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Reisebericht: Kurzreise durch die Wachau
Impressionen von Dürrnstein, Krems, Stift Göttweig, Weißenkirchen und dem Stift Melk
W A C H A U
Gemächlich, so scheint es, fließt die Donau, die eine ganze Anzahl europäischer Länder verbindet, vorüber, während wir uns der Wachau dort nähern, wo das mittelalterliche Dürrnstein das nördliche Ufer säumt. Eines der Hotelschiffe, die den multikulturellen rein touristischen Zwecken wegen befahren, kommt uns entgegen.
Die Feste Dürrnstein überwacht den Fluss seit dem Jahr 1140 unserer Zeit mit ihren auch heutzutage noch unbezwingbar anmutenden Mauerzacken, obwohl ihre Besteigung jetzt nur noch rein sportlichen Ehrungen zu Gute kommt.
1192 diente ihr Verlies für den legendären englischen Herrscher Richard Löwenherz als unfreiwilliger Aufenthaltsort. Inhaftiert hatten ihn die Schergen des Babenberger-Fürsten Leopold in der Folge einer Fehde während eines gemeinsamen Kreuzzuges in das Heilige Land.
Vom Donauufer aus erwandern wir uns die Ortschaft Dürrnstein, die sich auch unterhalb der Burg ihr historisches Antlitz erhalten hat. Schier undurchdringliche Mauern, hineingebaut in die Felsen des Flusstales beschreiben Dürrnstein als prägnante Residenz mittelalterlicher Feudalherren, die immer darauf gefasst sein mussten, verteidigungsbereit zu sein.
Oberhalb des Felsen verharrt das ehemalige Chorherrenstift mit seiner markanten barocken Kirche, deren anmutiger Turm den Beinamen „Fingerzeig Gottes“ trägt.
Durch einen dunklen Tunnel, in dessen mystisch verklärter Atmosphäre man glaubt, den Schergen des Babenberger Herzogs ausgeliefert zu sein, die gerade Richard Löwenherz bezwungen haben, erklettern wir uns den exponiert die Donau überblickenden Ortskern.
Das ehemalige Chorherrenstift gilt als Prunkstück der winzigen Stadt. 1410 errichteten es die hier herrschenden Kuenringer als gotisches Kloster mit Arkadengängen im Stil der Zeit
Hieronymus Übelbacher, Probst und gleichzeitig ein Selfmademan während der Blütezeit absolutistischer Machtausübung a la Ludwig dem 14. beauftragte 300 Jahre später die damaligen Stararchitekten Jakob Prandtauer, Joseph Munggenast und Matthias Steinl, die gotische Bausubstanz zu einem Barockpalais umzugestalten und so verwandelten sie den Stiftshof in aufwendiger Form a la mode.
Die Rückbesinnung der Gegenwart auf die Pflege der historischen Erinnerungen sorgte in den 90iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts für eine gründliche Renovierung der barocken Pracht und so erlebt das einstmals mächtige Chorherrenstift seine weitgehend profane Renaissance als Besichtigungsobjekt für den immer zahlreicheren Kulturtourismus auf der Suche nach den Werten der Geschichte.
Hell und geräumig, versehen mit weißen Stuckreliefs und vergoldetem Schnitzwerk empfängt die Stiftskirche Gläubige und Kunstinteressierte. Empfindsame Renovierungsmaßnahmen der Gegenwart unterstreichen mit ihrer Interpretation das dem Schönen und dem Feinen frönende Dasein des Hieronymus Übelbacher, der einst Dürnstein zu seinem persönlichen Versailles erkoren hatte und seine all zu weltlichen Gedanken mit frommer Kunstentfaltung zu verkleiden wusste.
Von der Terrasse des Chorherrenstifts, das in seiner Gesamtheit sich heutzutage als internationale Begegnungsstätte von Kunst und Kultur sieht, schweift der Blick weit über reich verzierte Obelisken mit goldenen Kügelchen, Putten und Figuren auf den Verlauf der Donau, die an dieser Stelle eines ihrer romantischen Täler bildet. Die von Felsen gesäumte Flusslandschaft mit ihren über mittelalterliche Baustrukturen verfügenden Ortschaften verschaffte der Wachau einen Listenplatz als Kulturerbe der Menschheit durch die UNESCO.
Jeder vom Tourismus partizipierende Ort braucht seinen Helden. Dürrnstein verehrt den Minnesänger Blondel, der – glaubt man den Legenden des Mittelalters – mit seinem Gesang Kontakt zum vermissten Richard Löwenherz aufnahm, der ihm aus den Tiefen des Verlieses, in dem er schmachtete, antwortete.
Und so trägt seinen Namen auch 800 Jahre nach seiner Zeit noch ein einladender Gasthof in den beschaulich herausgeputzten Gassen des Ortes, durch den an den Wochenenden hauptsächlich Tagesgäste aus dem nahen Wien schlendern und für Stunden die ständigen rund 900 Bewohner entsprechend aufstocken.
Bürgerhäuser aus dem 16. Jahrhundert prägen das winzige Dürrnstein. Reiche Einnahmen aus dem Fremdenverkehr haben dafür gesorgt, dass dieses Städtchen, das urkundlich bereits im Jahr 860 unserer Zeit erstmals erwähnt wurde, einem mittelalterlichen allerdings bewohnten Freilichtmuseum gleich, die alten Zeiten perfekt zu inszenieren vermag.
Allen Überfällen marodierenden Eroberer und den immer wieder aufflammenden Stadtbränden zum Trotz erhalten, hat sich auch das spätgotische Rathaus aus dem Jahr 1547, in dem nach wie vor die um einige Eingemeindungen vergrößerte Ministadt verwaltet wird.
Von hieraus folgen wir der Hauptstraße von Dürrnstein hinaus aus dem Ort zu dessen Rand, wo das im Jahr 1630 im Stil des Spätrenaissance errichtete Schloss Dürrnstein heutzutage ein Luxushotel beherbergt. Immer wieder dienen Gebäude und malerische Terrasse mit Donaublick als Filmkulisse.
Von hieraus wandern wir zurück zu unserem Gartenhotel, das zu einem Weingut gehört und dessen nur ein ganz wenig billigere feine Zimmer das Hochpreisniveau im Reich von Deutschlands kleinem Bruder überhaupt nicht ad absurdum stellen.
Krems
Als Münzstätte ihrer Ostmark gründeten die Babenberger im Jahr 1120 Krems, das zusammen mit seinem im Westen eingemeindeten Teil Stein als eine der schönsten Städte Österreichs gilt.
Düster, grau und abweisend und gänzlich unbelebt empfangen uns die lückenlos aneinander gebauten Häuserzeilen von Stein. Nur die erhaltene Bausubstanz der Häuser scheint daran zu erinnern, dass die Bürger von Stein sich seit dem 12. Jahrhundert aufgrund ihres Handels mit Eisen, Wein, Salz und Getreide eines mehr als auskömmlichen Daseins zu erfreuen vermochten.
Die Herbsttristesse von Stein hinter uns lassend erreichen wir nur wenige Hundert Meter weiter das Steiner Tor von Krems, das Friedrich der 3. 1480 als eines von insgesamt vier Toren errichten ließ. Der barocke Turmbau in seiner Mitte wurde 1754 hinzugefügt.
Durch die hinter dem Tor beginnende Obere Landstraße, die zur Fußgängerzone ausgebaut wurde, schlendert der Besucher mitten hinein in die weitgehend erhaltene Altstadt von Krems, die Jahrhunderte lang von ihrer Lage am Donauufer profitierte. So lange, bis im Zuge des Industriezeitalters die Eisenbahn und das Auto das Schiff als Transportmittel ablösten. Die Doppelstadt Krems und Stein verarmte.
Für neuzeitliche Bauten blieb kein Geld und so erhielten sich nicht nur die Kirchen, sondern auch all die Häuser, die hier seit dem Spätmittelalter verharrten mit all ihren Erinnerungen an Gotik und Renaissance. Geldnot zur rechten Zeit verhinderte ihren Abriss, verhalf ganz unbeabsichtigt der ehrwürdigen Doppelstadt dazu, in einer anderen Zeit als Zentrum von Kunst und Kultur neuen Glanz zu erleben.
Dort wo das Rathaus der Stadt die Obere Landstraße begrenzt, erreichen wir den Pfarrplatz mit der Pfarrkirche St. Veit, die als eine der frühesten Barockkirchen nördlich der Alpen 1630 nach Plänen des Italieners Cipriano Biasino entstand.
Nach Norden begrenzt den Pfarrplatz die überdachte Piaristen-Stiege, die sich von malerisch verschachtelten Bürgerhäusern aus dem Mittelalter umgibt.
Darüber wacht die Piaristen-Kirche mit ihrem markanten Turm.
Trotz in späterer Zeit vorgenommener barocker Veränderungen vermittelt das Innere der Piaristen-Kirche mit seinen gotischen Bündelpfeilern, dem schönen Netz- und Sternrippengewölbe und den großen Maßwerkfenstern noch den Einfluss der Wiener Dombauhütte, durch die das spätgotische Bauwerk 1475 konzipiert wurde.
Bemerkenswert sind die außen um den Chor angelegten Kreuzweg-Stationen mit ihren lebensgroßen Figuren, die sicher ungewollt den Besucher ein wenig an die fantasievoll verspielten buddhistischen Tempelanlagen in Südostasien erinnern, wenngleich Gesichtszügen und Körperhaltungen der Plastiken jeglicher Lebensfrohsinn abhold zu sein scheint.
Noch weiter bergauf geht es zum Hohen Markt. Unseren Spaziergang begleiten die Fassaden herrlicher Renaissance-Gebäude, von denen die des Sgraffito-Hauses den imposantesten Blick bietet.
Teil des komplexen Baus der Gozzo-Burg ist eine Loggia mit gotischen Spitzbögen. Gozzo war ein reicher Bürger, der sich hier im Jahr 1260 ein Stadtpalais auf einem Teil der Grundmauern der früheren Burg der Babenberger errichten ließ und damit bis in unsere Tage einen der imposantesten und wichtigsten Profanbauten aus dem Spätmittelalter hinterlassen hat.
Bei dem dunkelrosa verputzten Gebäude daneben handelt es sich um die durch Um- und Ausbauten stark veränderte Babelsberger-Burg selbst. Ihre Ursprünge gehen auf das 11. Jahrhundert zurück.
Am Dreifaltigkeitsplatz steht der Goldene Hirsch, das 1556 urkundlich erwähnte älteste Gasthaus der Stadt.
Die Mitte des Platzes prägt die Dreifaltigkeitssäule mit einer Marienstatue umgeben vom Stadtpatron, des heiligen Veit, vom Heiligen Nepomuk, des Patrons gegen die Gefahren des Wassers und vom heiligen Karl Borromäus, der die Pest gebannt haben soll.
1738 ließen die Bürger der Stadt das Denkmal errichten als Dank für Schutz in der Vergangenheit und als Fürbitte für die Zukunft, auf dass Krems erhalten bleibe. Dank und Flehen brachten Gnade. Krems blieb wie es war.
Leider geschlossen sind die Ausgrabungen des römischen Kastells Favianis aus dem vierten neuzeitlichen Jahrhundert, das am Ort eines 200 Jahre älteren Militärlagers direkt gegenüber von Stein am anderen Donauufer errichtet wurde. Und so beschränken sich unsere Eindrücke nur auf einen kleinen Teil der erhaltenen Mauern des Bollwerkes, das dazu diente, die seinerzeit immer gewaltsamer einfallenden Germanen zurückzudrängen.
In Favianis starb im Jahr 482 der römische Seher Severin, der Tag und Stunde germanischer Angriffe prophezeit haben soll und als geschickter Vermittler zwischen dem untergehenden römischen Reich und den nach Macht strebenden Einheimischen wirkte.
Kloster Göttweig
Wenige Kilometer vom südlichen Donauufer entfernt, blicken wir auf den Bergkegel, den die auch von weitem imponierende gewaltige Klosteranlage Göttweig krönt. Seit rund 1000 Jahren siedelten hier fromme Mönche.
Von Anbeginn an verbreiteten sie nicht nur das Wort Gottes. Sie widmeten sich vielmehr auch Bildung, Kunst und Wissenschaft. Und so zeichnete sich ihre Niederlassung in allen Zeiten auch als Hort von Gastlichkeit, als Verbindung des Katholizismus mit der Welt außerhalb der Klostermauern aus.
Als Gegenwert für einen kleinen Obolus von sieben Euro ist jeder, der nach dem kurzen Anstieg durch dichten Wald den Eingang des Stiftes erreicht, willkommen in Göttweig um für ein paar Stunden die – so scheint es – feudalistisch geprägte Gegenwart eines namhaften Benediktiner-Klosters zu erleben.
Von der weitläufigen Terrasse des Stifts blicken wir weit in die von der Donau geprägte Landschaft der Wachau mit ihren begrünten sanften Hügeln. Nicht immer schützte die exponierte Lage das Kloster vor Unheil. Und so erlebte Göttweig im Verlauf seiner langen Geschichte auch immer wieder Niedergang und Verderben.
Dem Beispiel der Apostel, der Vita Communis, dem gemeinsamen Leben nach, eiferten die Mönche um Bischof Altman, der ab dem Jahr 1065, versehen mit der Gönnerschaft des herrschenden Babenberger-Geschlechtes, von hieraus Seelsorge von der Isar bis zur Leitha organisierte und in Göttweig ein erstes Gästehaus eröffnete.
Nicht erhalten blieb die ursprüngliche Klosteranlage und so präsentiert sich die weitläufige Anlage von Göttweig vornehmlich im Kleid des Barocks, wie der große Stiftshof eindrucksvoll vermittelt.
Nicht immer leicht war das Dasein der Benediktiner. Lokale Katastrophen und Nöte, Kriege, Epidemien, Brände und Verschuldungen und die politischen Vorgaben der Zeit prägten die religiöse Lebenswelt der Brüder von Göttweig, nachdem das der Huldigung des Frommen zugewandte Mittelalter vergangen war.
Tiefpunkte im Dasein der Benediktiner verursachten die lutherische Reformation, die Belagerung durch die islamischen Türken und die Säkularisierung klösterlicher Einrichtungen unter napoleonischer Herrschaft im frühen 19. Jahrhundert, die Kirchen als Waffenarsenale und Schweineställe zu nutzen pflegte.
Unter Abt Altman Arigler stabilisierte sich in der Zeit von 1812 bis 1846 der Haushalt des Klosters. Der Abt, der den Namen des Klostergründers trug, verstand es, die Dogmen der katholischen Kirche mit den Erfordernissen dessen, was wir als Management bezeichnen zu vereinen. Er sorgte dafür, dass Göttweig sich einen Namen als Förderungsstätte für Naturwissenschaften einen Namen machte.
Der uralte christliche Grundsatz von ora et labora – beten und arbeiten – überwand schließlich den erneuten Niedergang des Klosters während der harten Zeit der NS-Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges, indem es sich auch in unseren Tagen den Zeichen der Zeit stellt. Aufwendig renoviert haben die Fratres ihren Gebäudekomplex und ihre Stiftskirche. Ausdrücklich willkommen sind diejenigen, die nur kommen, um sakrale Kunst zu bestaunen und dafür zu zahlen und dafür, dass der Plan aufgeht, sorgen moderne Bewirtschaftungspläne.
Und so bildet das hervorragend restaurierte barocke Innere der Stiftskirche den Höhepunkt des florierenden Stiftes Göttweig gleichzeitig als Tempel für den Christengott wie als Museum barocker Sakralkunst für den kulturhistorisch interessierten Touristen.
Unter der mit gerade ausschweifender Kunst geschmückten Kirche ruht die Tonnen gewölbte gotische Tauf- und Beichtkapelle in mystischer Verklärtheit, ganz so als tobe sich über ihr nicht der schnelllebige Geist des dritten Jahrtausends christlicher Zeitrechnung aus.
Ein Kind, geboren rund 1000 Jahre nach der Gründung des Stiftes Göttweig empfängt gerade die Segnung der katholischen Kirche, die ihm ein ewiges Leben nach seinem Dasein auf Erden zusichern soll.
Vom Eingang der Krypta aus verfolge ich die feierliche Zeremonie, wünsche ich dem winzigen Wesen die Erfüllung dessen, was die wieder einmal in Gefahr befindlichen Strukturen des Katholizismus ihm angedeihen wollen.
Eine gut zu befahrende Straße folgt in Ufernähe dem Verlauf des großen europäischen Stromes durch die Wachau. Hügellandschaften begrenzen entlang des Nordufers das Flusstal. In kurzen Abständen reihen sich kleine Ortschaften mit ihren alte Zeiten replizierenden Bürgerhäusern und Kirchen aneinander. Immer wieder überblicken mehr oder weniger gut erhaltene Burgen die Szenerie.
An der Donau errichteten die Römer ihren Limes. Die Hunnen nutzten das bequeme Tal für ihre Eroberungszüge. Bajuwaren und Slawen, die Franken Karls des Großen gründeten Ortschaften. Die Babenberger und die Kuenringer bauten im Hochmittelalter ihre Burgen. Dort, wo sie auf den Kuppen der Hügel den Fluss überwachten, ließen sich wohlhabende Bürger nieder, um Landwirtschaft und Handel zu betreiben. So manches, was sie aufbauten, hat mehr oder weniger unversehrt, die Jahrhunderte überdauert.
Wir besuchen das im jungen 21. Jahrhundert sich ganz dem Weinbau hingebende Weißenkirchen, das ehemalige Zentrum der Wachau, das 1459 zum Markt erhoben wurde.
Wehrhaft erheben sich die alten Mauern oberhalb des Donauufers. Entstanden ist das trutzige Ambiente in der Mitte des 16. Jahrhunderts, als die Türken den Bosporus verließen, um Europa der Allmacht Allahs hinzuzufügen.
Eine überdachte Holztreppe führt hinauf zur bastionsartig erbauten Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, die als Bollwerk des Christentums den Rittern Allahs den Zugang verweigern sollte.
Die für die Ewigkeit erbauten Mauern der Kirche haben sich als treffend konzipiert erwiesen. Immer noch schützen sie das Gotteshaus mit seinem wuchtigen quadratischen Turm vor gewaltsamen Eindringlingen mit der bewährten Bautechnik längst vergangener Zeiten. Indes nicht in der Lage sind sie, das Christentum vor dem Verlust des Glaubens zu schützen, der sich in Europa mit Vehemenz verbreitet.
Von der Pfarrkirche aus wandern wir auf einem schmalen Weg oberhalb der Dächer des Dorfes, das seiner Wehrhaftigkeit wegen die Wirren der Zeiten weitgehend makellos überstanden hat und für die Eindringlinge von heute, die kommen, um Nostalgie zu schöpfen, wohl präpariert hat.
Auf sie wartet unten im ort einer der schönsten Profanbauten der Wachau, der Teisenhofer Hof. Leider geschlossen ist das darin befindliche Wachau-Museum. Und so können wir nur von außen einen Blick auf den geräumigen Zinnen bewehrten Innenhof werfen. Heinrich Teisenhof, ein reicher Winzer errichtete das imposante Bauwerk im 16. jahrhundert.
Vom Ortsausgang geht es hinein in die Weinberge. Auch heutzutage bedeutet der Weinanbau die Haupteinnahme-Quelle der Bürger von Weißenkirchen. Dank der Kultivierung der Traube, deren Verarbeitung zu Wein bereits den Römern bekannt war, genießen die Bauern der Wachau ihren Wohlstand, um das was ihre Ahnen an Werten zu schaffen in der Lage war, zu erhalten.
Der Herbst verwandelt am Morgen mit hartnäckigen Nebelschwaden die Landschaft entlang der Donau in eine wie in Watte gewickelte geheimnisvoll anmutende Szenerie. Wir befinden uns auf dem Weg zur zweiten Klosteranlage der Wachau, dem gewaltigen Stift von Melk und hoffen inständig, dass die Strahlen der Sonne es schaffen, die hartnäckige Milchsuppe aus kalter Feuchtigkeit, hinter der sich malerisch schroffe Felsen, noch teilweise verbergen, aufzulösen im Stande sind.
Das touristisch perfekt aufbereitete Stift Melk empfängt uns an seinem imposanten Tor mit einem Blick durch seine Hofanlagen als feudaler Barockpalast.
Von 1726 an arbeiteten namhafte Baumeister wie Jakob Prandtauer und sein Nachfolger Joseph Mungenast daran, der seit dem 8. jahrhundert ansässigen Klosteranlage ein modernes Antlitz zu verleihen. Berühmte Stuckateure wie Johann Pöckh, die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Peter Widerin und die Freskenmaler Johann Michael Rottmayer und Paul Troger vollendeten das Gesamtkunstwerk.
Als 1738 ein Brand das gerade vollendete völlig neu errichtete Kloster schwer beschädigte, ereilte den Abt Berthold Dietmayer der Schocktod. Mit grenzenlosem Ehrgeiz hatte er seit seiner Amtseinführung im Jahr 1700 die komplette Neuerrichtung des Klosters betrieben. Sein Nachfolger Adrian Pliemel ließ alle Schäden beseitigen, sorgte dafür, dass Dietmayers Stift so erblühte, wie er es erträumt hatte.
300 Jahre später sonnt sich das Kloster in seiner Welt offenen Blickrichtung getreu der Ordensregeln der Benediktiner, sich profanen Dingen nicht zu sperren.
Und so versteht ein zeitgemäßes Management eine sakrale Stätte perfekt zu vermarkten, indem es seine prachtvolle Architektur und seine Kunstschätze der breiten Öffentlichkeit gegen ein angemessenes Entgelt nicht nur zugänglich macht, sondern auch publikumswirksam präsentiert.
Auf den Punkt gebrachte sakrale Werke öffnen sich dem Besucher in perfekt gestylten Ausstellungsräumen. Hier erlebt der Kunst interessierte Besucher die ganze Vielfalt der zu Ehren Gottes gefertigten filigranen Kreuze, Monstranzen und Pokale aus Gold, Silber und Edelsteinen.
Als prachtvoller Audienzsaal Gottes erwartet die Stiftskirche mit frisch renovierter barocker Ausgestaltung gleichzeitig Gläubige wie schlichte touristische Besucher mit Stuck und Marmor gefertigten Wänden und Emporen in Gold, ocker und grün.
Jede Ecke, jede Kante, jede Nische huldigt in feinster künstlerischer Bearbeitung dem Christengott, berichtet vom Glanz der katholischen Kirche in ihrer Verbundenheit mit bewusst gewolltem weltlichem Reichtum. Jede Einzelheit reflektiert den Anspruch des Vatikans, unter den Begüterten zur Führungsspitze zu gehören und damit die Fäden der Politik zu ziehen berechtigt zu sein.
Der triumphierenden und streitenden Kirche widmet sich der Hochaltar mit der Papstkrone über dem Tabernakel. Die Papstkrone verweist auf Petrus, das sichtbare Oberhaupt der Kirche und auf Christus. Petrus und Paulus reichen sich die Hand zum Abschied. Ihm zur Seite stehen die Männer des alten Bundes.
Den Grundakkord der streitenden und triumphierenden Kirche wiederholen die Szenen des Deckenfreskos, das Johann Rottmayr 1733 vollendete. Barock vom exklusivsten verzaubert diese heilige Stätte auch für den Ungläubigen, lässt ihn innehalten, Demut empfinden vor der im Bild erstarrten Repräsentanz der Religion, die ihm während seiner Kindheit vermittelt wurde und die er sonst so ad absurdum stellt.
Ein Hort von Bildung und Wissenschaft ist die schier gewaltige Klosterbibliothek, die genauso wie alles andere, was Melk im 21. Jahrhundert PR-wirksam darstellt, Teil des Besichtigungsrundganges ist.
Dort, wo Umberto Eco seinen die Mittelalter-Euphorie in der Belletristik-Szene in Gang setzenden Roman „Im Namen der Rose“ beginnen ließ, versammeln sich rund 100000 Bände, ca. 2000 Handschriften und frühe Druckwerke.
Jedes der hier untergebrachten Literaturerzeugnisse steht für die emsige Tätigkeit der Klöster, das Wissen der Menschheit zu ehren und zu vermitteln. Und so schützten gebildete Brüder auch schon während des dem Wissen eher abholden Mittelalters das, was der Zufall aus der Antike gerettet hatte, akribisch vor dem Zugriff allzu ausgeprägter christlicher Frömmelei, um die Gedanken der Philosophen vor der Zeitenwende für die Zukunft zu erhalten.
Als Klausnerin lebte Ava, die als früheste Dichterin deutscher Sprache gilt, zu Beginn des 12. Jahrhundert im Stift von Melk, lange bevor dieses zu einem Barockpalast umgestaltet wurde. Einsames Kerzenlicht beleuchtete die ,Pergament-Seiten, die sie mit ihren Kommentaren zu Werken von Hrabanus Maurus und Alkuin beschrieb.
Weit schweift der Blick von der Terrasse des Stifts auf die kleine Stadt Melk, die unterhalb des Benediktiner-Klosters entstand. Gemächlich fließt die Donau, der große europäische Strom vorüber. Wehrhaft erhebt sich das gewaltige Stift über die Landschaft, durch die friedliche Kaufleute und heroische Eroberer zogen. Seit rund 1000 Jahren verharrt das Kloster auf dem 57m hohen Uferfelsen, immer wachsam, Schaden oder gar Vernichtung von sich abzuwenden.
Und erprobt im beginnenden 21. Jahrhundert gar die Leichtigkeit des Daseins mit einem gar nicht frömmelnden Landschaftspark außerhalb seiner mächtigen barocken Bausubstanz.
Das Reich Gottes bewusst zu machen, gilt als Motto für die Bruderschaft, die das Stift Melk in Zeiten der Abwendung von den Werten des Katholizismus führen. Und so verbinden sie eher unauffällig christliche Werte mit der Schönheit der Natur und dem Können des Menschen. Ganz so, als seien sie gläubige Taoisten, die das göttliche in der Vollendung dessen sehen, was die Welt, getrimmt mit ihrer Hände Arbeit ermöglicht.
Nahtlos passt sich in das Schema auch der barocke Gartenpavillon aus dem Jahr 1748. Die Liebe zu einer getrimmten Natur, verschnörkelt und exotisch in bunter Farbenpracht gemalt, schmückt Wände und die Decke. In allem, in Pflanzen und Tieren webt das Göttliche, nimmt der Welt die Beschwernis des Alltags.
Unter das exponiert von der Herbstsonne fotogen angestrahlte Kloster duckt sich die kleine Stadt Melk mit einem heimeligen Rathausplatz, an den sich in homogener Weise erhaltene Architektur des 16 bis 18. Jahrhunderts reiht.
Genauso alt wie die Burg der Babenberger, die sich auf dem späteren Klosterfelsen im Jahr 831 installierte, ist die kleine Stadt, die im Nibelungenlied als Medelike bezeichnet wurde.
Solange zunächst die Burg und ab 1086 das Kloster den Ort bewachen, erlangten die Bürger von Melk ihr Auskommen. Handwerk und Handel kamen zur Blüte. Der Wachau-Tourismus unsere Tage sorgt für die notwendigen Einnahmen, den Wohlstand der Vergangenheit zu erhalten und seine Insignien gebührend zu pflegen.
Von Melk fahren wir auf der direkt die Donau flankierenden Straße zurück nach Dürrnstein. An diesem Nachmittag hat die Sonne den Herbstnebel noch einmal ohne jede Einschränkung besiegt und vergoldet den Oktober mit ihrem Licht, so dass die Wachau voll und ganz ihr romantisches Postkarten-Idyll in Szene setzen kann.
Nach Irrungen und Wirrungen in Sachen Glykose-Skandal vor Jahren sonnen sich inzwischen auch die Winzer der Wachau mit ihrem Wein, den sie auf den Steilhängen nördlich der Donau immer erfolgreicher anbauen.
Die Preise für ihre Produkte haben leider – wie wir beim Abendessen in unserem komfortablen zu einem Weingut gehörenden Landhotel feststellen mussten, unangemessene astronomische Höhen erlangt, selbst da, wo der Erzeuger zu Tisch bittet.
War Österreich Jahrzehnte lang für die Bürger seines großen Bruders im Norden ein beschauliches Billigreiseland, auch für denjenigen, dessen Portemonnaie keine Extravaganzen erlaubte, ein bezahlbares Urlaubsland, so muss der Gast inzwischen für eine Flasche durchschnittlichen Weißen das hinlegen, was er in den Jugendtagen der Autorin für ein erträgliches Pensionszimmer zu zahlen hatte.
Und weil die Wachau hauptsächlich davon lebt, dass der Tourismus sich entwickelt, mögen sich die Strategen ihrer Wirtschaft Gedanken darüber machen, wer die Früchte der harten Arbeit ihrer Winzer honoriert, wenn immer weniger sie sich noch leisten können.
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... wahrlich ein tauglicher Reiseführer Dein Bericht und der Hinweis am Ende auf die Preissteigerungen wird hoffentlich nicht als Reisewarnung angesehen ..... aber manchmal führt eine Flaute im Tourismus zu neuen Überlegungen .... Gruss Inge
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Da ich die Stationen Deiner Reise Dürrnstein, Krems, Stift Göttweig und Melk kenne, habe ich Deinen schönen Bericht sehr geren gelesen und Erinnerungen aufgefrischt.
LG Ursula
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