In den Zwanzigerjahren scheint alles möglich. In vielen Regionen der Erde kommt es nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zu einer beispiellosen Dekade des radikalen Auf- und Umbruchs, voller technischer, kultureller und sozialer Errungenschaften, aber auch voller Abgründe und Gegensätze. Dies ist die Zeit, da zwei miteinander konkurrierende deutsche Luftverkehrsunternehmen unter anderem wegen finanzieller Schwierigkeiten eine Fusion eingehen, um ihre Ambitionen zu bündeln.
Am 6. Januar 1926 schließen sich die Junkers Luftverkehr AG und der Deutsche Aero Lloyd zusammen. Die neue Firma trägt den Namen "Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft", angelehnt an den mittelalterlichen Handelsverbund der Hanse.
Der Erstlingsflug hebt am 6. April 1926 in Berlin-Tempelhof ab. An Bord eines Hochdeckers vom Typ Fokker-Grulich geht es für vier Passagiere, mehr Plätze hat die Maschine nicht in der geschlossenen Kabine, über Halle, Erfurt und Stuttgart nach Zürich. Die Reisegeschwindigkeit beträgt 120 km/h. Der Pilot sitzt bei dem ersten Linienflug der Luft Hansa noch im Freien.
Doch erst als die Restriktionen, die dem Deutschen Reich durch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs 1919 auferlegt worden waren, für die zivile Luftfahrt im Mai 1926 gelockert werden, kann das Unternehmen wirklich durchstarten. Streckennetz und Angebot wachsen rasant.
Aber über der Firmengründung liegt ein dunkler Schatten
Allerdings konnten Historiker aufzeigen, dass von Anfang an auch das Militär beziehungsweise an der Aufrüstung interessierte Kräfte im Deutschen Reich in die Entwicklung der Firma involviert waren, sie quasi als Deckmantel benutzten, um die Restriktionen der Siegermächte zu unterlaufen. Die Rolle der Lufthansa (so die Schreibweise seit 1933) in der Zeit des Nationalsozialismus ist zudem Gegenstand einer aktuellen Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte. Denn auch das ist Gewissheit: Die Lufthansa war mit dem NS-Regime verflochten, hat unter anderem Maschinen geliefert, Piloten für die Streitkräfte ausgebildet und während des Zweiten Weltkrieges Tausende nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in ihren Wartungshallen eingesetzt.
Die heutige Lufthansa ist keine juristische Nachfolgerin der mit dem Ende des NS-Regimes abgewickelten Fluggesellschaft, sie ist aus der Neugründung des Unternehmens in den 1950er-Jahren hervorgegangen, aber mit der "ersten" Lufthansa in vielerlei Hinsicht verbunden.