Schottland - Highlands und Lowlands

Reisebericht

Schottland - Highlands und Lowlands

Reisebericht: Schottland - Highlands und Lowlands

Weiße Nebelschwaden ziehen über eine einsame Hügellandschaft. Die sattgrüne, wilde Szenerie wird hier und da von einem glasklaren See unterbrochen und endet unvermittelt an einer schroffen Steilküste. Vereinzelt trotzen Schafe dem oft schlechten Wetter, die wohl kaum wissen, dass sie auf geschichtsträchtigem Boden weiden, der eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat. Welcome to Scotland!

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zurück nach Ullapool

Autofähre

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Am nächsten Morgen brechen wir sehr zeitig auf, um rechtzeitig unsere Fähre zurück nach Ullapool zu erreichen. Diese verlässt bereits pünktlich um 7h Stornoway. Sanft schaukeln wir übers ruhige Meer und genießen die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Pünktlich um etwa 9.45h steuern wir schließlich wieder die leuchtend weiße Häuserzeile von Ullapool an.



Ullapool



Highlands

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Nun geht unsere Fahrt zügig weiter und zwar quer durchs Landesinnere bis hin zur Ostküste Schottlands



nördliche Highlands



Dunrobin Castle

Dunrobin Castle

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Wir passieren einsame Graslandschaften, klare Bergseen und kommen schließlich zum Dunrobin Castle, wo wir eine Greifvogelschau sehen werden. Zunächst heißt uns jedoch wieder einmal ein Dudelsackspieler willkommen. Dann besichtigen wir das einladende Innere der riesigen Schlossanlage mit 189 Räumen. Davon kann jedoch nur ein Bruchteil besucht werden, den Rest bewohnt die Familie Sutherland.
Das Anwesen wurde erstmals 1401 urkundlich erwähnt und anschließend sukzessive ausgebaut. In der Zeit von 1845 bis 1851 fanden wiederum größere Umbauten statt und das Castle erhielt sein heutiges Erscheinungsbild, das mit seinen schlanken Türmchen eher an ein französisches Schloss erinnert.
Diese Ähnlichkeit setzt sich auch in der beeindruckenden Gartenanlage fort. Der verspielte, liebliche Garten wurde nämlich dem von Schloss Versailles in Frankreich nachempfunden. Bei all dieser blühenden Pracht vergessen wir beinahe, dass wir uns hier 1400 Kilometer weiter nördlich in den sonst so kargen Highlands befinden.
Auf dem weitläufigen Gelände befindet sich auch ein Museum mit geologischen und archäologischen Funden sowie einer Sammlung von präparierten Tieren. Hier werfen wir jedoch nur einen kurzen Blick hinein und begeben uns gleich weiter zur Greifvogelschau.
Diese gestaltet sich sehr kurzweilig, denn der Falkner führt mit viel Humor und Anekdoten durch die Vorstellung. Die gefiederten Flugkünstler zeigen ihre beeindruckenden Jagdmethoden und kehren doch immer wieder zur Hand des Falkners zurück. Vielleicht auch weil dort ein weiteres Schmankerl zum Verzehr wartet. Wir lernen Falken, Adler und Eulen kennen und werden auch aktiv eingebunden, denn meistens müssen wir möglichst schnell die Köpfe einziehen um nicht den Tiefflug des jeweiligen Vogels unsanft zu stoppen. Die Eule "Bonsai" watschelt gar mitten durchs Publikum und landet auf den Köpfen der Besucher.
Nach einer Stunde ist das Spektakel vorbei und wir begeben uns wieder zurück zum Auto.



Dunrobin Castle



Wollgras

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Wir folgen der Ostküste weiter bis zum nördlichsten Ort Schottlands. War bisher die Landschaft schon einsam, hier sagen sich sprichwörtlich Fuchs und Hase gute Nacht. Wollgras und Steine sind wohl unsere einzigen Wegbegleiter in den hohen Norden. Sogar die Sonne hat uns hier verlassen.



John o'Groats

Unser Ziel ist John o'Groats mit seinen etwa 300 Einwohnern und natürlich dem Souveniergrundstück unserer Freunde.
Der Name des Dorfes leitet sich höchstwahrscheinlich von dem Holländer Jan de Groot her, der 1496 die Fährrechte zu den vorgelagerten Orkney-Inseln verliehen bekam. Bis in heutige Zeit tuckern kleine Personenfähren zu den nahe gelegenen Inseln. Auch wir nützen diese Fährverbindung für einen geführten Tagesausflug.



John o'Groats



Orkney Inseln

Nach nur 45 Minuten legt die John o'Groats Ferry bereits im Hafen von Burwick an. Dieser befindet sich an der Südspitze der Insel South Ronaldsay. Hier wartet schon ein Bus auf uns. Das Wetter ist heute leider sehr schlecht, sodass wir außer Nebel und Regen kaum Impressionen aufnehmen können. Nur einige Schafe grasen unbeeindruckt am Straßenrand. Unser Reiseführer, der auch gleichzeitig der Busfahrer ist, erklärt uns, dass South Ronaldsy etwa 850 Einwohner hat und komplett baumlos ist. Der Archipel von Orkney besteht aus insgesamt mehr als 100 Inseln, davon sind nur etwa 20 bewohnt. Es gibt wenige Sonnentage und windig ist es eigentlich immer. Folgender Witz wird über die Inselbewohner erzählt: Einen Insulaner am Festland erkennt man sofort am schiefen Gang, an einem windstillen Tag fällt er um.



Churchill Barriers

Scapa Flow

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Zügig fahren wir weiter nordwärts. South Ronaldsy ist mit den Nachbarinseln und der Hauptinsel "Orkney Mainland" durch mehrere Dämme verbunden. Diese heißen Churchill Barriers und wurden im zweiten Weltkrieg von italienischen Kriegsgefangenen errichtet. Vorerst wurden jedoch Schiffe versenkt, um die Zufahrt in den inneren Hafen der Inselgruppe - der Scapa Flow genannt wird - zu erschweren. Da der Einsatz von Kriegsgefangenen für militärische Zwecke verboten war, wurden die Barrieren unter dem Vorwand erbaut, den Inselbewohnern einen Fußweg zur Kathedrale von Kirwall auf Mainland zu ermöglichen.
Das gewaltige Bauvorhaben erforderte die Versenkung von 40.000 Kubikmeter Steinen. Auf diese wurden noch 300.000 Tonnen Betonblöcke gestapelt. Die Fertigstellung fand erst zu Kriegsende statt, sodass damit schlussendlich wirklich die Infrastruktur zwischen dem Archipel verbessert wurde.



Stromness

Unser erster Stopp ist die Hafenstadt Stromness im Südwesten von Mainland. Sie hat etwa 2100 Einwohner und ist damit die zweitgrößte Ansiedlung der Orkneys. Stromness war schon im Mittelalter besiedelt und geht wahrscheinlich auf eine Wikingerniederlassung zurück. 1817 erhielt sie das Stadtrecht und war lange Zeit wichtiger Ankerplatz der britischen Marine. Aufgrund ihrer Steinhäuser wird sie auch die "graue Stadt" genannt, was bei dem starken Regen heute wenig einladend erscheint.



Stromness



Skara Brae

Skara Brae

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Die bedeutendste Sehenswürdigkeit auf Orkney Mainland ist zweifellos die wunderbar erhaltene neolithische Siedlung von Skara Brae. Sie liegt direkt am kilometerlangen, weißen Sandstrand von Skaill.
Erbaut wurde das Dorf, welches aus 10 steinernen Häusern bestand, etwa 3000 vor Christus.
Am Eingang des Besucherzentrums wurde eine Replik eines Hauses erstellt, die Einblicke in die damalige, überraschend bequeme Lebensweise, zeigt.
Auch damals befand sich schon eine Feuerstelle in der Raummitte und Bettstellen an den Seiten. Sogar steinerne Sitzplätze und Schränke wurden freigelegt.
Forscher fanden neben dem Dorf einen großen Abfallhaufen, der zeigt, dass die Bewohner neben Ackerbau auch Viehzucht und Fischerei betrieben. Sogar Seehund- und Walknochen wurden hier gefunden.



Skara Brae



Ring of Brodgar

Ring of Brodgar

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Leider vergeht die Zeit viel zu schnell und wir müssen wieder in den Bus steigen. Dieser bringt uns nun zum faszinierenden Ring of Brodgar. Dieser Steinkreis hat einen Durchmesser von über 100 Metern. Ursprünglich standen hier 60 Menhire, heute trotzen nur noch 27 Wind und Wetter. Die Anlage ist etwa 2700 v. Chr. entstanden. Die Bedeutung dieses Ortes konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Wir umrunden die Anlage und versuchen die geschichtsträchtige Atmosphäre dieses Platzes gebührend zu genießen. Jedoch sind wir mittlerweile die Einsamkeit und Stille Schottlands so gewöhnt, dass uns die lärmenden Busgruppen ziemlich stören. Aber vielleicht kommen wir ja in einigen Jahren wieder auf die Orkney Inseln - dann aber mit einem Mietauto.



Ring of Brodgar



Standing Stones of Stenness

Standing Stones of Stenness

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Anschließend wird uns ein kurzer Fotostopp bei den Standing Stones of Stenness gewährt. Diese vier markanten Menhire sind ebenfalls über 5000 Jahre alt. Einst gab es hier 12 Steine, die mehr als 5 Meter hoch, aber nur 30 cm breit waren. Die ganze Anlage hatte einen Durchmesser von 40 Metern und wurde von einem Graben umgeben.



Kirkwall

Am späten Nachmittag besuchen wir die Hauptstadt der Orkneys - Kirkwall. Diese lebhafte Stadt mit ihren 6000 Einwohnern wurde bereits 1046 n. Chr. urkundlich erwähnt. 1137 wurde mit dem Bau der eindrucksvollen St. Magnus Kathedrale begonnen. Das Gotteshaus wurde im Laufe der Zeit öfters um- und ausgebaut und weist nun einen harmonischen Stilmix aus Gotik und Romanik aus.
Rund um das Heiligtum entstanden prächtige Bürgerhäuser, die noch heute das Stadtbild prägen.
In einem dieser Gebäude, dem Tankerness House aus dem 16. Jh, ist das Inselmuseum untergebracht, welches einen guten Überblick über die Geschichte und Kultur der Inseln bietet. Die sehenswerte Ausstellung ist kindgerecht gestaltet und daher auch für unseren Sohn eine spannende Reise in die Geschichte.



Kirkwall



Italian Chapel

Unser letzter Halt ist die italienische Kapelle auf der kleinen Insel Lamb Holm. Dieses farbenfrohe katholische Gotteshaus wurde von den italienischen Kriegsgefangenen während des Baus der Churchill Barriers errichtet. Es besteht aus zwei Wellblechhütten und den Resten von gesunkenen Holzschiffen.
Nach dem Krieg verschwanden die Gefangenenlager, die Kapelle blieb jedoch und wurde eine viel besuchte Sehenswürdigkeit.
1960 kehrte der ehemalige Gefangene und Maler der Kapelle, Domenico Chiocetti, nochmals - diesmal als Gast- auf die Orkneys zurück, um das Gotteshaus zu renovieren.



Italian Chapel



Bald erreichen wir wieder den Hafen von Burwick und besteigen die Autofähre zurück nach John o'Groats. Leider war dieser Ausflug auf die vielseitigen Orkneys viel zu kurz. Man könnte hier problemlos einen gesamten Urlaub verbringen!


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Kommentare

  • Blula

    That's great, liebe Tamara ! *****
    Was für ein toller Bericht und zugleich herrlicher Bilderbogen. Wer sich vielleicht bisher noch nicht so für eine Reise nach Schottland begeistern konnte, der kommt hier wahrhaftig auf den Geschmack.
    Hier ist alles drin. Du machst die interessierten Leser bekannt mit den wunderbaren und stillen Landschaften Schottlands, den Seen.... . Mir war übrigens bisher nur Loch Ness bekannt, wußte gar nicht, dass es auch noch weitere reizvolle "Löcher" gibt. Und so viele schöne Burgen gibt es in Schottland? Ich bin begeistert, schon allein vom Anschauen Deiner ausgezeichneten Fotografien.
    Ja, und dann, ich fasse es nicht, hast Du Dich sogar zur Pilotin ausbilden lassen??!!! Ha, das war aber ganz schön mutig, Tamara. Diesen Flug wirst sicher Dein Leben lang nicht vergessen. Sehr erstaunt war ich ja auch, dass Du in Schottland sogar auf Kamele ( im Highland Wildlife Park ) gestoßen bist. Ja, und diese Fahrt mit dem historischen Jacobite Dampfzug hätte mir natürlich auch gefallen.
    Ein extra Highliht war natürlich die Hochzeit Eurer Freunde im Barcaldine Castle. Fein, dass Du uns diese ebenso stilechte wie feierliche Zeremonie hier auch etwas miterleben lässt.... samt "Highland-Fling". Da habe sogar ich gerade beinahe heimlich das Tanzbein geschwungen....
    Nun hätte ja Eure Reise beinahe noch ein nicht so gutes Ende genommen, wenn die Security am Flughafen "falsch" reagiert hätte. Was für ein herrlicher Epilog....
    Tamara, mein Kompliment zu diesem ganz hervorragenden Bericht, der heute auch völlig zu Recht auf die Startleiste gekommen ist.
    LG Ursula

  • bezi

    Hallo Tamara, mir hat es sehr, sehr gut gefallen, wie Du hier die Highlands und Lowlands von Schottland präsentiert hast. Ich war ja auch noch nie da, bekomme aber jetzt richtig Reiselust. Dein schöner und überaus informativer Bericht, der auch noch mit vielen persönlichen Erlebnissen gespickt ist, wäre eine gute Vorlage für einen Reisefilm über Schottland.
    LG Claudia

  • Hortensie7

    Traumahft - ich war im Juli 2012 dort auf (fast der gleichen) Rundreise... Allerdings nicht so privat, sondern mit einer Reisegruppe. War aber genauso traumhaft! Die blühenden Ginsterbüsche, Rhododendren und die vielen "Lochs". Sehr viel Arbeit steckt in deinem Bericht - well done!
    lg, Petra

  • Elaira

    Vielen lieben Dank für eure netten Kommentare und das Lob! Ich freue mich sehr darüber!
    @Ursula, danke! Ich muss gestehen, ich fand das Loch Ness sogar ziemlich langweilig. Da gibt es viel schönere Seen in Schottland.
    Einmal zu fliegen war wirklich ein geniales Erlebnis, welches ich sicher niemals vergessen werde. Aber etwas mulmig war mir schon zumute...
    Die Fahrt mit dem Dampfzug war auch etwas ganz Besonderes. Man tuckert nicht nur durch die Landschaft, sondern kommt auch mit den Mitreisenden schnell ins Gespräch.
    Die Hochzeit war natürlich das I-Tüpfelchen. Angeblich war unser Dudelsackspieler mit seinen 16 Jahren Schottlands jüngster Piper. Es war sehr stimmungsvoll.
    So ein Abenteuer am Flughafen haben wir wirklich noch nie erlebt. Wirklich alle waren alamiert und sind dann in schallendes Gelächter ausgebrochen. Vorallem haben wir diese Wasserspritzpistole in Wien am Flughafen gekauft...
    @Claudia: Vielen lieben Dank! Ich freue mich, dass ich deine Reiselust wecken konnte. Wir haben in diesen 3,5 Wochen so viel erlebt - es ist wirklich schade, dass wir keine Videokamera dabei hatten.
    @Petra: Herzlichen Dank! Oh ja, ich glaube, ich habe mehr als 3 Monate an dem Bericht gebastelt. Schottland mit seinen vielschichtigen Landschaften und der interessanten Geschichte ist einfach großartig. Ich habe mir zur Reiseplanung auch einige geführte Routen durchgelesen, vielleicht daher die Ähnlichkeit..
    LG Tamara

  • grenzenlos1

    Sehr schön, sehr interessant, prima!
    LG Wi grenzenlos

  • rosa10

    Liebe Elaira/Tamara,
    ein wunderbarer und liebevoller Bericht über Schottland - ein Land, in das wir uns auf den ersten Kilometern mit WoMo und Hund im September 2013 unsterblich verliebt haben.
    Ich glaube ja, wer es einmal erlebt hat, den lässt es nicht mehr los...
    Deine Berichte erinnerten uns an viele Orte, die wir in den (viel zu kurzen) gut zwei Wochen besucht haben.
    Neben den unschlagbaren Highlands haben uns es besonders die Inseln Skye und Lewis und Harris angetan.
    In knapp drei Monaten geht es wieder los, und das bestimmt nicht zum letzten Mal.
    Wir werden einige Deiner Stationen in unsere diesjährige Reise in den Nordwesten Schottlands mit einplanen.
    Schottland ist "Balsam für die Seele" - Vielen, Herzlichen Dank dafür!



  • Schriddels

    Schottland, ja da wollen wir auch noch mit unserem Wohnmobil hin. Durch den klasse Reisebericht ist uns das wieder zu Bewusstsein gekommen, ja da müssen wir hin.

    Liebe Grüße aus Salt Lake City Wolfgang Schriddels

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