Zur Semana Santa in Sevilla - April 2009

Reisebericht

Zur Semana Santa in Sevilla - April 2009

Reisebericht: Zur Semana Santa in Sevilla - April 2009

Die Semana Santa, die Karwoche, in Sevilla zu erleben ist etwas Besonderes. Uralte religiöse Traditionen verschmelzen hier mit südländischer Lebensfreude zu einem Ereignis, an dem heute auch viele Gäste aus aller Welt fasziniert teilnehmen. Wir hatten im April 2009 die Gelegenheit zu einem Besuch in der andalusischen Metropole.

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07.04.2009

7. April 2009: Über Madrid nach Sevilla

Büßer mit stechendem Blick

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Der Frühling schleicht sehr zögerlich ins Land. Da trifft es sich bestens, dass wir schon vor Monaten einen fünftägigen Trip in die Frühlingssonne gebucht haben – am Dienstag der Karwoche starten wir morgens in Richtung Flughafen München. Wir checken ein und heben kurz nach zwölf Uhr mit einem Airbus 320 von „Iberia“ ab. Zweieinhalb Flugstunden später landen wir in Madrid, ehe es gegen 16 Uhr mit dem Anschlussflug in etwa einer Dreiviertelstunde weiter nach Sevilla geht, in die Metropole Andalusiens und viertgrößte Stadt des Landes.
War es in Madrid noch relativ kühl, so umfangen uns hier, nachdem wir das Flughafengebäude verlassen haben, strahlend blauer Himmel und angenehme Temperaturen. Von einem Taxi lassen wir uns in die Stadt bringen, werden dafür gleich mal 30 Euro los – der Fahrer erklärt uns mithilfe eines mitgeführten Flyers, dass aufgrund der „Semana Santa“ ein Zuschlag erhoben wird – und finden uns nach zügiger Fahrt vor einem riesigen, vornehm klassizistisch wirkenden Gebäude gleich gegenüber der Stadtmauer wieder: Wir sind an unserem Hotel „Tryp Macarena“ angekommen, einem wunderschönen, sehr stilvollen Vier-Sterne-Haus, in dem wir in Verbindung mit dem Flug ein überraschend günstiges Zimmer, wenngleich ohne Frühstück, bekommen haben. Wir freuen uns über die problemlose Anreise und ruhen erst einmal aus.
Am frühen Abend machen wir uns zu Fuß auf den Weg in die Altstadt: Die Karwoche steht in Sevilla ganz im Zeichen der unzähligen Prozessionen, die die zahlreichen Brüderschaften veranstalten. Sie beginnen an verschiedenen Plätzen in der Stadt, meist Pfarrkirchen, führen durch die dicht von Besuchern gesäumten Gassen und Straßen und enden schließlich in der Kathedrale. Ihre besondere Faszination gewinnen die Umzüge durch die prunkvollen „Pasos“, mehrere Meter lange altarartige, reich mit Figuren, Kerzen, Blumen und anderen Gegenständen geschmückte, von einer großen Anzahl von Männern getragene dreidimensionale Kulissen mit Bibelszenen und natürlich durch die „Nazarenos“, die mit in der Farbe ihrer jeweiligen Bruderschaft gehaltenen Kutten gewandeten und durch über den Kopf gezogene Spitzhauben unkenntlich gemachten Büßer. Auch wir können uns, einmal mittendrin im Gedränge der Zuschauer, der in der allmählich hereinbrechenden Dunkelheit besonders intensiv spürbaren Magie dieser auf das Mittelalter zurückgehenden Bußgänge nicht entziehen. Den stärksten Eindruck hinterlässt der große Platz vor der Kathedrale, der mit den mächtigen Mauern des gewaltigen Kirchenbaus wie die Kulisse für eine Romanverfilmung von Umberto Eco wirkt. Doch wer meint, die „Semana Santa“ sei eine todernste, ausschließlich auf archaischen Glaubensvorstellungen gründende Angelegenheit, wird den Tatsachen nicht gerecht: Am Straßenrand geht es locker und ausgelassen zu, es wird gelacht und gefeiert, die Menschenmassen drängen sich bald in diese, bald in jene Richtung, um möglichst viele der versetzt anrückenden Brüderschaften, deren genaue Route und Laufzeit Broschüren zu entnehmen sind, miterleben und über für uns „Outsider“ nicht nachvollziehbare Details diskutieren zu können. Auch in den Cafés und Bars herrscht Hochbetrieb; wir müssen suchen, um einen freien Tisch zu finden und in der milden Abendluft unser erstes spanisches Essen zu genießen. Mitternacht ist längst vorbei, als wir müde in unsere Hotelbetten fallen.


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Kommentare

  • desertflower

    Da kommen Erinnerungen an "unsere" Semana Santa in Granada auf! Das ist auch schon eine Weile her, abe res war ein unvergessliches Erlebnis.
    Einen schönen, lebhaften Bericht habt Ihr (oder hast Du) geschrieben!
    Liebe Grüße, Resi

  • Blula

    Vielen Dank für diesen überaus interessanten und lebendigen Bericht. Hier habe ich mich richtig mitgenommen gefühlt. Ich kenne das wunderschöne Sevilla, aber mal die Semana Santa dort zu erleben, das muss schon was Besonderes sein.
    LG Ursula

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