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Reisebericht: Zwischenstopp in Chamalières (Auvergne)
Seit Jahren fahre ich einmal im Jahr für eine Woche in die Auvergne. Meistens im Mai und meistens übernachte ich im Hotel 'Le Radio' in Chamalières, hoch über Clermont-Ferrand.
Das Folgende ist nicht eigentlich ein Reisebericht, sondern eine Mischung zwischen Tipp und Reise-Erfahrungsbericht. Dabei habe ich mich auf das Departement Puy de Dôme beschränkt - sonst würde ein Buch daraus!
Zwischenstopp in Chamalières
Erster Tag
Sie schauen aus dem Fenster Ihres Zimmers im Hotel „Le Radio“ in Chamalières. Jetzt wissen Sie, wieso ich Ihnen empfohlen habe, die Nr. 17, 18 oder 19 zu buchen: Clermont-Ferrand liegt Ihnen zu Füßen!
Und ich bereue, Ihnen den Tipp gegeben zu haben. Denn ich weiß, wie es weiter gehen wird. Meine Auvergne wird mir nie mehr allein gehören. Sie werden Ihrer Großmutter, Ihren Kolleginnen und Kollegen, all Ihren Bekannten davon erzählen. Ganze Autokonvois werden sich auf den Weg machen, ach was sage ich: Reisebus um Reisebus werden ihre Inhalte in die Landschaft kippen!
Was bringt einem bloß dazu, einen Geheimtipp weiter zu geben?
Noch gut zwei Stunden Zeit bis zum abendlichen Dinner .Denn es wird ein Dinner werden und zwar ein prachtvolles. Das war Ihnen sofort klar, als Sie in dem Art-Déco-Hotel eincheckten.
„Le Radio?“ hatten Sie gefragt, wie es alle tun „was ist das für ein seltsamer Name für ein Hotel!“. Wie unzählige Male zuvor wurde Ihnen erklärt: Das Hotel entstand zu der Zeit, als das Radio „die“ Sensation war.
…. Zwei Stunden also noch. Da könnte man noch einen Tripp auf den Puy de Dôme machen. Nach 18 Uhr ist auch im Sommer der Shuttle-Verkehr eingestellt und man kann mit dem eigenen PKW hoch. Zwanzig Minuten später sind Sie über eine ebenso pittoreske wie kurvenreiche Straße 1000 Meter höher. „Volvic“ denken Sie. Das denkt jeder, dem die Auvergne-Vulkane nur von der stilisierten Zeichnung auf de Volvic-Flasche her bekannt sind.
Sie haben freien Blick in jede Richtung. Der Puy de Sancy meist mit Schnee in der Ferne, dann ein weiter Blick, fast bis ins Limousin, das „Hühnernest“ (ein Krater, der nicht zufällig so heißt),
dann Clermont-Ferrand,
vorbei an den beachtlichen Ruinen des Merkur-Tempels (wie die alten Römer Stein für Stein hier hoch gebracht haben, nur um zu dokumentieren „wir sind hier gewesen“).
All das in einer Dreiviertelstunde.
Pünktlich nehmen Sie Ihren Platz im Restaurant ein und wählen (wie ich es Ihnen geraten habe) eins der deliziösen Menus. Der Service ist impéccable, der Sommelier ein Unikat – überhaupt merkt man der ganzen Équipe an, dass sie in unveränderter Besetzung fast familiär zusammenarbeitet
Zweiter Tag
Am nächsten Morgen wachen Sie früh auf, gerade rechtzeitig um das Teleobjektiv auf Ihren Foto zu schrauben und ein Bild wie dieses zu schießen
Die Kathedrale mit einer fast schon schroffen gotischen Klarheit, eine dieser typisch auvergnatischen Madonnen (nicht die schönste, finde ich), wundervolle Glasfenster, teilweise noch aus dem 14. Jahrhundert
Während die Kathedrale frei auf einem großzügigen Platz steht (das sehr gut ausgestattete Office du Tourisme befindet sich auch dort), wird die romanische Notre Dame du Port von den umliegenden Häusern geradezu belagert. Keine einfache Aufgabe für die Fotografin.
Bevor Sie sich eine Genickstarre beim Betrachten der beeindruckenden Kapitelle bekommen haben (Sie stimmen mir zu, dass das Mitführen eines Fernglases äußerst nützlich ist), fahren Sie durch das nahe Riom nach Mozac.
Dort bietet nämlich die Abtei Saint-Pierre einen besonderen Service: Alte romanische Kapitelle wurden auf dem Speicher der Kirche gefunden (was so alles aufgehoben wird!) und sind nun in bequemer Augenhöhe in der Kirche zu sehen.
Von außen sieht die Abtei etwas verunglückt aus. Aber nur hereinspaziert!
Wenn Sie sich tatsächlich satt gesehen haben, fahren Sie einfach weiter Richtung Volvic. Irgendwann biegen Sie nach Lust und Laune auf eins der kleinen Sträßchen ab, Richtung Durtol, Richtung Orcines – egal wie, Sie haben immer wieder bezaubernde Blicke auf Clermont-Ferrand und über die Ebene, die Limagne heißt, und landen schließlich unfehlbar wieder in Chamalières.
Oder – der Tag ist ja noch jung – es spricht nichts dagegen, sich den Puy de Dôme samt einer Reihe anderer Vulkankegel „von hinten“ anzuschauen. (Den „Europäischen Vulkanpark Vulcania“ sparen Sie sich. Vulkanisches Disneyland ist nicht angesagt)
Warum nicht auf das „Hühnernest“ hinauf spazieren? Oder ein paar Kilometer weiter auf dem Plateau von Gergovia, wo sich angeblich Julius Cäsar mit Vercingetorix gekloppt hat? Das sind alles keine Wege!
Noch ein Kaffee im Thermalbad Royat (direkt über Chamalières) gefällig? Auf alle Fälle keine Kirche mehr, auch wenn der trutzige Bau von St. Léger Sie reizt.
Denn morgen – so mein Versprechen – gibt es Romanik satt.
Dritter Tag
Nein, Sie brauchen wirklich nicht in aller Herrgottsfrühe aufzustehen, auch wenn ich Ihnen eine Fahrt durch schwarzwaldige Mittelgebirgslandschaft,
schottisches Hochland,
alpin anmutende Gegenden.
angekündigt habe, dazu noch die zwei schönsten romanischen Kirchen der Auvergne.
Trotz dieser Reise durch europäische Landschaften legen Sie nämlich garantiert nicht mehr als 150 km bis zum Abendessen zurück.
Sie fahren zunächst wieder den Berg hoch, Richtung Puy de Dôme, der Weg nach Orcival ist ausgeschildert. Eine knappe halbe Stunde später wundern Sie sich angesichts der prachtvollen reinen Romanik der Kirche von Orcival, wieso Sie fast der einzige Besucher sind. Es ist wirklich kaum zu glauben! Andernorts drängeln sich die Touris, um weit weniger Spektakuläres zu sehen.
Sie bestaunen die wunderschöne auvergnatische Madonna (der man wie allen ein Hauch Byzanz anmerkt),
Sie steigen in die Krypta hinunter und fahren mit der Hand über die Original-Türbeschläge (wer die schon alles berührt haben mag!).
Sie können natürlich noch einen Spaziergang über dem hübschen Lavastein-Dorf machen, aber ich weiß was Besseres:
Über ein ganz, ganz schmales Sträßchen kommen Sie zum Parkplatz vom Lac de Servière. Einer von vielen Kraterseen, nicht so ganz kreisrund wie etwa der Lac Pavin, aber gerade passend groß für ein „Rundummerli“. Dem einen oder anderen Angler werden Sie begegnen, vielleicht auch einer Familie beim Picknick. Mehr nicht – außer sonntags.
Die Touristenpflicht ruft!
Wollen Sie nach Mont-Dore? Falls Sie auf den Puy de Sancy wollen, müssen Sie durch das Städtchen, einer von diesen typisch französischen Kurorten, die schon bessere Zeiten gesehen haben, bisschen morbid-démodé (gilt erst recht für das nahe Bourboule), aber ab und zu mit hübschem Jugendstil.
Die Seilbahn auf den oft bis in den Juni schneebedeckten Puy de Sancy fährt meistens nicht (außer im Winter), wenn aber doch, lohnt sich der Ausblick unbedingt.
Keine Lust? Macht nichts, Sie bekommen fast denselben Ausblick nur aus der Perspektive von lediglich 1000 (statt 1800) Metern Meereshöhe, indem Sie Mont-Dore rechts liegen lassen, Richtung Murol fahren und irgendwo auf dem alpinen Pass einen Parkplatz ansteuern.
Unter Ihnen die merkwürdige Burg von Murol, die aussieht wie der gleichnamige Käse,
In der Ferne Saint-Nectaire, ein Name mit dem Sie jetzt noch eine Stunde lang ebenfalls lediglich den gleichnamigen Käse assoziieren.
Aber sobald Sie meine Lieblingskirche dort besichtigt haben werden, haben Sie bei diesem Namen für alle Zukunft Bilder vor Augen und erst dann einen Geschmack auf der Zunge.
Hier entlasse Sie meiner Obhut. Denn durch die Auvergne sollte man weniger geführt werden, als sie auf eigene Faust entdecken. Alle Straßen und Sträßchen führen irgendwohin und nicht einfach irgendwohin, sondern an wunderschöne Plätze, großartige Ausblicke, Burgen, Kirchen, Kapellen.
Die Stunde ist nicht fern, da können Sie den Hinweis am Ortseingang „Eglise Romane du XIIème siècle“ nicht mehr sehen. Scheuen Sie keine Experimente, ob Richtung Besse, Issoire, oder St. Saturnin – Chamalières ist nirgends so weit, dass Sie es nicht pünktlich zum letzten Abendessen erreichen.
Einen Coup de Champagne zum Abschied? Was für eine Frage!
Sie fahren weiter Richtung Süden? Über die A 75? Die schönste Autobahn, die ich kenne – dazu noch ohne Gebühren!
Oder über Puy en Velay und die N 102 nach Aubenas zur Rhone?
Also....hören Sie, da müssen Sie uuuunbedingt...
Gerade noch rechtzeitig beiße ich mir auf die Zunge.
hananas
-
Klasse Artikel über einen schönen Teil der Auvergne!
Die schönen Bilder und die Texte, die wirklich gut zu den Bildern passen.
Wir wollen im Sommer (August) auch durch die Auvergne fahren.
Clermont Ferrand liegt auch an unserem Wege.
Der Artikel macht auf jeden Fall Lust auf mehr!
Gibt es dort auch gute Campingplätze - Insider Tipp?
Gruß
Chris
-
Habe den Bericht nur zufällig gelesen..... DA WILL ICH AUCH HIN !!!!!! :-)
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