Küsten sind lebenswerte Orte. Schon immer siedelte der Mensch gern am Meer, das ihn mit Nahrung versorgte und einen gewissen Schutz gewährte. Von Küsten aus eroberte der Mensch die Welt. Heute leben etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung nahe einer Küste, in Europa sind es um die 100 Millionen Menschen. 13 der 20 größten Megastädte der Erde liegen in Küstennähe.
Genau diese Beliebtheit wird nun zum Verhängnis, denn Küsten sind gleich doppelt bedroht: Der hohe Siedlungsdruck führt schon heute dazu, dass Grundwasser übernutzt wird, während durch den Meeresspiegelanstieg die Reserven versalzen. Und wo das Grundwasser zurückgeht, kann das salzige Meerwasser noch leichter eindringen. Eine großangelegte Studie konnte den Schaden nun beziffern: Mehr als 20 Prozent aller untersuchten Küstengebiete weltweit sind betroffen.
Die Untersuchung ist gerade in der Fachzeitschrift "Nature Water" erschienen. Das Forschungsteam um Robert Reinecke vom Institut für Geographie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Annika Nolte vom Climate Service Center Germany in Hamburg griff dafür auf Messwerte aus fast einer halben Million Brunnen überall auf der Welt zurück. Zwischen 1990 und 2024 sank bei einem Fünftel von ihnen der Grundwasserpegel, teilweise über 50 Zentimeter in nur einem Jahr.
An manchen Orten stieg das Grundwasser dagegen auch. "In welchem Maße sich die Grundwasserspiegel verändern, variiert deutlich – innerhalb vieler Regionen auch kleinräumig", sagt Robert Reinecke. Allerdings registrieren die Forschenden seit 2016 zunehmend sinkende Pegel, vor allem an Küsten der USA und Zentralamerikas, im Mittelmeerraum, in Südafrika, in Indien sowie im Süden Australiens.
Weil Küstengrundwasser so anfällig für eindringendes Salzwasser ist und gleichzeitig sehr viele Menschen davon abhängen, könnten die Auswirkungen in Zukunft sogar noch gravierender sein. "In den kommenden 50 Jahren kann es in allen Küstengebieten der Welt zu Trinkwasserproblemen kommen", warnt Reinecke. Das sei nicht nur problematisch für die Trinkwasserversorgung der Küstenbewohner und -bewohnerinnen sowie der Ökosysteme dort. Denn schließlich werden an Küsten viele Lebensmittel für den Weltmarkt erzeugt. Und leidet der, trifft das auch Menschen, die weit entfernt vom Meer leben.