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Streichel mich! Was bei der Interaktion mit Hunden im menschlichen Gehirn passiert

Hund und Frau sitzen am Strand
Forschende konnten nachweisen, dass Interaktionen mit Hunden im Gehirn von Menschen ganz bestimmte Reaktionen auslösen
© Oleksandra - Adobe Stock
Dass die Gesellschaft von Tieren uns Menschen gut tut, ist hinreichend wissenschaftlich belegt. Nun hat ein Forschungsteam der Universität Basel untersucht, zu welchen Reaktionen die Nähe zu Hunden im menschlichen Gehirn führt

Das Streicheln von Hunden wirkt positiv auf die Vorgänge im menschlichen Gehirn. In bestimmten Gehirnbereichen löst die Berührung eines Hundes zudem deutlich stärkere Reaktionen aus als das Streicheln eines Plüschtiers. Zu diesem Schluss kommen Forschende der Universtität Basel in einer kleinen Studie.

Betroffen sei der präfrontale Kortex des menschlichen Gehirns, der zur Regulierung und Verarbeitung sozialer und emotionaler Interaktionen beitrage, berichtet das Team um die Psychologin Rahel Marti in der Fachzeitschrift "PLOS ONE".

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten die Hirnaktivität von 19 Probandinnen und Probanden in Situationen gemessen und verglichen, in denen diese einen echten Hund oder einen ähnlich großes Plüschtier entweder ansahen, berührten oder streichelten. Das Plüschtier hatte dabei eine gefüllte Wärmflasche im Bauch, um in etwa dieselbe Temperatur wie ein echter Hund zu haben und ein Lebewesen zu imitieren.

Streicheln eines Hundes reduziert Stress

Wie sich im Rahmen des Experiments zeigte, stieg die menschliche Hirnaktivität im präfrontalen Kortex zwar sowohl beim Umgang mit dem echten Hund wie auch dem Plüschtier, beim Hund allerdings deutlich stärker. Besonders groß war der Unterschied beim intensivsten Kontakt messbar, dem Streicheln.

Bei jedem weiteren Kontakt mit dem echten Hund stieg die Hirntätigkeit bei den Probandinnen und Probanden zudem noch weiter an – nicht aber bei weiteren Kontakten mit dem Plüschtier.

Das könne mit dem Aufbau einer sozialen Bindung zum echten Tier zu tun haben, vermuten Rahel Marti und ihre Kolleginnen und Kollegen. Die höhere Hirnaktivität hielt nach dem Kontakt mit einem Hund noch an, wenn das Tier schon gar nicht mehr anwesend war. Bei den Plüschtieren war dieser Effekt weitaus geringer.

Die Studie zeige, dass "Interaktionen mit einem Hund möglicherweise mehr Aufmerksamkeitsprozesse aktivieren und eine stärkere emotionale Erregung hervorrufen als vergleichbare nicht-lebende Reize", so die Autorinnen und Autoren der Universität Basel.

Weitere Untersuchungen mit größerem Datensatz notwendig

Die Ergebnisse dieser kleinen Studie müssten allerdings noch in größeren Analysen bestätigt werden, sie seien unter anderem wegen der geringen Probandenzahl zunächst mit Vorsicht zu interpretieren.

Trotzdem: Mehrere Studien haben zuvor bereits gezeigt, dass eine positive Interaktion mit einem Hund Stressparameter wie Blutdruck, Herzfrequenz und Cortisolspiegel beim Menschen senken kann. Zudem werden Neurochemikalien wie Oxytocin ausgeschüttet, die mit Bindung oder Zugehörigkeit in Verbindung stehen.

Das häufig als "Kuschelhorm" bezeichnete Oxytocin ist übrigens auch der Grund dafür, dass Menschen dem berühmten Hundeblick nur äußerst schwer widerstehen können: Japanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wiesen bereits vor einigen Jahren nach, dass die Dauer des Blickkontaktes ausschlaggebend für den Anstieg von Oxytocin im menschlichen Körper ist – und dieses Hormon wiederum die besondere emotionale Bindung zwischen Mensch und Hund festigt.

mit Material der dpa

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