Lepra-Skandal Die Insel der Vergessenen: Ein Besuch in Japans Leprakolonien

Strand der Insel Oshima
Die Schönheit trügt: Für die Internierten kam das Meer einer Mauer gleich. Strömungen verhinderten die Flucht. Manche gingen trotzdem ins Wasser – um ihr Leid zu beenden
© Enno Kapitza
Leprakolonien in Japan? Das klingt nach ferner Vergangenheit. Doch es gibt sie bis heute. Ihre Bewohner sind zwar längst geheilt – aber Aussätzige sind sie geblieben. GEO-Reporter haben die letzten Überlebenden auf der Insel Oshima besucht
Fotos: Enno Kapitza, Text: Ines Possemeyer

Kiyoshis erstes Leben endet an seinem 17. Geburtstag, im Jahr 1948. Nachts führt ihn sein ältester Bruder heimlich aus dem Dorf. Noch ist Kiyoshi die Krankheit nicht anzusehen. Nur am Bauch hat er gefühllose rote Flecken, und Taubheit ist in seine Hände gekrochen, auf dem Feld kann er nicht mehr wie früher zupacken. Da haben Bruder und Mutter beschlossen, dass er wegmuss. Bevor ihn die Gesundheitsbehörde holt. Bevor die Nachbarn etwas merken. Und der Familie womöglich das Haus anstecken. Denn Kiyoshi Wakibayashi hat Lepra.


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