Fragen und Antworten Radioaktive Strahlung in der Wohnung: Das sollten Sie über Radon wissen

Radon
Wurde erst 1899 entdeckt: das radioaktive Element Radon, ein Edelgas
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Etwa 2800 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an einem Gas, das kaum jemand kennt – das aber überall vorkommt: Radon. Wir beantworten die wichtigsten Fragen

Was ist Radon?

Radon ist ein so genanntes Edelgas, das überall auf der Welt vorkommt. Es entsteht beim Zerfall von im Boden natürlich vorkommenden Uran. Radon ist chemisch instabil, zerfällt rasch und sendet dabei radioaktive Strahlung aus. Das macht es problematisch für die menschliche Gesundheit. Für den Strahlenschutz wichtig ist das Isotop Radon-222, das beim Zerfall von Uran entsteht. Es zerfällt mit einer Halbwertszeit von 3,8 Tagen nacheinander zu radioaktiven Isotopen der Schwermetalle Polonium, Wismut und Blei.

Wie gesundheitsschädlich ist das Gas?

Das Gas selbst ist nicht gesundheitsschädlich. Was Radon gefährlich macht, sind seine Zerfallsprodukte, die sich an kleinste Partikel in der Luft, zum Beispiel Wassertröpfen, anlagern. Werden sie mit diesen eingeatmet, zerfallen sie in der Lunge weiter und senden dabei Strahlung aus. Diese Strahlung kann Zellen in der Lunge schädigen und so Krebs auslösen.

Laut aktuellen Berechnungen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) von 2024 gehen rechnerisch circa 6,3 Prozent (das entspricht etwa 2800 Fällen pro Jahr) aller Lungenkrebstodesfälle in Deutschland auf Radon in Wohnungen zurück.

Laut Physikalisch-Technischer Bundesanstalt (PTB) gilt Radon als zweitgrößter Risikofaktor für Lungenkrebs nach dem Rauchen. Hans Drexler, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), hält die Gesundheitsgefahr, die von Radon ausgeht, für die "wohl am meisten unterschätzte in Deutschland".

Wo in Deutschland ist die Belastung besonders hoch?

Die höchsten Konzentrationen von Radon 222 in der Bodenluft sind laut den Karten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) in Deutschland am Alpenrand, im Schwarzwald, im Bayerischen Wald, im Fichtelgebirge, im Erzgebirge, im Thüringer Wald und im Harz zu finden. Allerdings lässt dieser regionale Überblick kaum Rückschlüsse auf die tatsächliche Belastung im eigenen Haus zu. Die kann von einem Grundstück zum nächsten stark variieren und hängt zudem von den baulichen Gegebenheiten ab. Im Zweifel muss also immer gemessen werden.

Welche Häuser sind besonders gefährdet?

Im Jahresmittel liegt die durchschnittliche Belastung in Deutschland in Aufenthaltsräumen bei 50 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft. Selten werden jedoch auch Werte von mehr als 1000 Becquerel pro Kubikmeter gemessen. 

Ein erster Anhaltspunkt für eine möglicherweise hohe Radon-Belastung bietet der Blick auf entsprechende Karte des BfS, die Gegenden ausweist, die die Radonwerte in Gebäuden (nicht im Boden) ausweist.

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Neben der Region ist die Bauweise des Hauses für die Radon-Belastung bedeutsam. Fehlt eine durchgehende Bodenplatte aus Beton, kann vermehrt Gas eindringen. Auch eine mangelhafte Abdichtung gegen das Eindringen von Feuchtigkeit, schlecht abgedichtete Leitungsführungen, Spalten und Risse bieten dem Gas Eintrittspforten.

Warum sollte man beim Arbeiten im Keller vorsichtig sein?

Die Höhe der Radon-Konzentrationen in Gebäuden ist sehr unterschiedlich. Das BfS rät allerdings davon ab, dauerhaft im Keller zu arbeiten – sofern vorher nicht die Radon-Belastung gemessen wurde. Gerade in Kellerräumen, die unter der Erdoberfläche liegen, kann durch undichte Stellen in der Bodenplatte, im Mauerwerk oder an Leitungsanschlüssen Radon aus dem umgebenden Erdreich eindringen – und sich anreichern. "In Kellerräumen werden mitunter Radon-Konzentrationen erreicht, die auf Dauer gesundheitsgefährdend sind", sagte Bernd Hoffmann, Leiter des Fachgebiets Radon im BfS, gegenüber der Wirtschaftswoche.

Wann gelten Radon-Messwerte als bedenklich?

Ein gültiger, festgelegter Schwellenwert, unterhalb dessen Radon mit Sicherheit nicht zu einer Erhöhung des Risikos für Lungenkrebs führt, ist bislang nicht bekannt. Fest steht aber: Das Risiko, das von Radon ausgeht, ist umso höher, je höher die Radonkonzentration in der Luft ist und je länger man dieser ausgesetzt ist. Gesundheitliche Risiken durch Radon lassen sich in Studien – trotz statistischer Unsicherheiten – ab etwa 100 Becquerel pro Kubikmeter belegen. 

Das Strahlenschutzrecht regelt den Schutz vor Radon in Aufenthaltsräumen und an Arbeitsplätzen in Deutschland. Für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze in Innenräumen gilt jeweils ein Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter für die über das Jahr gemittelte Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Luft. Dabei entsprechen 300 Becquerel pro Kubikmeter 300 Radonzerfällen pro Sekunde und pro Kubikmeter Raumluft.

In Deutschland wurde der Referenzwert 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft gewählt, weil dieser laut Bundesumweltministerium einen guten Schutz bietet und gleichzeitig im gesamten Bundesgebiet praktisch umsetzbar ist. "Referenzwert" bedeutet: Wird dieser Wert überschritten, sollen Maßnahmen geprüft und in der Regel ergriffen werden. Er ist aber kein klassischer Grenzwert, ab dem ein Aufenthalt verboten wäre. 

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Die WHO sieht bereits ab 100 Becquerel pro Kubikmeter eine messbare Zunahme des Lungenkrebsrisikos und empfiehlt, diesen Wert als Ziel- bzw. Richtwert anzustreben, wenn technisch und wirtschaftlich machbar. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt für Neubauten, Radonkonzentrationen von mehr als 100 Becquerel pro Kubikmeter im Jahresmittel möglichst zu vermeiden. 

Die Radon-Schwellenwerte im Überblick:

  • Bis etwa 50-60 Bq/m³: Bereich der durchschnittlichen Innenraumbelastung in Deutschland; aus Vorsorgegründen ist eine weitere Senkung zwar sinnvoll, aber nicht dringend.
  • 100-300 Bq/m³: Aus gesundheitlicher Sicht bereits erhöht, langfristig mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko verbunden; hier empfehlen Fachleute, Lüftungsgewohnheiten und bauliche Schwachstellen zu prüfen und möglichst zu reduzieren.
  • Über 300 Bq/m³ (Jahresmittel): Überschreitung des gesetzlichen Referenzwerts; hier gelten Messwerte als klar "bedenklich", und es sollten gezielt Minderungsmaßnahmen (Abdichten, Lüftung, ggf. bauliche Sanierung) geplant werden.
  • Über 1.000 Bq/m³: Deutlich erhöhte Belastung, bei der Fachstellen zu einer raschen Ursachenanalyse und Sanierung raten, weil das langfristige Risiko stark ansteigt.

Kann ich die Radon-Belastung selbst messen?

Eine zuverlässige Bestimmung der Radon-Belastung ist nur mit einem Messgerät möglich. Das BfS dafür so genannte passive Detektoren, auch Kernspurdosimeter genannt. Eine Liste mit qualitätsgeprüften Anbietern stellt das BfS bereit (unter dem Menüpunkt "Wo bekomme ich Messgeräte?"). Dabei handelt es sich um kleine Plastikbehälter, in deren Inneren die Zerfallsprodukte des Radon auf einer Detektorfolie Spuren hinterlassen. Die Detektoren werden nach Ablauf von drei bis zwölf Monaten an den Anbieter zurückgesandt und ausgewertet. So eine Messung kostet laut BfS zwischen 30 und 50 Euro.

Welche Maßnahmen kann man ergreifen?

Wurde eine zu hohe Radon-Konzentrationen in Innenräumen festgestellt, sollten Sie aktiv werden. Eine Sofortmaßnahme ist regelmäßiges Lüften in den betroffenen Räumen; doch Lüften allein reicht in der Regel nicht aus. Neben dem Abdichten des Kellers und der Türen zu angrenzenden Räumen kommt etwa auch ein Absaugen der radonhaltigen Kellerluft in Frage. Solche Maßnahmen müssen allerdings von Fachpersonal geplant und durchgeführt werden, um den Erfolg zu sichern.

Wer in Gebieten mit hoher Radon-Belastung – den sogenannten Radon-Vorsorgegebieten wie dem bayerischen Landkreis Wunsiedel – baut, ist sogar gesetzlich verpflichtet, zusätzliche Schutzmaßnahmen beim Bau umzusetzen. Für Arbeitgeber gilt in solchen Regionen zukünftig eine Messpflicht.

mit Material der dpa