Schottland - Highlands und Lowlands

Reisebericht

Schottland - Highlands und Lowlands

Reisebericht: Schottland - Highlands und Lowlands

Weiße Nebelschwaden ziehen über eine einsame Hügellandschaft. Die sattgrüne, wilde Szenerie wird hier und da von einem glasklaren See unterbrochen und endet unvermittelt an einer schroffen Steilküste. Vereinzelt trotzen Schafe dem oft schlechten Wetter, die wohl kaum wissen, dass sie auf geschichtsträchtigem Boden weiden, der eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat. Welcome to Scotland!

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St. Conan Church

St. Conan Church

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Auf unserem Weg Richtung Oban entdecken wir zufällig ein wahres Kleinod am Wegesrand. Die St. Conan Kirche wirkt auf den ersten Blick wie eine mächtige Festung. Die Legende besagt, dass die Mutter des Erbauers nicht mehr sehr weit gehen konnte, und die Kirche nur errichtet wurde, um ihr den Weg zum täglichen Gebet zu verkürzen.
Neugierig geworden, parken wir unser Auto und öffnen die Türe. Beim ersten Anblick der wuchtigen Mauern und Steinsäulen sind wir schier überwältigt. Die unverschnörkelte Schönheit des Gotteshauses ist faszinierend. Der mittelalterliche Stil lässt uns kaum glauben, dass der Bau erst 1930 abgeschlossen wurde.



St. Conan Church



Oban

Oban

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Nach diesem sehenswerten Abstecher fahren wir weiter in die Stadt Oban, die in einer malerischen Bucht direkt am Meer liegt. Auf einem Hügel thront der McCraig Tower, der 1897 als Nachbau des römischen Kolosseums errichtet wurde. Von hier aus genießen wir einen eindrucksvollen Ausblick über die Stadt und die umliegenden Hebriden-Inseln, die in der Sonne leuchten.
Oban hat über 8000 Einwohner und ist der bedeutendste Fährhafen zu den Hebriden-Inseln.



Oban



Glücklicherweise sind die Kinder keine Morgenmuffel, denn am nächsten Tag brechen wir um 6h Früh zum nahe gelegenen Hafen von Oban auf, um eine Tagestour auf die drei Inseln Mull, Iona und Staffa zu machen.



Insel Mull

Zunächst bringt uns die große Autofähre der Caledonian MacBrayne Company auf Mull. Diese gebirgige Insel, die zu den Inneren Hebriden zählt, ist seit über 8ooo Jahren besiedelt. Heute leben hier noch etwa 2700 Einwohner.
Bevor wir in den Fährhafen von Mull einfahren, erblicken wir zwischen den morgendlichen Nebelschwaden das Duart Castle. Es wurde im 13 Jh auf einer Felsklippe erbaut und gelangte in den Besitz des Clan MacLean. Dieser verlor im 17 Jh seine Ländereien, und die Burg verfiel. Erst 1910 wurde sie wieder von den MacLeans erworben und renoviert.
Laut tönt das Nebelhorn durch die morgendliche Stille und das Schiff pflügt sich unermüdlich durch die Wellenlandschaft. Schließlich erreichen wir nach etwa 45 Minuten den Fährhafen von Craignure.
Dort steigen wir in einen Reisebus, der uns quer über die Insel bringt. Mull ist die drittgrößte der Hebrideninseln mit einer Küstenlinie von etwa 480 Kilometern. Die Straßen "der Insel der runden Hügel" - so lautet nämlich der Gälische Name Mulls - sind sehr schmal, sodass wir fast zwei Stunden benötigen um nach Fionnphort an der südwestlichen Spitze der Insel zu gelangen.



Fährüberfahrt von Oban nach Mull



Insel Staffa

Anschließend bringt uns ein kleines Fährboot zur Miniaturinsel Staffa. Schon von Weitem erkennen wir die markanten Basaltsäulen, für die das Eiland berühmt ist. Diese sechseckigen Steinformationen bildeten sich beim Erkalten von Lava vor 60 Millionen Jahren. Ursache dafür war wohl eine gewaltige unterirdische Explosion, da sich die Säulenreihe auch unter Wasser 20 Kilometer bis nach Nordirland fortsetzt.
Natürlich ranken sich auch zahlreiche Sagen um dieses Naturspektakel. Eine davon berichtet von dem irischen Riesen Finn, der den Damm errichtet haben soll, um trockenen Fußes zu seiner Geliebtes auf Staffa gelangen zu können. Da ihn ein Widersacher verfolgte, zerstörte er den Damm jedoch gleich nach seiner Ankunft.
Vielleicht wohnten Finn und seine Angebetete dann in der "Fingals Cave"? Diese bizarre Höhle entstand im Laufe der Zeit durch die Kraft des Wassers, das die meterhohe Basaltwand ausspülte. Durch das Meeresrauschen in dem kathedralartigen Höhlenraum wurde einst Felix Mendelssohn Bartholdy zu seiner Hebriden Ouvertüre inspiriert.
Auch wir sind bezaubert vom rauen Charme Staffas und würden gerne noch länger auf der unbewohnten Insel verweilen.



Insel Staffa



Insel Iona

Iona

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Doch leider holt uns das Boot mittags wieder ab und setzt uns auf der Insel Iona ab.

Iona ist für Zweierlei berühmt: erstens für das wunderschöne, alte Kloster und zweitens für das schlechte Wetter!
Angeblich soll es hier durchschnittlich 330 Tage im Jahr regnen. Demnach sind wir Glückspilze, denn bei unserem Besuch zeigt sich die nur 8,8 km2 große Insel von ihrer besten Seite. Bei klarem Himmel und Sonnenschein spazieren wir durch die Abtei, die schon in keltischer Zeit gegründet wurde. Von hier aus verbreitete sich das Christentum über ganz Schottland und Nordengland. Man nimmt an, dass das berühmte "Book of Kells", welches die vier Evangelien mit farbenprächtigen, kostbaren Verzierungen und feinen Ornamenten enthält, im 8. Jahrhundert auf Iona verfasst wurde.
Trotz der vielen Touristen herrscht eine angenehme Stille auf der Insel. Die Kinder genießen den feinsandigen Strand und halten sogar ihre Füße ins ziemlich kalte Wasser.



Iona Abbey



Zu schnell vergeht die Zeit und bald müssen wir den Rückweg antreten. Wieder geht es per Boot, Autobus und Fähre zurück nach Oban.


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Kommentare

  • Blula

    That's great, liebe Tamara ! *****
    Was für ein toller Bericht und zugleich herrlicher Bilderbogen. Wer sich vielleicht bisher noch nicht so für eine Reise nach Schottland begeistern konnte, der kommt hier wahrhaftig auf den Geschmack.
    Hier ist alles drin. Du machst die interessierten Leser bekannt mit den wunderbaren und stillen Landschaften Schottlands, den Seen.... . Mir war übrigens bisher nur Loch Ness bekannt, wußte gar nicht, dass es auch noch weitere reizvolle "Löcher" gibt. Und so viele schöne Burgen gibt es in Schottland? Ich bin begeistert, schon allein vom Anschauen Deiner ausgezeichneten Fotografien.
    Ja, und dann, ich fasse es nicht, hast Du Dich sogar zur Pilotin ausbilden lassen??!!! Ha, das war aber ganz schön mutig, Tamara. Diesen Flug wirst sicher Dein Leben lang nicht vergessen. Sehr erstaunt war ich ja auch, dass Du in Schottland sogar auf Kamele ( im Highland Wildlife Park ) gestoßen bist. Ja, und diese Fahrt mit dem historischen Jacobite Dampfzug hätte mir natürlich auch gefallen.
    Ein extra Highliht war natürlich die Hochzeit Eurer Freunde im Barcaldine Castle. Fein, dass Du uns diese ebenso stilechte wie feierliche Zeremonie hier auch etwas miterleben lässt.... samt "Highland-Fling". Da habe sogar ich gerade beinahe heimlich das Tanzbein geschwungen....
    Nun hätte ja Eure Reise beinahe noch ein nicht so gutes Ende genommen, wenn die Security am Flughafen "falsch" reagiert hätte. Was für ein herrlicher Epilog....
    Tamara, mein Kompliment zu diesem ganz hervorragenden Bericht, der heute auch völlig zu Recht auf die Startleiste gekommen ist.
    LG Ursula

  • bezi

    Hallo Tamara, mir hat es sehr, sehr gut gefallen, wie Du hier die Highlands und Lowlands von Schottland präsentiert hast. Ich war ja auch noch nie da, bekomme aber jetzt richtig Reiselust. Dein schöner und überaus informativer Bericht, der auch noch mit vielen persönlichen Erlebnissen gespickt ist, wäre eine gute Vorlage für einen Reisefilm über Schottland.
    LG Claudia

  • Hortensie7

    Traumahft - ich war im Juli 2012 dort auf (fast der gleichen) Rundreise... Allerdings nicht so privat, sondern mit einer Reisegruppe. War aber genauso traumhaft! Die blühenden Ginsterbüsche, Rhododendren und die vielen "Lochs". Sehr viel Arbeit steckt in deinem Bericht - well done!
    lg, Petra

  • Elaira

    Vielen lieben Dank für eure netten Kommentare und das Lob! Ich freue mich sehr darüber!
    @Ursula, danke! Ich muss gestehen, ich fand das Loch Ness sogar ziemlich langweilig. Da gibt es viel schönere Seen in Schottland.
    Einmal zu fliegen war wirklich ein geniales Erlebnis, welches ich sicher niemals vergessen werde. Aber etwas mulmig war mir schon zumute...
    Die Fahrt mit dem Dampfzug war auch etwas ganz Besonderes. Man tuckert nicht nur durch die Landschaft, sondern kommt auch mit den Mitreisenden schnell ins Gespräch.
    Die Hochzeit war natürlich das I-Tüpfelchen. Angeblich war unser Dudelsackspieler mit seinen 16 Jahren Schottlands jüngster Piper. Es war sehr stimmungsvoll.
    So ein Abenteuer am Flughafen haben wir wirklich noch nie erlebt. Wirklich alle waren alamiert und sind dann in schallendes Gelächter ausgebrochen. Vorallem haben wir diese Wasserspritzpistole in Wien am Flughafen gekauft...
    @Claudia: Vielen lieben Dank! Ich freue mich, dass ich deine Reiselust wecken konnte. Wir haben in diesen 3,5 Wochen so viel erlebt - es ist wirklich schade, dass wir keine Videokamera dabei hatten.
    @Petra: Herzlichen Dank! Oh ja, ich glaube, ich habe mehr als 3 Monate an dem Bericht gebastelt. Schottland mit seinen vielschichtigen Landschaften und der interessanten Geschichte ist einfach großartig. Ich habe mir zur Reiseplanung auch einige geführte Routen durchgelesen, vielleicht daher die Ähnlichkeit..
    LG Tamara

  • grenzenlos1

    Sehr schön, sehr interessant, prima!
    LG Wi grenzenlos

  • rosa10

    Liebe Elaira/Tamara,
    ein wunderbarer und liebevoller Bericht über Schottland - ein Land, in das wir uns auf den ersten Kilometern mit WoMo und Hund im September 2013 unsterblich verliebt haben.
    Ich glaube ja, wer es einmal erlebt hat, den lässt es nicht mehr los...
    Deine Berichte erinnerten uns an viele Orte, die wir in den (viel zu kurzen) gut zwei Wochen besucht haben.
    Neben den unschlagbaren Highlands haben uns es besonders die Inseln Skye und Lewis und Harris angetan.
    In knapp drei Monaten geht es wieder los, und das bestimmt nicht zum letzten Mal.
    Wir werden einige Deiner Stationen in unsere diesjährige Reise in den Nordwesten Schottlands mit einplanen.
    Schottland ist "Balsam für die Seele" - Vielen, Herzlichen Dank dafür!



  • Schriddels

    Schottland, ja da wollen wir auch noch mit unserem Wohnmobil hin. Durch den klasse Reisebericht ist uns das wieder zu Bewusstsein gekommen, ja da müssen wir hin.

    Liebe Grüße aus Salt Lake City Wolfgang Schriddels

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