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Reisebericht: Mähnenrinder im Nebel - oder wie ich das Dartmoor kennen lernte
Bericht über den ersten Tag einer mehrwöchigen Wanderung durch den Dartmoor Nationalpark in Devon.
Von Ivybridge nach Holne
Ich steh’ im Nebel, in ziemlich dichtem Nebel sogar. Aber das ist ganz normal in dieser Gegend – sagte man mir. Ich bin allein unterwegs auf einer Wandertour von Ivybridge nach Holne quer durch das berüchtigte Dartmoor, ein Nationalpark im Süden der Britischen Insel.
Neben mir taucht schemenhaft der dunkle Körper eines großen Tieres auf, der Kopf ist tief im herbstlich braunen Farn versenkt. Mir schießt sofort das Bild vom „Hound of Baskerville“ in den Kopf, aber dieses Riesenvieh ist ganz friedlich. Es frisst. Wohl ein Rind. Die dürfen hier frei weiden. Hab’ ich gelesen. Ich will gerade meinen Gang beschleunigen, denn Kühe oder gar Bullen sind mir unheimlich solange mich kein schützender Zaun von ihnen trennt, da hebt das Tier seinen Kopf und schaut mich kauend an:
Ein "Mähnenrind" oder besser Dartmoor-Pony! Dahinter gleich noch eins. So schnell und so nah hatte ich nicht mit ihnen gerechnet. Etwa 3000 Dartmoor-Ponys gibt es, Nachfahren der in der Eisenzeit domestizierten Kleinpferde. Sie streunen frei im Moor umher; es sind jedoch keine richtigen Wildpferde sondern gehören Bauern. Ich bin entzückt. Schnurstracks marschiere ich mit schussbereiter Kamera in den dichten Farn hinein um ein paar Portraitaufnahmen zu machen. Die Ponys bewegen sich natürlich; ich hinterher.
Als ich nach diesem ersten Adrenalinschub wieder zur Besinnung komme, habe ich zwar meine Fotos im Kasten stehe aber mitten im dicht bewachsenen Farnfeld im Nebel. Rings um mich herum sieht alles gleich aus. Meinen Weg sehe ich nicht mehr, ich habe nur noch eine vage Ahnung in welcher Richtung er sein sollte. Well done, Astrid! Genau das wollte ich vermeiden! Jetzt kommt mein nagelneues GPS das erste Mal zum Einsatz: Auf dem Display sehe ich woher ich gestiefelt bin und wo meine eigentliche Route verläuft. Sicher geleitet mich der GPS-Pfeil auf meinen Wanderweg zurück. Großartig!
Von nun an gelobe ich auf meinem Weg zu bleiben und laufe gemütlich vor mich hin trällernd auf der breiten ehemaligen Bahntrasse weiter. Im Dartmoor wurde vor fast 200 Jahren Granit in hohem Maße abgebaut, der mittels Eisenbahn zum nächsten Gewässer transportiert wurde; viele historische Gebäude und Brücken in London wurden aus Dartmoor-Granit erbaut. Die meisten Schienen sind heute abgebaut; einige Trassen wurden zu Wander- und Radwegen umfunktioniert. Es gibt nur noch ein paar kleine Stücke aktive Bahntrasse entlang des River Dart und bei Okehampton auf denen Dampfzüge für Touristen fahren.
Der Nebel hebt sich, der Himmel ist plötzlich strahlend blau, doch der kräftige Wind schiebt immer wieder dicke, aber hohe Wolken über die Hügel. Die Landschaft ist hügelig, mit Gras, Farn, Ginster und Heide bewachsen. Vereinzelt steht ein verkrüppelter Baum. Viel höher als einen halben Meter werden die Gewächse im hohen Moor nicht. Nicht mehr. Zur Bronzezeit waren diese Hügel noch bewaltet, dann kam der Mensch und holzte alles ab um zunächst Ackerbau zu betreiben. Später kamen Viehwirtschaft und Bergbau hinzu.
Dann sehe ich den ersten Tor. Das sind Granitfelsen die diese ruhige, gleichförmig hügelige Landschaft unterbrechen. Hier, am Hangershell Rock, treffe ich Tony und Claire, ein Ehepaar aus London. Sie sind jedes Jahr auf Kurzurlaub im Dartmoor und genauso wie ich mit GPS und Wanderkarte ausgestattet. „Ohne GPS oder Kompass sollte man auf keinen Fall durch das Dartmoor wandern“, erklärt Tony. Aus Erfahrung weiß er, dass man in Sekundenschnelle von einer dichten Nebelwolke umschlungen sein kann, die keinerlei Orientierung mehr zulässt. Noch dazu sind die Wege im Nationalpark nicht markiert und Wegweiser gibt es selten.
Diese Erfahrung mache ich gleich zu Anfang meiner Tour: Mein breiter Wanderweg teilt sich plötzlich fingerförmig in fünf Wege die in drei Richtungen entschwinden – in meiner Wanderkarte sind aber nur zwei Pfade verzeichnet!
Es gibt zahlreiche Wege quer durch das Moor – sie werden von Schafen, Rindern, Ponys und manche auch von Menschen benutzt und davon sind einige in den Ordnance Survey Karten verzeichnete Wanderwege. Man muss nur wissen welche.
Manchmal trifft der Wanderer auf ein Schild mit dem Hinweis Footpath – immerhin etwas, aber wohin dieser Pfad führt, wird in den seltensten Fällen erwähnt. Bevor ich meine Reise antrat hatte ich die einzelnen Etappen meiner dreiwöchigen Wandertour am heimischen Computer geplant und als Routen auf das Hand-GPS exportiert. Nun laufe ich diese Routen ab und sehe schon nach wenigen Metern, wenn ich mich für den falschen der möglichen Wege entschieden habe.
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gefiel mir mit Dir zu wandern :-)))) Danke LG Christel
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Sehr schöner Wander - Reisebericht! Es gefällt mir, dass Du in einer auf den ersten Blick eintönigen Landschaft so viel Schönes erlebt hast und uns daran teilnehmen lässt. Ich bin überzeugt, dass langsam Reisen sehr viel mehr Eindrücke hinterlässt als eine "schnelle Tour" , wo vieles an der Oberfläche bleiben muss. LG: Ursula
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schööön, mit Dir auf Wandertour zu gehen.
Nur eine Frage: hat das Dartmoor Prison etwas mit diesem Dartmoor zu tun? (Du merkst, hier kommt die Krimis lesende Juristin raus...;-) ) -
@ Zypresse: Und ob: Auf meinen bisher fünf Reisen durch Devon nach Cornwall habe ich regelmäßig eine Rast in einem Pub oberhalb und in Sichtweite des berühmten und einst berüchtigten Gefängnisses eingelegt. Im Sommer schaut man über niedrige Stachelbüsche und zottige, frei lebende Perde zu den grauen Mauern ins Tal hinab. Im Winterhalbjahr bevorugt man das das Gespräch ohne Touristen im Pub. Später dann, auf dem Weg nach St.Ives oder Pencance grüßen die Reste früherer "Tin-Mines", wie von @astrid beschrieben. Ohne GPS zu Fuß, aber mit Karte im Cabrio, habe ich oft und gern eine Pause in benachbarten stillen Dörfern mit strohgedeckten Häusern eingelegt. Dort erfuhr ich auch, weshalb manche Brücken im Darmoor aus schmiedeeisernen Rillen bestehen: Paar- und Mehrhufer gehen darüber nicht freiwillig hinüber. Deshalb kann/konnte man getrost auf Zäune verzichten
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@ 238EWT: Danke für die Erklärung und weiter Info!
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... frei nach Annette von Droste-Hülshoff:
O schaurig ist's übers Moor zu geh'n,
doch mit GPS kann nix gescheh'n! :-)))
Liebe Astrid, Danke für den wunderbaren Bericht mit dern fantastischen Fotos; da werden auch bei mir Erinnerungen wach ...
LG Beate -
... Dein Nebelerlebnis erinnern mich an eine ähnliche Situation auf der Insel Skye, ich hatte wohl das erste Mal Angst in meinem Leben .... mit Deinem Bericht wandert man geistig mit --- super ..... Gruss Inge
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Ein ganz wunderbarer Bericht mit erstklassigen Fotografien umrahmt. Ein Fleckchen Erde, das ich noch nie bereist habe und gerade deshalb habe ich diesen Bericht mit besonders großem Interesse gelesen.
Viele Grüße Ursula -
@ mamatembo: Nun ist schon Mitternacht vorbei, Dein Zweizeiler ist gut, aber der GPS-Akku leer. Was darf ich Dir bei Dunkelheit in einem britischen Moor ohne Laterne anbieten, um nicht im Sumpf zu versinken? Weitergehen durch dorniges Gestrüpp. Denn "Moor" (auf englisch) hätte auch Annnette von Droste-Hülshoff zu Lebzeiten trockenen Fußes über die Hügel Dartmoors und Schottlands in die nächste beleuchtete Herberge geführt. Oder wolltest Du mich, liebe weitgereiste und bestens informierte Beate, an der Nase herum führen?
GLG Eberhard
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@Eberhard: touché! :-)))
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Dein wunderbarer Wanderreisebericht hat auch bei mir einige, fast vergessene Erinnerungen geweckt. Das Dartmoor ist wohl gerade wegen seiner Kargheit eine faszinierende Landschaft.
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Astrid,
ich schließe mich dem Kommentar von Ursula an. Danke!
LG Sabine -
...zu sagen bleibt da nicht mehr viel; es ist schon fast alles gesagt worden. Kurz und gut ein toller Bericht, ich möchte am liebsten sofort loswandern ! LG Dani
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Wunderbar! Gut geschrieben, tolle Bilder, die die Dartmoor-Atmosphäre schön wiedergeben. Und Erinnerungen wecken an meinen Aufenthalt dort. Als Jugendliche war ich mal zum Reiten dort, wir haben gecampt und beim Zähneputzen bin ich in einen der zahlreichen Bäche gefallen - dazu braucht es also noch nicht mal eine clapper bridge!
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Dieser Reisebericht ist sehr schön geschrieben und mit tollen Bildern versehen!
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Liebe Astrid,
wieder einmal sehr gut beschrieben, macht einfach Lust auf diese einsame Gegend mit diesen interessanten Aufnahmen. die mir diese eintönige Landschaft näher bringen. Überrascht bin ich darüber, wie viel interessantes Du uns da mitgebracht hast. Intensives Reisen macht sich da schon bezahlt :-)
Liebe Grüße von Gerd
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Hallo Astrid,
nach Deinem Bericht kann man wirklich genau vorstellen, was einen von einer solchen Wanderung erwartet - sehr hilfreich und interessant. Was die Beschilderung der Wanderwege in Großbritannin betrifft, kann ich Dir nur voll und ganz beipflichten. Wir wollten bei unserer GB-Reise 2003 den höchsten Berg Englands, den Mt. Snowdon besteigen, haben aber einfach den richtigen Weg nicht gefunden - beim höchsten Berg Großbritanniens, dem Ben Nevis, hatten wir dann mehr Glück.
Neben Deinem Bericht haben mir natürlich auch die Bilder besonders gut gefallen.
lg Wilfried -
Ja, ich hätte nie gedacht, dass mich ein technisches Gerät so begeistern könnte, aber ohne "den Kleinen" wäre ich etliche Kilometer mehr gelaufen. Trotzdem: ohne meine Papierkarte gehe ich nicht, da sie mir immer den großen Überblick schafft. Der Snowdon steht auch noch auf meiner Liste :-))
LG Astrid -
Liebe Astrid, ich war vor langer Zeit mehrfach dort...es ist mir, als ob ich just in diesem Augenblick des Lesens das Fell der Ponies und den Nebel in meinen Haaren spüre...Seufz...wie schöööön....Danke. LG Petra
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