Palmblattbibliotheks Reise in Indien

Reisebericht

Palmblattbibliotheks Reise in Indien

Reisebericht: Palmblattbibliotheks Reise in Indien

Es war von mir schon ein langer Wunsch, das Mysterium der Palmblattbibliothek in Indien zu dokumentieren. Im Winter 2008 war es dann soweit. Zusammen mit dem indischen Reisebegleiter und Mystiker Shri Sarvabhavana aus Berlin sowie vier im Leben stehende Frauen, die auf Ihre Fragen Antworten suchten, sind wir dann nach Indien geflogen, um den Besuch einer Palmblattbibliothek zu dokumentieren. Für uns alle war es eine faszinierende sowie auch aufschlussreiche Reise.
Fotos: www.andre-wagner.com

Ankunft in Indien



01.01.2008

Palmblattbibliotheks Reise in Indien

Unser „normales Leben“ in Berlin sieht eher pragmatisch aus. Mit handfesten Berufen, Mystisches hat nicht wirklich Platz. Als Schauspielagentin (Anette), Modedesignerin (Doris), gelernte Rechtsanwaltsgehilfin (Berlind) und Führungskräfte-Trainerin waren wir neugierig auf das Orakel, von dem jeder von uns schon mal gehört hatte. Über ganz Indien verstreut gibt es Palmblattbibliotheken. Lebensläufe mehrerer Millionen Menschen sollen hier auf getrockneten Blättern der Stechpalme verzeichnet sein. Von der Geburt bis zum genauen Zeitpunkt ihres Todes, heißt es. Bereits Monate vorher hatte unser indischer Reisebegleiter für unsere Gruppe einen Termin in einer Palmblattbibliothek vereinbart. Nachdem, was wir gehört hatten, waren wir eine Spur skeptisch, aber Feuer und Flamme für „unser“ Erlebnis.

DIE ANREISE
Unser Weg – halb Pilgerreise zu heiligen Orten, halb Kultur- und Entdeckungsreise, hat uns bisher von Jaipur nach Udaipur, die zwei Perlen Rajasthans geführt. Für heute ist unser Besuch der Brighu-Palmblattbibiliothek geplant. 7 Uhr – überpünktlich stehen wir morgens am Hauseingang, denn unser Reiseführer Sri Sarvabhavana hatte uns eingebläut, nicht zu spät zu kommen, weil wir für 9 Uhr angemeldet waren. Alle sind da – außer den Fahrern. Sie haben verschlafen und kommen zu spät, zusätzlich streikt auch noch der Motor, so dass wir zu guter Letzt erst um 9 Uhr loskommen. Ausgerechnet heute. Schließlich trudeln wir um 11.30 Uhr bei der Bibliothek ein.

DIE BIBLIOTHEK
Ein unauffälliger, bretterbudenartiger Verschlag, mitten im Treiben einer kleinen,, geschäftigen Stadt. Davor ein überdachter Vorplatz, einem Wartezimmer ähnlich, wo Menschen sitzen, die geduldig auf ihr „Reading“ warten. Außer uns nur Inder. Wir erfahren aus unseren Unterhaltungen, dass sich diese Leute Antworten auf ganz alltägliche Fragen erhoffen: Ist meine zukünftige Braut die Richtige? Wird es meinem Kind gut ergehen?

DER MAHARAJA
Kurz vor 12 sind wir an der Reihe, eine nach der anderen. Jede von uns ist aufgeregt, als sie in den winzigen, recht kahlen Raum tritt. Darin ein länglicher Tisch und der Palmblatt-Leser, ein kleiner schmaler Mann um die 70, gehüllt in einen einfachen weißen „Doti“, der seit seinem 7. Lebensjahr das geheime Palmblatt-Wissen studiert hat und „Maharaja“ genannt wird.

MEIN PALMBLATT
Der Leser fragt mich nach meinem Vornamen, Geburtsdatum und möchte dann einen Blick auf meine Handflächen werfen. Anhand dieser Informationen errechnet er verdeckt zwei Zahlen, die er erstmal zur Seite legt. Aus einem Stapel Blätter mit seltsamen Kreisen darauf zieht er einen Bogen. Spontan soll ich mit dem Finger auf einen Kreis zeigen. Und jetzt wird es tatsächlich unheimlich, denn die Zahlen, die ich darauf ausgewählt habe, entsprechen genau den beiden Zahlen, die er vorher errechnet hatte. Sie sind die Nummern der Vor- und Rückseite meines Palmblatts. Für ihn scheint das nicht Besonderes zu sein – aber ich sitze hier mit meinem rationalen, westlichen Geist und staune nur...

UNSERE LESUNG
Jede von uns bekommt einzeln ihre Lesung auf Hindi, die unser Reiseführer übersetzt. Was darin passiert, war intensiv und unfassbar konkret. Die Palmblätter beschreiben Einzelheiten aus unseren Leben, die niemand außer uns wissen kann. In meiner Lesung fühle ich mich, als hätte jemand das Buch meines Lebens geöffnet und mir daraus vorgelesen. Meine Kindheit wird erzählt. Welchen sozialen Hintergrund ich habe. Der Leser beantwortet Fragen über meinen kleinen Bruder und meine Eltern, sagt sogar, wer von beiden früher sterben wird. Er liest vor, wann ich mich von meinem Partner getrennt habe und ab welchem Alter das Leben sich für mich besonders entfalten wird, er macht Aussagen über meinen Charakter und gibt mir Hinweise für meine Gesundheit und berufliche Zukunft. Anderen aus unserer Gruppe sagt er voraus, wie viele Kinder und welches Geschlecht sie haben werden. Eine aus unserer Gruppe erfährt, dass sie bald beruflich ins Ausland gehen wird, um etwas mit Immobilien zu machen, eine andere, die eine Frage zu ihrem Partner stellt, erfährt, dass dieser sich von ihr trennen wird. Was auch einige Monate später geschah. Jede von uns kann am Ende der Lesung entscheiden, ob sie ihr Todesdatum erfahren möchte. Ich möchte es. Und erfahre, dass ich über 80 werde. Eine schöne Aussicht. Unsere Lesung hat uns allen Mut gemacht. Unser Vertrauen in das Wissen bestärkt, dass alles, was uns in unserem Leben begegnet, seine Berechtigung hat und alles, dem wir, oft bis zur Erschöpfung, hinterherlaufen, seine Zeit hat und seine Zeit bekommen wird.

DIE ÜBERRASCHUNG
Auf dem vorletzten Palmblatt, das in unserer Gruppe gelesen wurde, stand, dass wir am 1. Januar 2008 um 12 Uhr mit der Lesung beginnen würden. Auf dem letzten Palmblatt stand, dass wir kurz vor 17 Uhr fertig sein würden. Es stimmte auf die Minute genau. Unser Reiseführer hatte sich mit eigenen Augen vom Sanskrittext überzeugt. Die Weisen der Vorzeit wussten bereits vor Tausenden von Jahren, dass wir an diesem Tag kommen und – entgegen unserer Planung – mit dreistündiger Verspätung unsere Lesung beginnen würden.

Text von Jussara
Fotos: www.andre-wagner.com
Reise Organisiert von Shri Sarvabhavana: www.vedic-guide.de


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Kommentare

  • mamaildi

    Das ist ein verblüffender Bericht, dokumentiert mit sehr lebendigen Bildern und wirklich mal "was anderes". Hat mich als rationaler Mensch sehr nachdenklich gemacht...

  • mamatembo

    Hallo André,
    klingt ja recht interessant. Über Palmblattbibliotheken habe ich schon viel gehört und gelesen und glaube nicht daran. Aber ich glaube daran, dass die Inder die weltgrößten Magier sind.
    So ein bisschen Magier scheint ja auch in Dir zu stecken. Als welche Dame bist Du denn gereist? Als Führungskräfte-Trainerin? Und wieso ist der Text von Jussara?
    Was mich noch stutzig macht: Du bist angeblich mit dem indischen (Berliner) Mystiker Shri Sarvabhavana gereist. Und Du hast Dich am 22. 12. 2009 angemeldet, just an dem Tag, an dem sich auch ein bahurupa anmeldete. Und der (oder die) schrieb einen Tipp zu dem Reiseveranstalter Shri Sarvabhavana! Wenn das kein Zufall ist ...
    oder stand das etwa auch in den Palmblättern?
    Wie auch immer: für mich nur eine geschickt inszenierte Werbekampagne. Aber Deine Fotos sind gut!
    Namasté!
    Beate

  • photodelic (RP)

    Liebe Beate,
    danke für dein Statement.
    Ich bin nicht als Dame gereist... sondern ich war als Fotograf dabei, um die Reise zu dokumentieren. Der Artikel ist von einer der Frauen geschrieben wurden, die auch an der Palmblattlesung teilgenommen hat, um danach einen Reisebericht für ein Frauenmagazin zu schreiben.
    Deine Zweifel sind berechtigt, es gibt wirklich auch sehr viele Scheinheilige in Indien, wie es die überall in jedem Land der Erde auch gibt. Ich würde da allerdings kein Dogma daraus machen.
    Was meine Erfahrungen angeht, empfand ich die Reise als sehr hilfreich und habe von den Mitreisenden nur positives gehört.

    Viele Grüße und ein schönes Weihnachtsfest
    André

  • mamatembo

    Hallo André,
    Danke für die Aufklärung! Das mit Autorin / Fotograf habe ich auf den zweiten Blick dann auch verstanden; da war ich wohl etwas zu voreilig!
    Indien ist wirklich ein riesiges und facettenreichesLand, das man auf vielerlei Weisen erleben und erfahren kann. In diesem Sinne: nachträglich 4 Punkte für Jussara - und
    shanti!
    Beate

  • speedy11

    Hallo Jussara
    ein wundervoller Reisebericht, der zum Nachahmen einlädt. Kann ich denn eine Info bekommen mit wem die Reise durchgeführt wurde? Vielen Dank

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