, Porto und die Grenzstadt Tui bis nach Santiago de Compostela.

Pilgerweg: Vier Weltreligionen auf einem Berg - Adam's Peak, Sri Lanka

Einmal im Leben muss man ihn erklimmen: den 2243 Meter hohen Adam's Peak. Das sagen zumindest die Buddhisten auf Sri Lanka. Einige Buddhisten nehmen die Strapazen sogar jedes Jahr auf sich, weil sie glauben, mit jedem Aufstieg werde sich ihr Leben um ein Jahr verlängern. Doch dieser sieben Kilometer lange Weg ist nicht einfach.

Rund tausend Höhenmeter gilt es im südwestlichen Hochland Sri Lankas zu überwinden und an die 5000 Stufen zu meistern. Das Ziel nach diesen Strapazen ist der 1,6 Meter lange heilige Fußabdruck Buddhas. Dieser gab dem Berg auch singhalesischen Namen "Sri Pada", was so viel bedeutet wie "heiliger Fuß".

"Sri Pada" ist der vierthöchste Berg Sri Lankas und schon seit Jahrtausenden eine heilige Stätte. Die Hauptsaison des Pilgerwegs reicht vom Dezember-Vollmond bis zur Vollmondnacht im April/Mai. Doch nicht nur Buddhisten verehren diesen Ort, sondern auch Hindus, Muslime und Christen: So sehen Hindus in dem Fußabdruck ihre wichtigste Gottheit Shiva, Christen den Abdruck des Apostels Thomas und Muslime den Fußabdruck des Propheten Adam. Ein ganz besonderer Moment ist der Sonnenaufgang am Gipfel. Dann wirft Adam's Peak seinen dreieckigen Schatten in den Nebel. Dafür muss man zwar mitten in der Nacht starten, aber das lohnt sich allemal!

Pilgerweg: Hoch im Norden – der St. Olavsweg, Norwegen

Einsam ist er, und sein Streckennetz besteht aus 5000 Kilometern. Er führt durch Dänemark, Schweden und Norwegen zum Nidaros-Dom in Trondheim. 2010 wurde er sogar zum Europäischen Kulturweg ernannt - der "Olavsvegen".

Allein in Norwegen misst er 2000 Kilometer und ist quasi die nordische Variante des Jakobsweges. Das Teilstück, der Gudbrandsdalsweg, der von der norwegischen Hauptstadt Oslo bis nach Trondheim führt, misst 643 Kilometer. Er war schon im Mittelalter einer der wichtigsten Pilgerziele Nordeuropas und führt mitten durch die wilde Schönheit Norwegens. Hinter Oslo gabelt sich Pfad und führt sowohl westlich als östlich um den Mjøsa, den größten Binnensee Norwegens, entlang.

Wer den westlichen Weg einschlägt, kommt in den kleinen Ort Bønsnes, wo Olav der Heilige, der eigentlich Olav Haraldsson II. hieß, 955 als Sohn eines Wikingers geboren wurde. Er christianisierte die Heiden in Norwegen und wurde 1031 heiliggesprochen. In Lillehammer treffen die beiden Pfade dann wieder aufeinander. Das Tal Gudbrandsdalen, Norwegens längstes Tal, liegt auch auf der Strecke, genau wie das schroffe Dovrefjell-Gebirge. 1300 Höhenmeter müssen die Pilger in dem Gebirge überwinden. Und mit viel Glück bekommt der Pilger auch ein paar freilebende Moschusochsen zu Gesicht - einsamer und naturnäher geht es nicht.

Pilgerweg: 88 Tempel auf einen Streich - der Shikoku-Pilgerpfad, Japan

Weiße Kleider und der kegelförmige Strohhut, der Seggenhut plus Pilgerstab: Daran erkennt der Japaner sofort einen Pilger oder "henro" wie es im Japanischen heißt. Jährlich laufen bis zu 500.000 Pilger allein den Shikoku-Pfad auf der gleichnamigen Insel. Shikoku ist die kleinste der vier japanischen Hauptinseln, und der Pilgerweg misst 1200 Kilometer. Er folgt den Spuren des verehrten Mönches Kobo Daishi (Kukai), der sich diesen Weg vor 1200 Jahren selbst erwandert haben soll.

In etwa 40 Tagen kann man die Strecke zu Fuß absolvieren und sich entlang der 88 Tempel fortbewegen. Startpunkt ist bei Tempel 1 dem Ryozen-ji in der Präfektur Tokushima und Endpunkt beim 88. Tempel, dem heiligen Ort mit seinem Schrein Okubo-ji in der Präfektur Kagawa. Doch der Pilgerpfad muss nicht in einer bestimmten Reihenfolge gelaufen werden, auch nicht in einer bestimmten Richtung. Auch zeitliche Unterbrechungen sind beim Pilgern erlaubt - sowie die Benutzung von Transportmitteln wie Bahn, Bus, Auto oder Rad.

Die Hauptsache ist: alle 88 Tempel zu besuchen. Belohnt wird der Pilger auf seinem Weg unter anderem mit Ausblicken auf den Yoshinogawa und den Shimantogawa-Fluss, den Pazifische Ozean sowie auf den wunderschönen Seto-Inlandsee mit seinen vielen, kleinen Inseln.

Pilgerweg: Der schwierigste Pilgerpfad der Welt - rund um den Kailash, Tibet

Den Pilger erwartet nicht nur die gefährliche Höhenkrankheit, sondern es lauern auch steile Anstiege, tiefe Schluchten, Schnee und Wetterumschwünge. 54 Kilometer in 4600 bis 5700 Meter Höhe gilt es zu bezwingen. Doch der Gipfel des Bergs Kailash darf nicht betreten werden - aus Ehrfurcht vor den Göttern. Dieser Pilgerweg um den rund 6675 Meter hohen Kailash inmitten der Region Ngari im Hochland von Tibet gilt daher auch als der schwierigster Pilgerpfad der Welt.

So wie die Erde die Sonne umrundet, zieht auch ein Großteil der Pilger um diesen schneebedeckten Berg. Buddhisten, Hindus und Jainas gehen im Uhrzeigersinn um den Kailash. Nur die Anhänger der Bön-Religion umrunden den heiligen Berg gegen den Uhrzeigersinn. Tief religiöse Tibeter absolvieren ihren Weg sogar in Form von Niederwerfungen.

Viele Gläubige nehmen ihn mehr als einmal im Leben auf sich, denn durch ihn werden sie Erleuchtung erlangen. Die Umrundung des Berges, auch Kora genannt, beginnt an der Südseite des Berges auf einer Höhe von 4650 Metern. "Kein Ort ist wundervoller als dieser", soll der Volksheld Milarepa (1052-1135) gesagt haben, der der Überlieferung nach als der einziger je auf dem Gipfel des Berges war.

Mehr zum Thema auf geo.de: "Rheinhold Messner und der Kailash"

Pilgerweg: Vom Meer in die Hochebene - der naturnahe St. Paulusweg, Türkei

Kate Clow, eine Türkei-Liebhaberin, hatte die Idee zu diesem Pilgerpfad, weil sie die Schönheit der ländlichen Regionen den Touristen näher bringen wollte. 2008 wurde der 500 Kilometer lange Weg auf den Spuren des Apostels Paulus eröffnet. Der Paulusweg startet von der Mittelmeerküste in zwei Armen in Richtung anatolische Hochebene. Bis auf eine Höhe von 2200 Metern geht es hinauf. Das Pilgerziel ist Antiochia in Pisidien, das heutige Yalvaç nördlich des Eğirdir-Sees. Hier soll Paulus eine Christengemeinde gründet haben.

Egal, für welchen der beiden Startpunkte man sich auch entscheidet - ob nun zehn Kilometer östlich von Antalya, in Perge oder vom zweiten Startpunkt in Beşkonak, der ungefähr 80 Kilometer nordöstlich von Antalya liegt - dieser Pilgerweg wartet mit zahlreichen Höhepunkten auf.

Sei es die antike Stadt Adada, tiefe Wasserfälle und Schluchten oder der türkisblaue Eğirdir-See. Auch die Mauleselswege, die durch Zedern- und Wacholderwälder führen, sind allein den Weg wert. Und eine Übernachtung bei einem gastfreundlichen Hirten ist das besondere I-Tüpfelchen des Paulusweges.

Pilgerweg: Der große Weg des Teilens - der Martinsweg von Frankreich bis Ungarn

Dieser Pilgerweg ist eine Herausforderung. Zumindest, wenn man nur ein paar Wochen Zeit hat. Wer den Spuren des heiligen Martins von Tours folgen will, wandert einmal quer durch Mitteleuropa. Von seinem Geburtsort Szombathely in Ungarn führt der Martinsweg heute auf verschiedenen Routen bis nach Tours in Frankreich, denn dort ist der Heilige begraben.

Martin wurde durch seine große Nächstenliebe und Güte bekannt und wird bis heute verehrt. Der Tag seiner Grablegung, der 11. November 397, wird heute noch in großen Teilen Europa als Martinstag gefeiert, sei es mit dem Martinssingen, Martinszug oder Martinsgansessen. Doch welche Route soll man nehmen?

370 Kilometer umfasst allein die Route von Szombathely in Ungarn bis nach Šmartno na Pohorju in Slowenien. Dieses Teilstück wird auch "Via Latinorum" genannt und ist eher für geübte Wanderer geeignet. Die Strecke von Venedig bis Tours ist misst mehr als 1000 Kilometer, die unter anderem auch über alpine Berghänge führen. Die drei französischen Wege sind inzwischen gut und vollständig ausgeschildert.

Übrigens: Antoine Selosse, der Initiator des "Centre Culturel Européen Saint Martin de Tours", wünscht sich, dass die Wanderer den Weg selbst als Ziel sehen. Und dass das Teilen, genau wie es für den heiligen Martin üblich war, auch entlang des Weges in den Vordergrund gestellt wird. Frei nach dem Motto: Wer teilt, gewinnt!

Pilgerweg: Auf den Spuren St. Patricks - der heilige Berg der Grünen Insel, Irland

Er ist der heilige Berg der Iren, der Croagh Patrick. Der graugrüne Berg hat nur eine Höhe von 750 Metern und liegt im Westen der Grünen Insel. Genauer: im County Mayo, gute acht Kilometer außerhalb und südwestlich der Ortschaft Westport.

Doch was zunächst nach keiner großen Herausforderung klingt, hat es durchaus in sich. Gute vier Stunden dauert der Aufstieg von der Kirche "Murrisk Abbey" bis zum Gipfel. Der letzte Teil des Weges geht steil bergauf und über loses Geröll. Ohne Serpentinen, die den Pfad erträglicher machen. Zudem kann das Wetter auch im Sommer schnell umschlagen. Nebel, Sonne und Regen gehören hier genauso dazu wie die schöne Aussicht auf den Atlantik und die Clew Bay mit ihren vielen Inseln.

Der Sage nach soll der Heilige Patrick im Jahr 441 n. Chr. auf diesem Berg gebetet und gefastet haben, und mit einer Glocke alle Schlangen von der Insel vertrieben haben. Der irische Schutzpatron brachte das Christentum auf die grüne Insel und ließ eine Kirche auf dem Berg errichten.

Alljährlich kommen am letzten Juli-Wochenende bis zu 30.000 Pilger zum Croagh Patrick, manche sogar barfuß oder auf den Knien rutschend. Der erste Gottesdienst an diesem sogenannten "Reek Sunday" startet um 8 Uhr morgens - und damit man den nicht verpasst, laufen die Pilger noch in der Dunkelheit los.

Pilgerweg: ein Balanceakt - der Goldene Felsen von Kyaikhtiyo, Myanmar

Gute vier Autostunden von Rangun entfernt liegt in der Nähe des kleinen Ortes Kyaikto im Mon-Staat, eines der Nationalheiligtümer Myanmars: die Pagode des Goldenen Felsens. Auch wenn es aussieht, als würde der Koloss jeden Moment in die Tiefe stürzen, wird er der Legende nach nur von einem Haar Buddhas im Gleichgewicht gehalten.

Ein Einsiedler hatte dieses Haar dem Mon-König Tissa, Sohn eines Magiers und einer Prinzessin im 11. Jahrhundert geschenkt. Der Einsiedler offenbarte, dass das Haar Wunder bewirken würde, wenn er einem Felsen in Form eines Kopfes finden würde. Der König suchte im ganzen Land und fand schließlich auf dem Meeresgrund einen passenden Felsen. Er hievte ihn mit der Hilfe des Gottes Indra und eines Schiffes den Berg hinauf. Oben auf dem Berg wurde das Schiff zu Stein - und der Fels zum Heilgtum.

Tagtäglich sind Hunderte von Pilger unterwegs, um diesen besonderen Ort zu besuchen. Ungefähr zwölf Kilometer ist der Pilgerpfad lang. Im Kinpun-Camp, dem Basislager am Fuße des Kyaiktiyo-Berges, beginnt der erste Part, der aber von dem meistenr Pilgern mit dem Bus oder dem Taxi gemeistert wird. Die Serpentinen haben es schließlich in sich. Die letzten vier Kilometer steil bergauf müssen allerdings zu Fuß gemeistert werden. Pilger, die ganz schlecht zu Fuß sind und die Sonne fürchten, können sich von kräftigen Trägern gegen eine Gebühr in einer Sänften hinauftragen lassen. Oben angekommen, heißt es: Schuhe ausziehen! Und für das weibliche Geschlecht: Finger weg vom Goldenen Felsen! Nur Männer dürfen den Felsen mit Blattgoldblättchen bekleben - Frauen dürfen dagegen aber das versteinerte Schiff berühren.

Pilgerweg: Grenzüberschreitend - der Benediktweg reicht von Oberösterreich bis nach Slowenien

Kaiser Josef II. schloss das Benediktinerstift St. Paul im Kärntner Lavanttal 1789. Doch 1809 machte sich eine Gruppe Benediktinermönche aus Spital am Pyhrn in Oberösterreich auf den Weg nach St. Paul, um es wieder zu eröffnen. Daran erinnert der heutige Benediktweg.

Aus Anlass der 200-Jahrfeier der Wiederbesiedelung des Stiftes St. Paul im Lavanttal wurde 2009 dieser Pilgerpfad eröffnet. Der Name geht auf den Ordensgründer Benedikt von Nursia zurück. Gute 15 Tage muss der Pilger für diesen grenzüberschreitenden Pilgerpfad einplanen, der mittlerweile auf 315 Kilometer ausgebaut wurde. So führt er von Spital am Phyrn in Oberösterreich, über Seckau in die Steiermark zum Stift St. Paul in Kärnten und weiter bis nach Gornji Grad in Slowenien.

Zu den kulturellen Höhepunkten zählen unter anderem die barocke Stiftskirche in Spital am Pyhrn in Oberösterreich und das Benediktinerstift Admont in der Steiermark, mit dem größten klösterlichen Büchersaal der Welt. Auch das Franziskanerkloster Nazarje mit der Kapelle der Schwarzen Madonna ist sehenswert. Naturfreunde hingegen schätzen vor allem die Etappe durch den Nationalpark Gesäuse und den Abschnitt durch die Gebirgsgruppe der Niederen Tauern.

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