Besonderes Jahr Wegen des Mondkalenders: Ramadan und Fastenzeit beginnen zur selben Zeit

Zwei etwas dickere Fastenbrezeln liegen in einem Brotkorb
Brezeln aus Hefeteig sind seit dem Mittelalter ein traditionelles Fastengebäck, denn damals wurde in der Fastenzeit auch auf Eier und Milchprodukte verzichtet
© Manuela Paki-Costa
Das gibt es nur sehr selten: Gläubige Christen und Muslime fangen gemeinsam mit dem Fasten an. 

Der Karneval ist vorbei. Am Aschermittwoch beginnt für gläubige Christen die Fastenzeit, sie endet erst am Ostersonntag. Und wenn am Mittwochabend die Sonne untergegangen ist, beginnt auch der Ramadan. Die gläubigen Muslime fasten dann einen Monat lang.

Dass Christen und Muslime überall auf der Welt in diesem Jahr gleichzeitig mit dem Fasten beginnen und mehrere Wochen gemeinsam Verzicht üben, ist etwas Besonderes. Frühestens in 33 Jahren könnte so etwas wieder vorkommen.

Das liegt daran, dass der islamische Kalender ein Mondkalender ist: Ein Monat ist also so lang, wie der Mond benötigt, um die Erde einmal zu umkreisen – etwa 29,5 Tage. Deshalb haben die Monate im islamischen Kalender immer 29 oder 30 Tage, das islamische Jahr umfasst zwölf Monate mit 354 Tagen (Schaltjahr: 355).

Der Sonnenkalender dagegen beruht auf der Zeit, die die Erde braucht, um einmal die Sonne zu umkreisen, also rund 365,25 Tage. 

Da jedes islamische Jahr im Vergleich zum Sonnenjahr rund 11 Tage kürzer ist, verschiebt sich der Beginn eines neuen islamischen Jahres jedes Jahr um diese Zeitdauer nach vorne. Und auch der Beginn einzelner Monate wandert um diese rund 11 Tage nach vorne. 

Der Beginn des Fastenmonats Ramadan bewegt sich so im Lauf der Zeit durch den Lauf des Sonnenjahrs, mal beginnt er im Herbst, mal im Sommer. Und alle 33 Jahre ist er einmal durchgewandert und beginnt wieder Mitte Februar. 

Aber es ist noch komplizierter: Denn auch der Aschermittwoch ist ein beweglicher Feiertag. Er fällt auf den 46. Tag vor Ostersonntag. Ostersonntag ist nun ebenfalls ein beweglicher Feiertag, nämlich der erste Sonntag nach Frühlingsbeginn am 21.3. Das bedeutet, dass Aschermittwoch in einem Jahr frühestens auf den 4. Februar und spätestens auf den 25. April fallen kann. 

Das nun in einem Jahr, wie eben 2026, der Beginn des Ramadan genau auf den Aschermittwoch fällt, ist entsprechend selten. 

Die orthodoxen Christen beginnen mit dem Osterfasten dieses Jahr übrigens am 23. Februar. Das liegt daran, dass das orthodoxe Kirchenjahr dem alten julianischen Kalender folgt – aber das ist eine andere Geschichte.

Der Glaube an einen einzigen Gott
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Wann und wo setzte sich der Glaube an einen einzigen Gott durch?

Das Fasten vereint beide Weltreligionen, unterscheidet sie aber auch: Die Muslime nehmen während des Ramadans von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang keine Nahrung zu sich. Auch getrunken wird nicht. Nur in den dunklen Abend- oder frühen Morgenstunden vor der Dämmerung werden Speisen und Getränke gereicht. Alte, Kranke, Schwangere und Kinder sind vom Gebot des Fastens ausgenommen. Wenn ein Gläubiger schwer arbeiten oder gar kämpfen muss, darf er etwas zu sich nehmen und die Fastentage später nachholen.

Im Christentum erinnern sich die Gläubigen beim Fasten an die 40 Tage und Nächte, die der junge Jesus in der Wüste verbracht haben soll. Laut dem Matthäus-Evangelium widerstand er in dieser Zeit den Versuchungen des Teufels. Unter anderem forderte der ihn auf, wenn er glaube, Gottes Sohn zu sein, solle er doch Steine in Brot verwandeln. 

Heutzutage verzichten gläubige Christen während der Fastenzeit meist auf Fleisch, Alkohol und Naschwerk, hungern aber nicht. An Sonntagen darf ganz normal gegessen, sogar geschlemmt werden.