Schottland - Highlands und Lowlands

Reisebericht

Schottland - Highlands und Lowlands

Reisebericht: Schottland - Highlands und Lowlands

Weiße Nebelschwaden ziehen über eine einsame Hügellandschaft. Die sattgrüne, wilde Szenerie wird hier und da von einem glasklaren See unterbrochen und endet unvermittelt an einer schroffen Steilküste. Vereinzelt trotzen Schafe dem oft schlechten Wetter, die wohl kaum wissen, dass sie auf geschichtsträchtigem Boden weiden, der eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat. Welcome to Scotland!

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Rogie Falls

Rogie Falls

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Nach diesem Spektakel der besonderen Art freuen wir uns wieder auf einen Spaziergang in der Natur. Die Rogie Falls des Blackwater Rivers zwischen Inverness und Ullapool liegen genau auf unserem Weg, sodass wir hier eine kleine Wanderung unternehmen können. Die Wasserfälle sind schon von weitem zu hören und zeigen sich auch bald darauf durch das Blattdickicht.
Direkt über dem Wasserlauf, der sich zwischen einer Felslandschaft durchzwängt, wurde eine Hängebrücke für schwindelfreie Besucher errichtet, die wir natürlich auch gleich ausprobieren, bevor wir den Weg zurück zum Auto einschlagen.



Rogie Falls



Loch Droma und Umgebung

Loch Droma

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Wir fahren langsam weiter Richtung Ullapool, natürlich nicht ohne einige Fotostopps. Einer der unzähligen kristallklaren Seen - das Loch Droma- wirkt schließlich so einladend auf uns, dass wir kurzerhand die Füße ins angenehm warme Moorwasser halten und durch den seichten Uferbereich stapfen. Die Kinder können sogar richtig baden gehen. Die Weite und Einsamkeit dieses Gebietes ist spektakulär! Der See mit seinen kleinen Inselchen ist komplett unverbaut und liegt inmitten einer wie verzaubert wirkenden Hügellandschaft. Die einzige Bewegung entsteht durch das Wollgras, dessen Schopf im Rhythmus des Windes flattert. Schweren Herzens müssen wir uns einige Zeit später wieder von unserem "Lieblingsloch" trennen, denn wir möchten als nächsten Tagespunkt die nahe gelegene Corrieshalloch Schlucht besuchen, bevor wir in Ullapool die Autofähre auf die Insel Lewis nehmen werden.



Wollgras



Corrieshalloch Schlucht

Corrieshalloch Schlucht

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Die Corrieshalloch Schlucht wird wie die Rogie Falls von einer Hängebrücke überspannt. Dieses Exemplar ist jedoch sichtlich älter, denn es stammt aus dem 19.Jh. Sorgen muss man sich trotzdem nicht machen, denn die viktorianische Konstruktion wirkt sehr stabil und wird laufend gewartet. Außerdem vergisst man bei dem Panorama einer über 60 Meter tiefen und 1,5 Kilometer langen Schlucht schnell das Rundherum. Der Blick richtet sich fast automatisch auf die beeindruckenden Falls of Measach Wasserfälle mit einer Fallhöhe von etwa 45 Metern. Tief beeindruckt von diesem Naturjuwel, welches am Ende der Eiszeit durch das Abschmelzen von Gletschern entstand, unternehmen wir eine kleine Rundwanderung.



Corrieshalloch Schlucht



Ullapool

Hafenzeile von Ullapool

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Einige Zeit später erreichen wir den Küstenort Ullapool. Er wurde 1788 als Fischerdorf gegründet und zählt in heutiger Zeit mit seinen 1500 Einwohnern zu den größten Ansiedlungen in den nördlichen Highlands. Das Zentrum -eigentlich eine Häuserzeile - befindet sich am Hafen, denn hier brechen die großen Autofähren der Firma Caledonian-MacBrayne auf zu der Hebrideninsel Lewis.



Hafen von Ullapool



Fährüberfahrt von Ullapool nach Lewis

Fährüberfahrt von Ullapool nach...

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Auch wir reihen uns mit unserem Mietauto in die beachtliche Warteschlange ein und haben sogar noch ein bisschen Zeit, um auszusteigen und Souvenirs zu besorgen. Endlich setzt sich die Kolonne in Bewegung und es kann losgehen. Die Überfahrt startet pünktlich um 18.15h und dauert etwa 3 Stunden. Das Schiff pflügt sich unermüdlich durch die Fluten, und die Abendsonne lässt das Meer golden glitzern. Was für eine tolle Fahrt!
Mit einiger Verspätung legen wir schließlich in Stornoway, der Hauptstadt von Lewis, an. Mit den schlafenden Kindern in den Armen begeben wir uns daher wieder ins Unterdeck zum Auto, als plötzlich eine aufgelöste Dame an uns vorbeiläuft und erklärt, wir können nicht gleich losfahren, denn sie parkt vor uns und findet ihren Autoschlüssel nicht. Schlussendlich dauert es ohnehin noch eine ganze Weile, bis die Schiffsklappe sich öffnet. Bis dahin hat sie auch ihren Schlüssel wieder gefunden und hält ihn triumphierend vor unsere Windschutzscheibe.
Glücklicherweise müssen wir nun nicht mehr lange fahren, denn unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte befindet sich direkt in Stornoway.



Fährüberfahrt von Ullapool nach Lewis



Insel Lewis

Lewis Landschaftseindrücke

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Für den nächsten Tag haben wir eine Rundfahrt geplant. Lewis ist der nördliche Teil der Doppelinsel Lewis-Harris und zählt zu den Äußeren Hebriden. Ihre Geschichte reicht weit zurück, denn sie ist bereits seit 8000 Jahren besiedelt. Zeugen der Vergangenheit sind über die ganze Insel verstreut. In heutiger Zeit leben hier etwa 19000 Menschen, hauptsächlich von Fischfang und Tourismus.
Die Landschaft von Lewis ist geprägt von kargen, verwitterten Hügeln und sumpfiger Torflandschaft. Dazwischen drängen sich kleine Seen und lange Sandstrände.



Whalebone Arch



Port Stoth

Lewis

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Zuerst machen wir uns auf, um den Norden der Insel zu erkunden. Die Straßen sind schmal und die Beschilderung dürftig. Nicht zum ersten Mal sind wir nun froh, die einzelnen Tagesetappen schon vor der Reise ins GPS eingespielt zu haben. Hinter einem runden Hügel erspähen wir plötzlich die Ecke eines wunderschönen Sandstrandes. Natürlich halten wir an, und die Kinder sind kaum aufzuhalten. Schnurstracks laufen sie bergab zum menschenleeren Meeresufer und finden sogar Sandspielzeug. Der Port Stoth wurde bis 1960 zur Versorgung des nahe gelegenen Leuchtturms regelmäßig von Frachtschiffen angelaufen



Port Stoth



Butt of Lewis

Einige Kurven später erreichen wir schließlich den Butt of Lewis, die Nordspitze von Lewis. Hier gibt es nichts mehr außer Wind, Wellen, spektakuläre Klippen und den bereits erwähnten Leuchtturm. Dieser wurde zwischen 1859 und 1862 errichtet. Seit 1998 wohnen hier aber keine Leuchtturmwärter mehr, und die Überwachung bzw. Steuerung erfolgt automatisch.



Butt of Lewis



Steinacleit

Unser nächster Stopp liegt an der Westküste von Lewis. Hier - auf einem Hügel über dem Loch an Duin - befindet sich ein mysteriöser Steinkreis aus prähistorischer Zeit. Die Bedeutung des Steinacleit ist umstritten und der wirkliche Zweck der Anlage wird wohl immer im Dunklen bleiben.
Einige Experten beschreiben die Formation als eine neolithische Grabstätte, andere denken an ein steinzeitliches Wohnhaus. Im Internet haben wir sogar gelesen, die Findlinge könnten ein einst wichtiges Schlachtfeld begrenzt haben. Auch heute artet der Besuch des Steinkreises für uns in einen richtigen Kampf aus, denn eine ganze Armee von Mitches taucht unvermittelt auf und hofft auf ein blutiges Festmahl.



Steinacleit



Arnol Museum

Arnol Blackhouse

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Schnell flüchten wir zurück ins Auto und fahren weiter zum Blackhouse in der Ortschaft Arnol.
Wie auf Skye kann auch hier ein Blick auf die harte und einfache schottische Vergangenheit geworfen werden. Im Inneren des Steinhauses ist es dunkel und rauchig. In der Feuerstelle brennen Torfziegel, einen Rauchabzug gibt es nicht. Dieses bemerkenswerte und nachdenklich stimmende Zeitzeugnis wurde sogar bis in die 1970er Jahre bewohnt.
Zum Museum gehört auch ein Cottage aus den 1920er Jahren - welch ein Unterschied!



Arnol Blackhouse



Dun Carloway Broch

Die monumentalen Reste des Dun Carloway Broch sind schon von weiter Ferne zu erkennen. Zwischen der Außen- und Innenmauer sind sogar noch Teile der Treppe erhalten. Forscher nehmen an, dass dieser Wohnturm einst 13 Meter hoch war und aus der Eisenzeit stammt. Angeblich war er bis ins 13 Jh bewohnt, bevor die Steine als Baumaterial für die umliegenden Häuser verwendet wurden.



Dun Carloway Broch



Standing Stones of Callanish

Die Hauptattraktion von Lewis sind zweifellos die geheimnisvollen Standing Stones of Callanish. Diese Formationen zählen zu den größten und ältesten von Großbritannien und wurden erst 1857 ausgegraben.
Die ersten Siedlungsspuren der Gegend stammen bereits aus der Jungsteinzeit, die Errichtung der Menhire erfolgte vermutlich jedoch erst später in mehreren Bauetappen.
Die größte der Steinanordnungen ist interessanterweise kreuzförmig und besteht aus über 50 Monolithen. Im Zentrum wurde in späterer Epoche eine Grabanlage eingebettet. Der Zweck der Anlage ist rätselhaft, diente sie als Kultstätte, Opferplatz oder Kalender? Wahrscheinlich wird sich jeder Besucher seine eigene Meinung bilden - jedenfalls ein beeindruckender, stimmungsvoller Ort, der zum Staunen und Besinnen verleitet.



Standing Stones of Callanish



Bostah Strand

Great Bernera

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Diesen abwechslungsreichen Tag mit seinen vielen Eindrücken lassen wir am weißen Sandstrand von Bostah ausklingen. Er befindet sich auf der kleinen Insel Great Bernera, die mit Lewis durch eine Brücke verbunden ist. Direkt hinter den Dünen wurde ein eisenzeitliches Haus rekonstruiert, das bei unserem Besuch aber leider geschlossen ist.



Brücke


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Kommentare

  • Blula

    That's great, liebe Tamara ! *****
    Was für ein toller Bericht und zugleich herrlicher Bilderbogen. Wer sich vielleicht bisher noch nicht so für eine Reise nach Schottland begeistern konnte, der kommt hier wahrhaftig auf den Geschmack.
    Hier ist alles drin. Du machst die interessierten Leser bekannt mit den wunderbaren und stillen Landschaften Schottlands, den Seen.... . Mir war übrigens bisher nur Loch Ness bekannt, wußte gar nicht, dass es auch noch weitere reizvolle "Löcher" gibt. Und so viele schöne Burgen gibt es in Schottland? Ich bin begeistert, schon allein vom Anschauen Deiner ausgezeichneten Fotografien.
    Ja, und dann, ich fasse es nicht, hast Du Dich sogar zur Pilotin ausbilden lassen??!!! Ha, das war aber ganz schön mutig, Tamara. Diesen Flug wirst sicher Dein Leben lang nicht vergessen. Sehr erstaunt war ich ja auch, dass Du in Schottland sogar auf Kamele ( im Highland Wildlife Park ) gestoßen bist. Ja, und diese Fahrt mit dem historischen Jacobite Dampfzug hätte mir natürlich auch gefallen.
    Ein extra Highliht war natürlich die Hochzeit Eurer Freunde im Barcaldine Castle. Fein, dass Du uns diese ebenso stilechte wie feierliche Zeremonie hier auch etwas miterleben lässt.... samt "Highland-Fling". Da habe sogar ich gerade beinahe heimlich das Tanzbein geschwungen....
    Nun hätte ja Eure Reise beinahe noch ein nicht so gutes Ende genommen, wenn die Security am Flughafen "falsch" reagiert hätte. Was für ein herrlicher Epilog....
    Tamara, mein Kompliment zu diesem ganz hervorragenden Bericht, der heute auch völlig zu Recht auf die Startleiste gekommen ist.
    LG Ursula

  • bezi

    Hallo Tamara, mir hat es sehr, sehr gut gefallen, wie Du hier die Highlands und Lowlands von Schottland präsentiert hast. Ich war ja auch noch nie da, bekomme aber jetzt richtig Reiselust. Dein schöner und überaus informativer Bericht, der auch noch mit vielen persönlichen Erlebnissen gespickt ist, wäre eine gute Vorlage für einen Reisefilm über Schottland.
    LG Claudia

  • Hortensie7

    Traumahft - ich war im Juli 2012 dort auf (fast der gleichen) Rundreise... Allerdings nicht so privat, sondern mit einer Reisegruppe. War aber genauso traumhaft! Die blühenden Ginsterbüsche, Rhododendren und die vielen "Lochs". Sehr viel Arbeit steckt in deinem Bericht - well done!
    lg, Petra

  • Elaira

    Vielen lieben Dank für eure netten Kommentare und das Lob! Ich freue mich sehr darüber!
    @Ursula, danke! Ich muss gestehen, ich fand das Loch Ness sogar ziemlich langweilig. Da gibt es viel schönere Seen in Schottland.
    Einmal zu fliegen war wirklich ein geniales Erlebnis, welches ich sicher niemals vergessen werde. Aber etwas mulmig war mir schon zumute...
    Die Fahrt mit dem Dampfzug war auch etwas ganz Besonderes. Man tuckert nicht nur durch die Landschaft, sondern kommt auch mit den Mitreisenden schnell ins Gespräch.
    Die Hochzeit war natürlich das I-Tüpfelchen. Angeblich war unser Dudelsackspieler mit seinen 16 Jahren Schottlands jüngster Piper. Es war sehr stimmungsvoll.
    So ein Abenteuer am Flughafen haben wir wirklich noch nie erlebt. Wirklich alle waren alamiert und sind dann in schallendes Gelächter ausgebrochen. Vorallem haben wir diese Wasserspritzpistole in Wien am Flughafen gekauft...
    @Claudia: Vielen lieben Dank! Ich freue mich, dass ich deine Reiselust wecken konnte. Wir haben in diesen 3,5 Wochen so viel erlebt - es ist wirklich schade, dass wir keine Videokamera dabei hatten.
    @Petra: Herzlichen Dank! Oh ja, ich glaube, ich habe mehr als 3 Monate an dem Bericht gebastelt. Schottland mit seinen vielschichtigen Landschaften und der interessanten Geschichte ist einfach großartig. Ich habe mir zur Reiseplanung auch einige geführte Routen durchgelesen, vielleicht daher die Ähnlichkeit..
    LG Tamara

  • grenzenlos1

    Sehr schön, sehr interessant, prima!
    LG Wi grenzenlos

  • rosa10

    Liebe Elaira/Tamara,
    ein wunderbarer und liebevoller Bericht über Schottland - ein Land, in das wir uns auf den ersten Kilometern mit WoMo und Hund im September 2013 unsterblich verliebt haben.
    Ich glaube ja, wer es einmal erlebt hat, den lässt es nicht mehr los...
    Deine Berichte erinnerten uns an viele Orte, die wir in den (viel zu kurzen) gut zwei Wochen besucht haben.
    Neben den unschlagbaren Highlands haben uns es besonders die Inseln Skye und Lewis und Harris angetan.
    In knapp drei Monaten geht es wieder los, und das bestimmt nicht zum letzten Mal.
    Wir werden einige Deiner Stationen in unsere diesjährige Reise in den Nordwesten Schottlands mit einplanen.
    Schottland ist "Balsam für die Seele" - Vielen, Herzlichen Dank dafür!



  • Schriddels

    Schottland, ja da wollen wir auch noch mit unserem Wohnmobil hin. Durch den klasse Reisebericht ist uns das wieder zu Bewusstsein gekommen, ja da müssen wir hin.

    Liebe Grüße aus Salt Lake City Wolfgang Schriddels

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