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Reisebericht: Toskana - Von schnatternden Waschweibern zu wohlbefindlicher Wellness

 
 
 
 
 
Reisebericht: Toskana - Von schnatternden Waschweibern zu wohlbefindlicher Wellness

Toskana - Von schnatternden Waschweibern zu wohlbefindlicher Wellness

Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 

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Wo vor Urzeiten barfüßige Hirtenknaben ihre Sauen durch die engen montalcinischen Gassen trieben, schnatternde Waschweiber ihre Wäsche im Dorfbach wuschen und sich im entfernten Montepulciano feine Signoren aus ihren mächtigen Kutschen mit spitzen Füßen über die stinkende Straße in ihre vornehmen Palazzi retteten, sitze ich heute in einer dieser wunderschönen engen Gassen in Montalcino und schlürfe genüsslich in der Spätherbstsonne meinen Cappuccino. Kaum anderswo bekomme ich wie in diesen italienischen Kaffeebars so köstlich goldbraune Flüssigkeit mit geschäumter Milch kredenzt, die meine Zunge wohlig umspült und nach dem ersten Schluck meine Pupillen in drehende Bewegung versetzt.

Dabei ist es nur ein paar Tage her, dass ich in Pisa am späten Abend eingeflogen bin, von dort vom Hotel abgeholt wurde und gut zwei Stunden in südliche Richtung über Siena ins Orcia-Tal nach Bagno Vignoni chauffiert wurde. Von meiner geliebten prall gefüllten kunst- und geschichtsgeprägten Landschaft habe ich in dieser rabenschwarzen Nacht nichts gesehen. Schlaftrunken bekam ich nur mit, dass unser Wagen gegen Mitternacht am mächtigen schmiedeeisernen Hoteltor gestoppt wurde. Nach Einlass und kurzem Einchecken folgte eine Rolle vorwärts ins ersehnte Bett.



 
 
 
 
 

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Wie ich dann am nächsten Morgen die schwere Übergardine zur Seite schiebe und auf den Balkon hinaus trete, stoße ich einen ersten, glücklichen Seufzer aus. Da liegt sie vor mir wie eine Fototapete, meine ersehnte Toscana, von einem mildtätigen Himmelsblau überzogen. Mein Blick schweift über die piksauberer Landschaft meines Hotels „Adler Thermae Toscana“ mit dem wohlgeformten Pool,



 
 
 
 
 

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wandert weiter zu dem oben thronenden Castello d’ Orcia und weiter zum mächtigen Monte Amiata, dem einzigen Vulkan der Toskana, seit langem erloschen.



 
 
 
 
 

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Langsam gleiten die Augen vom hohen Krater hinunter nach Osten über abgeerntete kleine Hügel zu einer uralten Zypressenallee mit stolzem Gehöft. Stimmungsgeladen ragen die langen, spitzen Bäume wie beschützende Zinnsoldaten in Reih und Glied vor diesem alten Gemäuer. Das Bauernvolk trotzt dem kargen Boden. Für sie ist es ein mühsames Land, nicht lieblich und so klischeehaft poetisch wie für seine Besucher.



 
 
 
 
 

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In den nächsten Tagen stehen labendes Thermalwasser, wohltuende Olivenöl-Massagen, sphärische Klänge in der Salinengrotte mit Salz aus dem Toten Meer auf meinem Programm. Ganz allmählich merke ich, dass mit meiner einkehrenden Ruhe und den vielen Saunagängen meine Nervosität mit dem Schweiß aus den Poren zu flüchten scheint. Im Liegestuhl einer mystischen Grotte versinke ich in wohltuende Wachträume,



 
 
 
 
 

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bevor mir abends Lobeshymnen über die toskanische Hotelküche einfallen.



 
 
 
 
 

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Nur ein paar Schritte von meinem Hotel entfernt betrete ich den romantischen Weiler Bagno Vignoni, einem Weltkulturerbe der UNESCO. In seiner Mitte nicht wie gewohnt eine belebte Piazza, sondern ein großes Thermalbecken, das von einer 51 Grad heißen Thermalquelle des Monte Amiata gespeist wird. Suchten in diesem heilenden Wasser doch bereits vor langen Zeiten die verwundeten Soldaten der Republik Siena Heilung, so ist das Baden in diesem gemauerten Becken heute streng untersagt.



 
 
 
 
 

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Dafür sitzen jetzt Einheimische an den kleinen Bachläufen unterhalb der Therme und baden bei kleinen und großen Schwätzchen ihre Füße im wohltuenden Wasser, das weiter über stillgelegte Bäder der Römer und über Kaskaden tief nach unten in Terrassenbecken stürzt.



 
 
 
 
 

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Jetzt, im Spätherbst, freue ich mich auf den Vino Nobile in Montepulciano. Das hübsche, mit dicken Mauern geschützte Bergnest mit seinen steilen Straßen und den geschichtsträchtigen Pallazzi steuere ich nicht über Hauptstraßen an, sondern lasse mich in diese Richtung auf unausgebaute, ruhige Schlängelwege ein,



 
 
 
 
 

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die zu unendlich vielen Fotostopps verführen.



 
 
 
 
 

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Letztendlich lande ich aber doch noch in einem dieser schönen Weinkeller hoch oben in Montepulciano bei Roberta Crociani, deren drei Familiengenerationen ihr Leben lang in strenger Tradition zwischen Bottichen, Fässern und Weinflaschen verbracht haben. Und während mich der Duft mächtiger Eichenholzfässer in diesem alten Gewölbe umgibt, koste ich ein paar gehaltvolle Schlückchen dieses edlen Tropfens.



 
 
 
 
 

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Ein paar Sonnen- und Erholungstage später habe ich mich verabredet mit Paolo Bianchini in seinem Renaissance-Pallazzo in einem kleinen Ort in der Nähe dieses Schwalbennestes Montalcino, dem Zentrum des kostbaren Brunello-Weins. Und so darf ich als Gast ehrfürchtig einen Blick in den alten Gewölbekeller werfen und einige kleine, verstaubte Schätze in einem Regal bewundern.

Später, als wir auf seinem Weingut vor den großen Fässern mit äußerst kostbaren Inhalten stehen und Wein verkosten, sagt Paolo, dass seine Familie über Generationen hinweg stets auf Seriosität geachtet hat, für die Kunstgriffe und Kniffe nie einen Platz hatte. Das Jahr 2004, so scheint es bei meiner Probe, ist ein gutes Brunellojahr. Diese blutroten Tropfen besitzen Finesse und Eleganz. Aber auch der Jahrgang 2007 zeigt heute schon eine gute Aromatik.

So ist der Brunello heute der Lebensnerv dieser Gegend geworden. Vor dreißig Jahren, so erzählt mir meine Fremdenführerin Annalisa Raffeiner, während an unserem Nachbartisch ein alter Mann genüsslich von Mal zu Mal einen Zwieback in seinen Cappuccino tunkt, kam sie mit einem Landrover und einem Surfbrett vom Meer her in diesen Ort. Sie wurde noch wie ein Marsmensch angestarrt. Und die hiesigen Köhler und Waldarbeiter lebten noch in Feindschaft mit den entfernten reichen Montepulcianesen, die eng befreundet waren mit den Medici. Da war der Brunello noch keine Mode. Mittlerweile ist der Brunello in aller Munde und dementsprechend explodiert. Und heute kältern 230 Hersteller diesen gefragten Wein. Trotzdem sind die Bewohner hier auf dem Boden geblieben. Wenn es zum Beispiel einen Palio, einen Wettkampf zwischen den Vierteln oder zwischen benachbarten Gebieten gibt, so sperrt man sein Geschäft zu, egal zu welcher Zeit. Das ist für diese Menschen hier ihr Leben und da gehen sie mit Herzblut dran. So leben die Toscani ihr Leben nach dem Motto: Liebe, Haß und Leidenschaft.

Gerd Krauskopf



Infos:

Anreise:
Am einfachsten gelangt man in die Toscana mit einem Billigflieger von Köln/Bonn aus nach Pisa. Hier gilt das Motto: Je früher buchen, desto billiger der Flug.

Mietwagen:
Den sollte man bereits in Deutschland von bekannten Firmen buchen und am Flughafen in Pisa in Empfang nehmen.



 
 
 
 
 

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Hotelaufenthalt:
Ich habe mich verwöhnen lassen im Hotel „Adler Thermae Toscana“, I-53027 Bagno Vignoni (SI), Val d’Orcia-Toscana/Italy, Telefon: +39 0577 889 000, Fax: +39 0577 889 999, www.adler-resorts.com, info@adler-thermae.com



 
 
 
 
 

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Agrotourismo:
In der Toskana kann man überall günstig auf Bauern- oder Winzerhöfen wohnen. Ich selber habe auch einige Tage gewohnt bei Luca Zamperini, 53023 Castiglione d’Orcia (SI), Poggio Grande12, Tel: +39 0577 897 391. www.aziendapoggiogrande.it
info@aziendapoggiogrande.it

Reiseführer für unterwegs:
„Polyglott on tour“ Toskana mit flipmap.



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Übersicht Italien

Region: Toskana

Kommentare
  • philduck72 (RP) 16.10.2008 | 22:46 Uhr

    Wieder einmal ein sehr eindrucksvoller Bericht mit besonders schönen Bildern dieser wohl zu jeder Jahreszeit attraktiven Gegend, der Toskana.

    Gruß,

    Philip

  • lilli.28 19.10.2008 | 11:11 Uhr

    Toll, dieser spannende Reisebericht und wieder garniert mit besonders eindrucksvollen Fotos, die Lust auf dieses Land machen. Da versteht man die "Toskana-Fraktion"!

  • astrid 22.10.2008 | 21:03 Uhr

    Nach so einem Bericht möchte ich am liebsten sofort losfliegen, Toscana wie im Bilderbuch.
    Gruß Astrid

  • mimare 26.10.2008 | 17:32 Uhr

    Die Fotos sind einfach spitze!

  • mosaik (RP) 06.02.2009 | 17:33 Uhr

    Ein wirklich schöner Beitrag über einen doch nicht ganz so bekannten Teil der Toskana. Einen Teil, den ich jedem nur empfehlen kann, der auch man die Seele baumeln lassen möchte.

    Peter

  • Weltreiselust 03.07.2009 | 17:59 Uhr

    Servus,

    will den Bericht auch loben :) Ich bin schon n der Vorbereitung meiner eigenen Toscana Reise in ein paar Wochen und habe mich gerne inspirieren lassen.

    Gruß
    Weltreiselust

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