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Energiegewinnung Könnten wir Solarenergie aus dem Weltall beziehen?

Zukunftstechnik mit Potenzial: Energiegewinnung durch ein Sonnenkraftwerk im Erdorbit
Zukunftstechnik mit Potenzial: Energiegewinnung durch ein Sonnenkraftwerk im Erdorbit
© ESA
Mit Fotovoltaik-Anlagen im Weltall könnte viel Energie gewonnen werden. Doch die Energie aus dem All zur Erde zu transportieren, ist kniffelig: Es gilt, eine Distanz von rund 36.000 Kilometern zu überwinden

Fotovoltaik-Anlagen würden im Weltraum rund um die Uhr viel mehr Sonnenenergie ernten. Um so viel Strom wie ein irdisches Kernkraftwerk zu erzeugen, müsste so eine Anlage zwar rund 15 Quadratkilometer groß sein. Trotzdem könnten sich entsprechende Projekte womöglich bald lohnen: "Das Konzept ist bereit für einen industriellen Ansatz", so der Leiter der zuständigen Abteilung bei der Europäischen Weltraumorganisation (Esa), Leopold Summerer, im vergangenen Dezember. Die Esa fördert 13 Forschungsprojekte zum Thema – denn obwohl die Idee eines solchen Solarkraftwerks schon ein Vierteljahrhundert alt ist, muss noch viel Entwicklungsarbeit bewältigt werden. 

Dennoch könnte der Sprung von der Theorie in die Praxis gelingen. Die Technik wird immer konkreter, auch für knifflige Probleme wie den kabellosen Transport der Solarenergie aus dem Weltall zur Erde. Der soll per Mikrowelle funktionieren: So testet etwa das US-Militär seit Mitte 2020 das Mikrowellen-Antennenmodul "Pram" im Orbit. Die Vorreiter der Technik kommen aber aus Japan: Dort konnten Forschende schon 2015 zehn Kilowattstunden via Mikrowelle zu einem 500 Meter entfernten Empfangsgerät "beamen" (wobei unklar ist, wie viel Energie genau davon am Ziel angekommen ist). Die Distanz zu einem Solarkraftwerk im Erdorbit wäre zudem weit größer: rund 36 000 Kilometer, denn die riesigen Anlagen sollen in einer geostationären Umlaufbahn platziert werden. Und bei den Energiemengen geht es nicht um Kilowatt, sondern um Größenordnungen im Gigawattbereich. 

Energiegewinnung mit einem geostationären Kraftwerk könnte in 20 bis 30 Jahren realisiert werden 

Trotz aller Herausforderungen: Ein geostationäres Kraftwerk mit bis zu einem Gigawatt Leistung könne in 20 bis 30 Jahren realisiert werden, heißt es in einem Bericht für die Nasa aus dem Jahr 2012. Ab der Jahrhundertmitte könnten dann jährlich knapp neun Milliarden kWh geerntet werden (Zum Vergleich: Ein Atomkraftwerk mit der Leistung von Neckarwestheim liefert gut elf Milliarden kWh pro Jahr). Ähnlich wird in China kalkuliert: Bis 2050 will man sich dort zum kommerziell nutzbaren Solarkraftwerk im Weltall vorarbeiten. Schon 2025 soll aber angeblich ein funktionierendes Mini-Sonnenkraftwerk in etwa 20 Kilometer Höhe positioniert werden.


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