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Reisebericht: Teil I : Always one step ahead of the devil... Die Panamericana von San Fancisco bis Ushuaia
Eine Drehreise für die NDR Redaktion "Länder Menschen Abenteuer". Über 6 Monate fuhr ich mit meinem Team von San Francisco nach Ushuaia, an das Ende der befahrbaren Welt.
Von San Francisco zu den Tarahumara Indianern Mexikos
www.ndr.de/panamericana hier gibts mehr Infos über unsere Reise und alle Filme in der Mediathek!
California Dreaming… www.ndr.de/panamericana
Die Traumstadt am Meer ist unsere erste Station auf unserer Panamericana-Tour für den NDR. Wir drehen für die Reihe "Länder Menschen Abenteuer". (siehe link zu der Webseite)
Neben der Golden Gate Brücke sind die Seelöwen am Pier 39 die Touristenattraktion San Franciscos. Sie strecken ihre Hälse in die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen Kaliforniens – während wir ihnen morgens um halb sieben mit Kamera und Ton aufs Fell rücken. Seelöwen sind putzige, unterhaltsame Fischfresser – die allerdings unglaublich streng riechen. Malerisch kullern sie rund und fett auf den eigens für sie gebauten Decks am Pier 39 in San Francisco umher. Wir haben noch den Geruch vom frischem, amerikanischen Brühkaffee in der Nase - und dann das: eine Kombination aus Maggi und alter Fischsoße, forciert durch diverse laute Rülpser aus den müden, tiefen Kehlen. Wir drehen ihre vom Hafenmeister zwangsverabreichte, erfrischende Morgendusche - aus einem Feuerwehrschlauch - und machen uns danach auf den Weg nach Los Angeles.
Unser Team fährt bei Nacht auf der Route 101. Die „One O One“ ist ein großer, ein berühmter amerikanischer Highway, der schon viele unbegrenzte Träume geweckt haben soll, uns auf der Rückbank jedoch schnurstracks in den Schlaf befördert. Wir haben noch 28000 Kilometer vor uns.
Am nächsten Morgen sind wir in Los Angeles und machen uns auf die Suche nach Carlos. Carlos ist ein Lowrider, ein Chicano, ein böser Bube, ein Autonarr und ein Gangster. Carlos ist von untersetzter Statur, er hat vor lauter Muskeln und Fett keinen Hals und jeder Zentimeter seiner braunen Haut ist sorgfältig tätowiert. Sein Unterarm ist so dick wie mein Oberschenkel und darauf steht für immer zu lesen: „RollerZonly“ . Carlos ist Chef des exklusiven LowRider Clubs RollerZonly und er empfängt uns als seine Ehrengäste. Wir befinden uns in der miesesten Gegend von Los Angeles, in East L.A. unter der schützenden Hand der Gangster. Hier treiben Gangs ihr Unwesen und neuerdings auch ein NDR Team. Nachts drehen wir die Jungs beim Parade fahren. Wenn es dunkel wird präsentieren sie ihre heißen Chrom - Schlitten. Wir lernen: Lowrider fahren „slow and low“ und können mittels eingebauter Hydrauliksysteme ihre Karossen hüpfen lassen. Ungekrönter König ist der, der den Kühler seines 69iger Chevys mit Vollgas über den Asphalt schleifen lässt und dabei beeindruckende Funken sprüht. Danach wird selbstverständlich alles mit Freude wieder repariert. Eine weitere Spezialität: Sein Auto wie ein Hase um den Montebello Park hüpfen lassen, bis die Karre qualmt. Alles was Krach macht, knallt und hüpft, „rockt“. Der passende Soundtrack zu diesem nächtlichen Gangsterspektakel schallt aus sämtlichen, voll aufgedrehten Autoradios: Gangsterrap eben. Mittendrin wir vom NDR, staunen Bauklötze und entwickeln ein wachsendes Herz für Gangster. Wir sind inzwischen Kumpels und gelten als bekloppt, denn wir wollen bis an das Ende der Welt fahren. Das jagt den harten Jungs von East L.A. einen Schauer über den Rücken und verschafft uns ziemlichen Respekt.
Keine Zeit für lange Freundschaften – und das sollte bis zum Ende der Reise auch so bleiben – wir ziehen weiter Richtung Süden. Wir bekommen einen Vorgeschmack darauf, wie es ist zu viert, stundenlang in einem Auto zu sitzen. Ich höre Musik und schaue „Fenster TV“: Vorbei rauschen beeindruckende Wüsten, riesige Kakteen, kuriose Autos und düstere Raststätten. Es geht Richtung Mexiko.
Der gemeine US Amerikaner warnt uns eindringlich vor Mexiko, immer wieder heißt es, wir würden in unser Verderben fahren. Ich freue mich sehr auf mein Verderben, denn ich will raus aus den USA, weg von McDonalds, Wal-Mart und dem American Way of Life und endlich wieder was Leckeres essen.
Das Grenzkaff Nogales: Eine Hälfte gehört den USA, die andere Hälfte Mexiko – die Länder werden durch einen 3100 Kilometer, scharf bewachten Grenzzaun getrennt. In Nogales bringen sogenannte „Kojoten“ Illegale über die Grenze in die USA. Tesla , meine Regieassistentin und Übersetzerin und ich suchen einen solchen Schlepper und werden in einem Eckrestaurant auf der mexikanischen Seite fündig. Ein Ex-Schlepper arbeitet dort als Koch und ein weiterer arbeitet als Tellerwäscher. Wir verabreden uns mit Francisco, dem Tellerwäscher. Ein stummeliger Schneidezahn in seinem Mund zeugt noch von seiner Gang Vergangenheit. Die Goldkrone mit dem Bandenzeichen hat er sich entfernen lassen. Francisco ist inzwischen verheiratet, hat Kinder und mag sein Leben nicht mehr riskieren. Am Grenzzaun macht er uns vor laufender Kamera vor, wie man rüber klettert, was die Überwachungskameras über uns sorgfältig registrieren. Bevor jemand kommt, sind wir aber schon weiter – „Always one step ahead of the devil…“ ist unser Reisemotto.
Wir fahren durch das wunderschöne Mexiko und erleben nichts von dem, was man uns vorhergesagt hat. Die Menschen sind wunderbar, die Landschaft ein Traum und so gelangen wir gut gelaunt und neugierig in den für seinen Drogenanbau bekannten Copper Canyon, in die Kupferschlucht Mexikos. Wir sind auf der Suche nach den Tarahumara Indianern, den Fußläufern Mexikos. Dieser Volksstamm ist berühmt für seine mehrtägigen Marathonläufe auf Zehensandalen. Man sagt, das sie ihr Wild erlegen, in dem sie es zu Tode hetzen. Umso beeindruckender, wenn man diese Gebirgsformation namens Kupferschlucht vor sich sieht. Tarahumaras leben weitläufig verstreut in dieser Schlucht, allesamt ohne Handy und im wahrsten Sinne des Wortes schwer zu erreichen. Wir kämpfen uns mit unserem Hilux über regelrechte Hinkelsteine, Baumstämme und Geröll von einem Häuschen zum nächsten, auf der Suche nach einem solchen Marathon-Läufer. Nach zwei Tagen Suche finden wir Horacio. Er begrüßt uns mit zwei riesigen Baumstämmen auf der Schulter und ist mit seinem Brennholz auf dem Weg nach Hause. Er will zum großen Lauf, muss vorher aber noch seine junge Familie versorgen, denn er wird ein paar Tage weg sein. Horacio ist Anfang zwanzig. Auf die Frage , ob er für den anstehenden 180 Kilometerlauf trainieren würde, zuckt er die Schultern: Nee, er macht nur das was er immer macht. Ja, Turnschuhe wären toll, aber nicht zum Marathon laufen, da nimmt er lieber die Zehensandalen aus Autoreifen, die sind besser – und ja klar, er läuft in diesen Klamotten, er hat ja nichts anderes…
Wir werden auf unserer Panamericana noch viele weitere Gelegenheiten haben zu staunen, wir sind ja erst in Mexiko…
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