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Trockenmittel Nicht wegwerfen: Wie man Silica-Gel weiterverwendet

Silica-Gel-Tütchen liegt auf einem Holztisch
Silica-Gel ist nichts anderes als Kieselgel
© mahnoionline - Adobe Stock
Schuhe, Klamotten, Elektrogeräte: Häufig liegen solchen Einkäufen Tütchen mit Silica-Gel bei. Viele schmeißen die mit kleinen Kügelchen gefüllten Beutel einfach weg – was man besser nicht tun sollte. Sie sind nämlich praktische Allrounder im Haushalt

Die Worte "Nicht essen!" und "Wegwerfen!" springen vielen sofort ins Auge, wenn sie ein Silica-Gel-Tütchen in den Händen halten. Häufig liegen die kleinen weißen Beutel den Verpackungen von Elektronikgeräten bei, finden sich aber auch in Versandverpackungen von Schuhen und Kleidung.

Tatsächlich aber sollte man die mit Silica-Gel gefüllten Päckchen nicht achtlos in den Müll werfen. Denn auch, wenn es der Aufdruck vermuten lässt: giftig sind die weißen Tütchen nicht. Verschlucken sollte man ihren Inhalt aber dennoch nicht.

Silica-Gel ist nichts anderes als Kieselgel

Wer einen solchen Beutel in den Händen hält, fragt sich schnell: Wofür ist er eigentlich gut? Ist der Inhalt giftig? Kann ich das Tütchen im Hausmüll entsorgen oder vielleicht doch noch sinnvoll weiter nutzen?

Die Antwort: Die Tütchen mit den Kügelchen werden als Trocknungsmittel eingesetzt. Bei den Kügelchen handelt es sich in der Regel um ein ungiftiges Trockenmittel aus Kieselgel. Chemisch betrachtet ist Kieselgel eine poröse Form von Siliciumdioxid, also amorphe Kieselsäure in festem Zustand.

Kieselgel, auch Silica-Gel genannt, zieht Feuchtigkeit an und bindet sie. Über 40 Prozent des eigenen Gewichts kann ein mit Silica-Gel gefülltes Päckchen aufnehmen.

Aus diesem Grund eignen sich die Beutelchen mit Silica-Gel zum Trocknen oder Trockenhalten von vielen Produkten, zum Beispiel Elektronikgeräten und Werkzeugen, wichtigen Dokumenten, Kleidung und Schuhen. Wer die Päckchen entsorgen möchte, kann diese einfach in den Restmüll werfen.

Wie giftig ist Silica-Gel?

Liegt das Silica-Gel in reiner, weißer Form vor, ist es nicht gesundheitsgefährdend. In Europa wird heutzutage fast ausschließlich diese ungefährliche Variante des natürlichen weißen Kieselgels verwendet. Manchmal werden den kleinen Kügelchen allerdings Zusatzstoffe hinzugefügt, die farblich anzeigen, ob die Kügelchen bereits Feuchtigkeit aufgenommen haben. Diese werden als gesundheitsgefährdend eingestuft.

Die blaue, mit Cobaltchlorid gefärbte Variante des Kieselgels ist bedenklich. Kobaltchlorid wird als krebserzeugend eingestuft, wenn es eingeatmet wird. Blaues Kieselgel wechselt die Farbe von Blau nach Rosa, wenn es mit Feuchtigkeit gesättigt ist.

Manchmal wird dem Silica-Gel auch ein Farbstoff aus der Gruppe der Triphenylmethane beigefügt, der im trockenen Zustand orange ist und im feuchten grün wird. Dieser Farbstoff gilt ebenfalls als möglicherweise krebserregend.

Tütchen mit Kieselgel weiterverwenden

Da in Europa fast ausschließlich das ungefährliche, natürliche Kieselgel als Trocknungsmittel in den Beuteln verwendet wird, kann man sich dessen Eigenschaft, Luftfeuchtigkeit zu binden, zunutze machen. Im Haushalt sind Silica-Gel-Beutel wahre Wundermittel. Wie Sie das Silica Gel einsetzen können, erfahren Sie im Folgenden.

1. Smartphone retten

Wenn das Smartphone aus Versehen feucht geworden ist, lässt sich das Gerät eventuell noch mithilfe von Silica-Gel-Beutelchen retten. Dazu legt man es so schnell wie möglich in einen mit Silica-Päckchen gefüllten Behälter oder Beutel und verschließt diesen luftdicht. Die Tütchen entziehen dem Smartphone nach und nach die Feuchtigkeit. So wird die Gefahr langfristiger Schäden am Gerät minimiert.

2. Nasse Schuhe trocknen

Manchmal kann das Wetter überraschend schnell umschlagen. Wer von einem Regenschauer überrascht wurde und mit nassen Lederschuhen nach Hause kommt, kann diese schonend mit Silica-Gel-Beuteln trocknen. Während langes Föhnen oder das Trocknen auf der Heizung das Leder auf Dauer porös und spröde macht, funktioniert es mithilfe von Kieselgel nachhaltiger.

Dazu legt man einige Beutelchen in jeden Schuh und lässt sie für einige Stunden, am besten über Nacht, darin. Am nächsten Tag werden die Schuhe schon um einiges trockener sein. Bei Bedarf die Kieselgel-Päckchen austauschen.

3. Wichtige Dokumente schützen

Wer wertvolle Dokumente zuhause aufbewahrt, sollte diese stets vor Nässe und Licht geschützt lagern. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, legt die Dokumente in einen Behälter und einige Tütchen mit Kieselgel dazu. Falls doch einmal hohe Luftfeuchtigkeit eindringen sollte, so binden die Kieselgel-Beutel die Feuchtigkeit sofort und die wichtigen Dokumente bleiben sicher und trocken. Wer seine Dokumente lieber in einem Aktenordner sammelt, tut diese am besten in eine Klarsichtfolie, heftet diese ab und tut auch da ein Beutelchen hinein.

4. Gerüche minimieren

Häufig genutzte Dinge wie beispielsweise Sporttaschen entwickeln nach einer gewissen Zeit unangenehme Gerüche. Wer frühzeitig zwei bis drei Silica-Gel-Tütchen hineinlegt, kann verhindern, dass sich die Feuchtigkeit verschwitzter Sportklamotten oder Socken im Inneren ausbreitet. Das wirkt der Entstehung von Bakterien und Pilzen entgegen, die Hauptursache unangenehmer Gerüche sind.

5. Werkzeug vor Feuchtigkeit schützen

Hochwertiges Werkzeug ist häufig teuer. Dazu sind Geräte aus Metall anfällig für Rost – besonders, wenn sie im Keller oder in der Garage gelagert werden. Auch in diesem Fall können Silica-Gel-Tütchen helfen. Wer einige Päckchen mit in die Werkzeugkiste oder in die Schublade legt, verlängert die Lebensdauer der Arbeitsgeräte.

6. Vorzeitiges Keimen verhindern

So manche Gärtnerinnen und Gärtner sammeln das ganze Jahr über Pflanzensamen, um diese im nächsten Jahr auszusäen. Damit die Samen allerdings nicht vorzeitig keimen, kann ein Silica-Gel-Tütchen mit in die Aufbewahrungsdose gelegt werden. Dieses bindet eindringende Feuchtigkeit und verhindert so, dass die Samen zu früh aus ihrem "Winterschlaf" erwachen.

7. Beschlagene Gläser vermeiden

Wenn es draußen kalt ist und drinnen warm, beschlagen Gläser schnell. Fotografinnen und Brillenträger kennen dieses Problem nur zu gut. Trick 17: Wer ein Silica-Gel-Tütchen mit ins Brillenetui oder in die Kameratasche packt, kann beschlagenen Gläsern und Kameraobjektiven entgegenwirken.

Der Grund: Je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Trifft die gesättigte Luft nun auf die kalte Glasscheibe, kühlt sie ab und muss einen Teil ihrer Feuchtigkeit an die Oberfläche abgeben: Das Wasser kondensiert auf dem Glas, die Scheibe beschlägt. Tütchen mit Kieselgel nehmen diese Feuchtigkeit in einem solchen Fall auf, das Glas beschlägt nicht mehr.

Trockenmittel in Silica-Gel-Päckchen wiederverwendbar machen

All diese Tipps zeigen: Es lohnt sich immer, einen Vorrat an Silica-Gel-Beutelchen zuhause zu haben. Und das Gute dabei: Wurden die kleinen Beutel mit den Kügelchen einmal benutzt, muss man sie danach nicht wegwerfen. Sie lassen sich als Trockenmittel nämlich wiederverwenden, auch wenn sie sehr feucht geworden sind.

Dazu muss die aufgenommene Feuchtigkeit allerdings zunächst wieder entzogen werden. Das ist mithilfe eines Backofens ganz einfach: Man legt die Kügelchen nach dem Gebrauch einfach gesammelt in den warmen Backofen. Eine halbe Stunde bei 100 bis 120 Grad Celsius reichen aus.

Da jede Ofennutzung aber eine Menge Energie verbraucht, sollte man das Trocknen des Kieselgels bestenfalls direkt im Anschluss an einen Backvorgang im Ofen anschließen. So lässt sich die Restwärme nutzen. Aber Achtung: Wenn die Kieselgel-Kügelchen noch in einer Papierverpackung stecken, muss diese vor dem Backen entfernt werden. Das Papier könnte sonst anbrennen!

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