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Reisebericht: Zeitreise auf dem GR 20 und anderen Gegenden Korsikas
Angeregt durch die Berichte über den GR 20 von Darek und dem Camping-Urlaub von AlicePaul habe ich meine Reisen und Erlebnisse auf Korsika Revue passieren lassen.
Da ich außerdem dabei bin, meine Dias zu digitalisieren, wurden meine Erinnerungen auch noch durch Bilder aufgefrischt.
- Einführung
- GR 20 Calenzana - Spasimata
- GR 20 Spasimata – Haut-Asco
- GR 20 Calasima – Haut-Asco
- Monte Cinto
- GR 20 Col de Verghio – Lac de Goria
- GR 20 Lac de Goria - Manganello-Tal
- Monte Rotondo
- GR 20 Manganello-Tal – Vizzavona
- Die Landschaften Korsikas
- Bastia
- Cap Corse
- St. Florent und das Nebbio
- Désert des Agriates
- Calvi und die Balagne
- Westküste und Porto
- Castagniccia (Teil 1)
- Corte und das Zentrum
- Sartène und die Prähistorie
- Bonifacio und der Süden
- Zentrum im Süden
- Die Ostküste (Teil 1)
- Castagniccia (Teil 2) und Casinca
- Ostküste (Teil 2)
- Nachwort
Einführung
Zum ersten Mal war ich im Mai 1972 in Korsika, zuletzt im September/Oktober 1991.
Ich will auch weniger über die Orte und Gegenden mit Fakten und Daten schreiben, sondern eher über meine Erlebnisse und Begegnungen, und die Schönheit der Insel mit Bildern illustrieren.
Zuerst durchquere ich Korsika auf dem GR 20 von Calvi bis Vizzavona, wobei ich mich zwar an die Strecke halte, aber zeitlich und räumlich immer wieder springe, da ich den Weg nie zusammenhängend, sondern in verschiedenen Etappen, gelaufen bin.
Gleiches gilt für den folgenden Teil, in dem ich entlang eines Rundkurses von 1982 über die Insel streife, aber zeitlich und räumlich immer wieder Sprünge zu früheren und späteren Reisen mache.
GR 20 Calenzana - Spasimata
Urlaubsreif war ich, als ich mich im Oktober 1975 nach Schreiben meiner Diplom-Arbeit auf den Weg machte, um weitere Etappen des GR 20 zu laufen, den ich im Jahr zuvor schon im Cinto-Massif und im Rotondo-Massif kennen gelernt hatte.
Nach der Ankunft in Calvi, einem Ruhetag am Strand und den notwendigen Einkäufen ging es nach Calenzana, wo ich am Nachmittag ankam und mich sofort auf den Weg machte.
Kaum hat man oberhalb von Calenzana den Bergkamm erreicht, hat man wunderschöne Ausblicke auf das Meer zurück nach Calvi und gleichzeitig in die Berge.
Übernachtet habe ich dann mitten im Wald auf dem Weg, da nicht damit zu rechnen war, dass die wenigen, die hier damals entlang wanderten, dies auch noch mitten in der Nacht tun würden.
Damals führte der Weg – im Gegensatz zu heute - hinab nach Bonifato, um dann durch das Tal zur Spasimata hinaufzusteigen.
Hier traf man immer wieder auf Hängebrücken, immer abenteuerlich und auch nicht immer Vertrauen erweckend.
Gelaufen bin ich 1975 nur noch bis zur Spasimata.
Geistig und körperlich war ich so ausgelaugt, dass mir das Weiterlaufen keinen Spass mehr machte und ich mich lieber an den Strand gelegt habe.
GR 20 Spasimata – Haut-Asco
Im September 1976 war ich aber – diesmal mit einem Freund - wieder auf dem Weg, während unsere Frauen lieber am Strand von Calvi braun werden wollten.
Es sollte hinüber ins Haut Asco (Plateau Stagnu) und weiter durch den Cirque de Solitude gehen.
Immer durch das Tal hinauf, anstrengend und schweißtreibend, öffnen sich immer wieder fantastische Rückblicke bis nach Calvi hinaus, während der Blick nach oben von den Zacken des Grades begrenzt sind.
Oben am Grad angekommen blickten wir den Kamm entlang und schauten hinein in aufkommende schwere Wolken, die ein Gewitter ankündigten.
Vorbei war es mit dem Aufstieg auf die Muvrella, auch wenn es gar nicht mehr weit gewesen wäre.
Vom Kamm ging es eine steile Rinne so schnell wie möglich direkt hinab zum Plateau Stagnu mit seinen Unterkunftsmöglichkeiten.
Wir hatte gerade die Tür erreicht, da ging genau über Haut Asco ein Gewitter los.
Fast so dunkel wie in der Nacht war es, Blitze zuckten pausenlos mit ständigen Donnergrollen begleitend von einem fürchterlichen Platzregen.
Weil wir uns denken konnten, dass unsere Frauen sich Sorgen machen, versuchten wir zum Campingplatz zu telefonieren, um Bescheid zu sagen, dass es uns gut ging.
Doch in Folge des Gewitters funktionierte das Telefon nicht und die Zeiten von Handys waren noch nicht angebrochen.
Auch wenn am nächsten Tag das Wetter aufklarte, gab es kein Denken mehr ans Weiterwandern, denn wir wollten wieder zurück nach Calvi, weil das Telefon immer noch ausgefallen war und niemand wusste, wann es wieder funktionierte.
Bis zum Nachmittag haben wir für die Rückkehr gebraucht, das Asco-Tal hinab und schließlich mit dem rumpelnden Zug zu unseren Frauen.
Auch wenn sie auf der einen Seite erleichtert waren, uns zu sehen, waren sie auch ärgerlich, was sich erst legte, als sie hörten, dass Telefonieren unmöglich war.
Das Gewitter muss von Calvi aus gewaltig ausgesehen haben. Die Berge waren eingehüllt in schwarze Wolken, aus denen dauernd Blitze zuckten.
Und genau dort hatte sie uns vermutet.
GR 20 Calasima – Haut-Asco
Schon an dieser Überschrift lässt sich erahnen, dass ein Zeitsprung ansteht.
In den Semesterferien im Sommer 1974 war ich für einige Zeit in den korsischen Bergen, im Cinto- und im Rotondo-Massif, unterwegs.
Die Folgeetappe habe ich damals quasi umgekehrt durchlaufen.
Von Calasima, einem Ort in einem Seitental des Golo gelegen, ging es ins Tal hinein zum GR 20, um gleich einen grandiosen Blick auf den Berg der korsischen Berge, die Paglia Orba, werfen zu können.
1982 bin ich dann noch einmal von dieser Seite in das Tal hineingelaufen, so dass einige der Bilder aus dieser Zeit stammen.
Je weiter man im Tal hinaufläuft, kann man zum Capu Falu hinaufschauen und immer wieder andere Eindrücke von der Paglia Orba gewinnen.
Übernachtet habe ich auf der Bergerie de Ballone und ich kann Darek nur Recht geben, es ist ein wunderschöner Platz.
Nach dem Abendessen mit anderen Wanderer meinte der auf der Bergerie arbeitende Hirte, wir könnten ruhig in einer der kleinen Hütte, die normalerweise für Ziegen vorgesehen war, übernachten.
Bei der Hütte handelte es sich um einen ganz niedrigen Pferch, in dem man sich nur kriechend bewegen konnte. Der unruhige Untergrund war ausgelegt mit einer Menge Stroh, so dass die Unebenheiten nicht so sehr in den Körper drückten.
Hinterlassenschaften von Ziegen waren jedoch nicht vorhanden, so dass der Nachtruhe nichts mehr im Wege stand, außer den Unebenheiten vielleicht noch und die etwas heiße stickige Luft.
Aber das freundliche Angebot des Hirten konnten und wollten wir nicht ablehnen.
Nach kurzer Erholung in frischer Luft und Frühstücken ging es anderentags weiter das Tal hinauf, vorbei an der Refuge de Tighiettu, die es damals schon gab, in Richtung Scharte zum Einstieg in den Cirque de Solitude.
Die Ausblicke auf die umliegenden Bergkämme wurden immer dramatischer und auch die Paglia Orba kam über der Grande Barriere wieder zum Vorschein.
Und dann ging’s steil hinab in den Cirque de Solitude, ein grandioser Felskessel als obersten Teil des nach Westen ziehenden Fango-Tals. Vom Fango-Tal hat man übrigens einen super Blick auf Paglia Orba und Capu Tofunatu, aber dazu später bei der Rundreise.
1974 gab es an den steilen Passagen beim Abstieg lediglich ein in den Verankerungen ziemlich wackeliges Drahtseil und im Aufstieg zum Col Perdu ein langes dickes Tau, das über eine kleine griffige Felswand hinab hing.
Schon damals gab es einige gruseligen Aussagen über die Schwierigkeiten, die dort auf einen warten würden. Aber auch hier muss ich Darek Recht geben, in den nachträglichen Erzählungen muss es zu einer kräftigen Legendenbildung gekommen sein, denn so schlimm fand ich die Passage nicht.
Für einen trainierten sicheren Bergwanderer ist sie gut machbar und macht obendrein bei allen Anstrengungen richtig Spaß.
Oben am Col Perdu wird man mit einem schönen Blick das Tal hinab Richtung Haut Aso belohnt.
Monte Cinto
1974 bin ich dann noch auf den höchsten Berg Korsikas gestiegen.
Nachdem ich zuerst versucht hatte, vom Übernachtungsplatz knapp unterhalb des Plateau Stagnu durch ein Seitental anzusteigen, was aber kläglich an den vielen Büschen scheiterte, die den Weiterweg versperrten, ging es tags darauf vom Ende der Fahrstrasse aus los.
Auch wenn der Monte Cinto Monte Schindo genannt wird, machte er an diesem Tag seinem zweifelhaftem Namen keine Ehre.
Am damaligen Tag herrschte zwar ein super Wetter, doch waren die Temperaturen morgens so niedrig, dass es in den oberen Teilen des Weges noch Eis gab und ich meine Hände in die Taschen stecken musste.
Aber ich kann mir gut vorstellen, welche Schinderei bei heißem Wetter der Aufstieg durch die gerölligen Hänge darstellt.
Bei allen Anstrengungen wird man jedoch mit einer grandiosen Aussicht belohnt, natürlich auch zur Paglia Orba.
Aber nicht nur der Ausblick von Gipfel ist traumhaft, auch das Panorama beim Abstieg auf die umliegenden Berge – wie Punta Minuta und Capu Larghia - kann sich sehen lassen.
GR 20 Col de Verghio – Lac de Goria
Und erneut ein Zeitsprung, diesmal in das Jahr 1982 und 1991.
Wer den GR 20 kennt, hat sicher schon bemerkt, dass die Passage von der Bergerie de Ballone zum Col de Verghio fehlt, denn diese bin ich nicht gelaufen.
Gleich zu Beginn des Weges vom Col de Verghio liegt der Blick frei auf den Monte Cinto mit dem links davor liegendem Capu Falu und die Paglia Orba mit dem daneben stehenden Capu Tofunatu mit seinem charakteristischen Loch im Gipfelaufbau.
Der Legende nach stammt das Loch im Berg (gerade noch im Bild zu erkennen) vom Teufel, der vor lauter Ärger über eine verlorene Wette mit einem pfiffigen Korsen einen Felsbrocken durch die Gegend warf.
Der Weg folgt mehr oder weniger dem Hauptkamm und erreicht schließlich den Lac de Nino mit seinem Zulauf und den Feuchtwiesen.
Im September 1991 bewegten sich nicht viele Wanderer auf dem GR 20.
Dafür gab es Begegnungen mit ganz anderen einheimischen Wanderern auf 4 Beinen.
„Kurz darauf auf der Passhöhe des Col de Saint-Pierre hätte sie (die Laricio-Kiefer) keine Überlebenschance – hier hält nur die windgepeinigte Buche den mörderischen Winterstürmen stand“, um mit Darek zu sprechen.
Ich weiß auch nicht, ob es der Col de Saint Pierre oder überhaupt dieser Baum ist, aber dramatisch sieht er schon aus, wie er sich in den Wind legt.
So schön das Wetter gerade noch war, so scheußlich war es kurz darauf. Über dem Lac de Goria war alles Wolken verhangen und es regnete in Strömen.
An einen Aufstieg auf den Pic de Lombarduccio war nicht mehr zu denken, so dass uns der Tiefblick auf die beiden vielleicht schönsten Seen Korsikas, dem Lac de Melo und dem Lac de Capitello, verwehrt blieb.
Statt dessen ging es wieder zurück zum Col de Verghio, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung.
GR 20 Lac de Goria - Manganello-Tal
Aber auf den Ausblick vom Pic de Lombarduccio auf die beiden Seen muss keiner verzichten, denn im Sommer 1974 war ich bereits dort gewesen.
Aufgestiegen war ich damals von Corte aus durch das Restonica-Tal und hatte am Lac de Melo übernachtet.
Es war eine wunderschöne Nacht.
Der Mond schien so hell, dass die Bergkämme auf der Felswand oberhalb des Sees als Schattenriss zu sehen waren. Einfach nur super!
Noch kurz vor der Nacht bin ich am Lac de Capitello vorbei auf den Pic de Lombarduccio gestiegen.
Der Ausblick in alle Richtungen ist grandios, wie der Weitblick zurück zur Paglia Orba oder der Nahblick zum Monte Rotondo.
Damals bin ich nicht exakt den GR 20 entlang gelaufen, der oben in Nähe des Kammes verläuft, sondern bin vom Lac de Melo direkt nach Süden auf die Bocca a Soglia gestiegen, wobei ich kurz zuvor den GR 20 gekreuzt hatte.
Auf den anderen Seite bin ich dann nach Süden in das Tal des Fiume Grosso abgestiegen und bin wieder nach Osten in Richtung Bocca Manganello aufgestiegen.
Die größte Mittagshitze verbrachte ich in einer Bergerie, wo ich 2 – 3 Stündchen schlief.
Als ich vor die Tür trat, erwarteten mich hier oben weit weg von allen Dörfern 3 korsische Kinder, die mich ganz staunend ansahen. Offensichtlich hatte sich bisher in dieses Tal kaum jemand – und schon gar kein Ausländer – verirrt.
Am Nachmittag stieg ich dann hinauf zur Bocca Manganello und ins Manganello-Tal hinab bis zur Bergerie unterhalb der Pietra-Piana-Hütte, der Bergerie de Gialgo.
Was ich auf jeden Fall nicht vergessen werde, war meine Begegnung mit dem Hirten der Bergerie, seinem Bruder und seinem Hund.
Das erste was geschah war, dass ich zum Essen eingeladen wurde.
Kurz darauf erschien ein weiterer Wanderer, der ebenfalls zum Essen eingeladen wurde und auch über Nacht auf der Bergerie bleiben wollte.
Als kurz darauf ein weiterer Wanderer ankam, entschuldigte sich der Hirte dafür, dass er jetzt nichts mehr zum Essen hatte. Dem Hirten war dies sichtlich peinlich.
Ein solches Maß an Gastfreundschaft kannten wir schon damals kaum noch.
Die Sonne ging noch nicht ganz über den Bergen unter, da wurde alles zum Schlafen vorbereitet.
In der Hütte wurden einige Felle ausgelegt, damit ich mit dem anderen Wanderer nicht draußen übernachten musste.
Als wir uns hinlegten, verschwand die Sonne gerade hinter den Bergen.
Monte Rotondo
Ganz leicht deutete sich am Morgen das Licht an, da war der Hirte schon aufgestanden und machte Feuer, damit wir einen Kaffe trinken konnten.
Nach dem Frühstück brach ich mit meinem Begleiter zum Monte Rotondo, dem zweithöchsten Berg Korsikas, auf.
Es wurde gerade langsam richtig hell, als wir an der Pietra-Piana-Hütte vorbeikamen.
Am Lac de Bellebone (Rotondo) vorbei ging es zum Gipfel, von wo man eine vortreffliche Aussicht hat zurück zum Cinto-Massif, zum Monte d’Oro und Monte Renoso und in die umliegenden Täler.
Nach vielen Pausen kamen wir schließlich wieder beim Hirten auf der Bergerie de Gialgo an, der schon etwas unruhig auf unsere Rückkehr wartete.
Er hatte schon befürchtet, dass uns etwas passiert war, weil wir so lange unterwegs waren.
Wir konnten ihn aber schnell beruhigen.
Der Nachmittag gestaltete sich noch ganz gemütlich.
Während der andere Wanderer ins Tal hinabwanderte, nahm ich zusammen mit dem Bruder des Hirten, der in der Zwischenzeit vom Fischfang am Lac de Bellebone, wo er auch übernachtet hatte, zurückgekehrt war, die Fische aus.
Zum Abendessen gab es dann den leckeren Fisch.
Wie schon tags zuvor war das Licht noch nicht verschwunden, da lagen wir wieder in der Hütte und konnten die Sonne, die den Monte d’Oro beschien, verschwinden sehen.
GR 20 Manganello-Tal – Vizzavona
Am nächsten Tag war meine Energie für Bergtouren aufgebraucht.
Ich wollte weiter in den Süden nach Bonifacio und von dort aus über Sardinien nach Sizilien.
Also wanderte ich das Manganello-Tal hinunter mit seinen vielen schönen Bade-Gumpen, die das Wasser in den Felsen ausgehöhlt hatte.
Dazwischen immer wieder kleine Wasserfälle.
Wunderschön geht es später weiter durch tiefen Wald, wobei der GR 20 nach rechts in ein Seitental abbiegt, um weiter zum Monte d’Oro zu führen.
Ich bin aber im Tal geblieben, wo ich schließlich die Hauptstrasse etwas südlich von Vivario erreichte.
Noch ein wenig die Strasse entlang getrampt und ich war in Vizzavona.
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Sehr schöne Rundreise bei der ich gerne mitgewandert bin, trotz vergessenen Reifen, aber wegen leckeren Schinken und Käse. :-)
Du solltest Deine Scannereinstellungen optimieren, denn die Scans werden Deinen Bildern nicht gerecht.
LG Robert -
Danke für diesen informativen und teils auch sehr amüsant geschriebenen Bericht! Weckt Interesse an Korsika!
LG Susi -
Hallo, da haben wir ja noch einen großen Korsika-Fan! Habe mit großer Freude viel Bekanntes wiedergefunden bzw. aus der interessanten "Zeitreise"-Perspektive anderer Jahrzehnte gesehen (besonders erstaunlich: Bastia, das sich z.T. SEHR, z.T. anscheinend überhaupt nicht verändert hat) - habe mich an die Enten-Urlaube meiner Kindheit erinnert gefühlt (nicht auf Korsika), und etwas Neid auf euch "Pioniere" kam auch auf, weil es das untouristische Korsika ja leider nur noch in ganz wenigen Ecken gibt...
Erneuert habe ich meinen Schwur, den GR 20 und die korsische Bergwelt anzugehen, "wenn die Kinder aus dem Haus sind"- kenne bis jetzt nur Capo d´Ortu, Bavella, Forêt de Bonifatu und die Straße durch das Vizzavona-Gebiet und möchte das, was sich da erahnen lässt, unbedingt einmal nur zu Fuß erkunden...
Die "Straße" nach Saleccia sind wir 2008 die ersten 2 km mit dem VW-Bus runtergepoltert und dann wieder umgekehrt - solche Pannen wie die eure sind abenteuerlich, wenn man nur zu zweit ist, aber mit zwei Kindern wird sowas auch schon ohne Mücken direkt zum Alptraum...
Viele Grüße, Ruth -
Diese kleine Zeitreise löst bei mir doch sehr viel Wehmut aus, besonders die Fotos! Schade nur, dass durch die recht schlechte technische Qualität häufig nicht allzuviel darauf zu erkennen ist.
1989 hat es mich eher zufällig auf Korsika verschlagen und ich bin dann gleich den nördlichen Teil des GR20 gewandert und zwei Jahre später noch einmal den ganzen Weg. Neben der einfach großartigen Landschaft fand ich dort vor allem noch eine von Menschen weitgehend unberührte Bergwelt vor, und das hatte einen ganz einfachen Grund: das Innere Korsikas war touristisch noch weitgehend unerschlossen. Wer den GR20 wandern wollte, musste jeweils für zweimal eine Woche seinen kompletten Proviant mitnehmen. Ausgewachsene Bergtouren mit Gepäck jehnseits der 20 kg begrenzten die Zahl der Wanderer auf eine recht überschaubare Zahl. Und so konnte ich auf Korsika das finden, was mir im Urlaub am wichtigsten ist: Natur und Abstand zum Alltagsstress.
Seit dem war ich gut ein dutzend mal auf Korsika und musste stets von neuem erleben, wie sich der Massentourismus wieder ein Stück mehr dieser wunderschönen Insel einverleibt hat. Natürlich ist es nur allzu verständlich, wenn die einheimische Bevölkerung auch ihren Anteil am wirtschaftlichen Wohlstand haben möchte. Und da gibt es für eine Insel wie Korsika kaum eine Alternative zur Tourismusindustrie. Wenn ich aber die Fotos dieses Reiseberichts aus den 70er und 80er Jahren sehe und auf meine eigenen Aufnahmen aus fast 20 Jahren blicke, werde ich einfach nur traurig. Bastia, noch 1989 eine überschaubare Kleinstadt, erstreckt sich mittlerweile über eine Länge von 20 km entlang des Küstenstreifens, erfüllt von brüllendem Verkehr. Die Ostküste des Cap Corse ist eine einzige eng bebaute Siedlung, in der die ursprünglichen Ortschaften verschwunden sind. Die Küsten werden mit Ferienhaussiedlungen zugebaut, Stichstrassen führen die Strandurlauber problemlos in die Hochgebirgsregionen, so dass sie für Abstecher zum Lac de Nino nicht einmal mehr ihre Badelatschen gegen Wanderschuhe tauschen müssen. Die einst spartanischen Hütten gleichen mehr und mehr den gastronomischen Monstern unserer Alpen. Im Juni 2000 habe ich noch mit Mühe einen Biwakplatz inmitten einer regelrechten Zeltstadt an der Manganu-Hütte ergattern können.
2008 habe ich mich von meiner alten Liebe Korsika verabschiedet. Unser Sohn wurde eingeschult, und so bleiben mir für den Jahresurlaub für die nächsten 10 Jahre leider nur die Sommermonate. Von Mitte Juni bis Mitte September aber ist Korsika mittlerweile überschwemmt von hunderttausenden Urlaubern, die allesamt Ruhe und Erholung suchen, aber nur Trubel, Verkehrslärm und Diskogedudel finden. Mit guter Ortskenntnis kann man im Frühjahr und Herbst noch etwas vom ursprünglichen Zauber Korsikas finden. In der Hauptsaison aber wird Korsika zu Tode geliebt. Wohlstand hin oder her, Korsika hat seine Seele verkauft. -
Allen ein Dankeschön für die Kommentare und Rückmeldungen.
Zur Qualität der Bilder möchte ich erwähnen, dass die alten Negative und Dias in einem furchtbar schlechten Zustand waren, der alte Zustand ruhig deutlich werden kann und ich nach dem Aufbereiten noch halbwegs zufrieden bin.
Sie sollen auch nur einfach einen Eindruck vermitteln, ohne einen Wettbewerb zu gewinnen.
Ich hatte schon überlegt, noch einmal hinzufahren, die Beschreibung von dpfuhl und ruma94 lässt mich zögern, da offensichtlich eingetreten ist, was der korsische Patriot aus Corte seinerzeit befürchtet hat.
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