Highlights am Sternenhimmel Im Dezember locken Weihnachtsstern, Rekord-Vollmond und Sternschnuppen

Während das Planetarium Hamburg im April 90 Jahre alt wurde, feiert sein Direktor Prof. Thomas W. Kraupe diesen Dezember sein 20. Jubiläum im Sternentheater der Hansestadt. In Kooperation mit dem Planetarium Hamburg stellt der Astrophysiker bei uns jeden Monat die Highlights am Sternenhimmel vor. Und der diesjährige Dezember hält etwas ganz Besonderes für Sternfreunde bereit
Geminiden

Anfang bis Mitte Dezember erleben wir den Meteorschauer der „Geminiden“. Ihr Ausstrahlungspunkt, der „Radiant“, liegt nahe dem Stern Kastor in den Zwillingen – und Gemini ist die international gebräuchliche lateinische Bezeichnung für die Zwillinge. (Symbolbild)

Am 21. Dezember erleben wir auf der Nordhalbkugel unserer Erde mit der sogenannten Wintersonnenwende den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres. Denn die Sonne erreicht im Sternbild Schütze den südlichsten Punkt ihres jährlichen Wegs durch den Tierkreis – den „Wendekreis des Steinbocks”. Bei guten Wetterverhältnissen haben wir somit viel Zeit, den Sternenhimmel zu bewundern. Und es lohnt sich: Uns zeigt sich eine einzigartig enge Begegnung zweier Riesenplaneten.

Den ganzen Dezember schon rückt Jupiter immer näher an Saturn heran, bis die beiden Gasriesen schließlich am Tag der Wintersonnenwende gegen 17 Uhr nah des Südwest-Horizonts ein fantastisches Doppelgestirn bilden. Jupiter erstrahlt wie ein brillanter Juwel in der Abenddämmerung und daneben schimmert der deutlich schwächere Saturn. Wer normalsichtige Augen hat, wird die beiden dicht zusammenstehenden „Sterne“ als spektakulären Anblick erblicken, denn der Abstand zwischen den beiden Gasriesen beträgt nur ein Zehntel Grad. Mit einem Fernrohr sehen wir sie bei mittlerer Vergrößerung sogar gleichzeitig in ein und demselben Gesichtsfeld.

Wir nennen dieses Schauspiel am Firmament „Große Konjunktion“. Zu dieser kommt es, da Jupiter in rund zwölf Jahren und Saturn in knapp 30 Jahren einmal um die Sonne wandern und der schnellere Jupiter den langsameren Saturn alle 20 Jahre überholt. Das nächste Mal ist es also 2040 wieder soweit. Doch so nahe wie zur diesjährigen Wintersonnenwende kamen sich die beiden Planeten von unserer Erde aus gesehen seit vielen Jahrhunderten nicht: Erst am 15. März 2080 wird Jupiter ähnlich knapp an Saturn vorbeiziehen – und wie 2020 im Sternbild Steinbock. Die meisten von uns beobachten am 21. Dezember also die engste Begegnung zweier Planeten, die sie jemals erleben können. Gemeinsam bilden Sie einen unvergesslichen „Weihnachtsstern“. Aber aufgepasst: beide Planeten sinken bereits gegen 19 Uhr zum Horizont.

Im Dezember locken Weihnachtsstern, Rekord-Vollmond und Sternschnuppen

Professor Thomas W. Kraupe studierte Mathematik und Physik an der Universität München. Seit dem Jahr 2000 leitet er als Direktor das Planetarium Hamburg und hat es zum erfolgreichsten Sternentheater im deutschsprachigen Raum gemacht.

An dieser Stelle wird er nun monatlich die Highlights am Sternenhimmel erklären, die uns erwarten.

Das Rätsel des „Stern von Bethlehem“

Tatsächlich wird auch eine Begegnung von Jupiter und Saturn, die im Jahre 7 vor Beginn unserer christlichen Zeitrechnung stattfand, als plausible Erklärung für das Phänomen des „Sterns von Bethlehem“ gehandelt. Diese „Große Konjunktion“ fand im Sternbild der Fische statt und war mit etwa 1 Grad Abstand nicht einmal annähernd so spektakulär wie das Ereignis zur diesjährigen Wintersonnenwende. Allerdings handelte es sich damals um eine sehr seltene „dreifache Begegnung“. Denn beide Planeten wurden gleichzeitig auch noch von unserer Erde überholt. Daher blieben sie scheinbar stehen und zurück, was allerdings nur kundigen Himmelsbeobachtern auffallen konnte. Das passt zur Beschreibung durch den Evangelisten Matthäus. Doch was auch immer dieser geheimnisvolle „Weihnachtsstern“ nun war – hoffen wir auf klare Sicht am 21. Dezember und lassen wir uns am dunkelsten Tag des Jahres erneut von einem besonderen „Licht“ in der Abenddämmerung inspirieren – und mit gestärkter Hoffnung in die Zukunft gehen.

Vorweihnachtliches Feuerwerk: die „Geminiden“

Anfang bis Mitte Dezember erleben wir den Meteorschauer der „Geminiden“. Ihr Ausstrahlungspunkt, der „Radiant“, liegt nahe dem Stern Kastor in den Zwillingen – und Gemini ist die international gebräuchliche lateinische Bezeichnung für die Zwillinge. Das Sternbild steht die ganze Nacht am Himmel. Am höchsten befindet es sich zu Mitternacht – perfekt für unsere Beobachtung. Abseits störender Lichter der Stadt können wir vor allem vom 13. auf den 14. Dezember alle paar Minuten Sternschnuppen entdecken. Der Neumond sorgt für einen dunklen Himmel und daher für beste Beobachtungsbedingungen.

Die „Geminiden“ sind die Leuchtspuren von Staubteilchen, die mit hoher Geschwindigkeit auf unsere Erdatmosphäre prallen und in etwa 100 Kilometer Höhe verglühen. Soweit bekannt, stammen sie vom Asteroiden Phaeton, der offenbar ein „abgestorbener“ Kometenkern ist. Die Erde rast jedes Jahr im Dezember durch die Staubwolke, die dieser Brocken in seiner Bahn um die Sonne hinterlassen hat.

Rekord-Vollmond läutet den Jahreswechsel ein

In der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember steht der Mond als letzter und zugleich höchster Vollmond des Jahres „links über“ dem prächtigen Wintersternbild Orion der Sonne genau gegenüber. Ein wunderschöner Anblick, da er inmitten des strahlenden „Wintersechsecks“ aus hellen Sternen wie Sirius und Aldebaran leuchtet. Die Nacht vor Silvester ist somit auch die längste Vollmondnacht des Jahres. Zum Jahreswechsel steht unser Mond aber noch immer rundlich hell am Firmament.