Physik Rätselhafte Geisterteilchen: Wie die Wissenschaft Neutrinos jagt

Unterirdisches Versuchslabor für Elementarteilchenphysik: Einblicke in das Laboratori Nazionali del Gran SassoThe inner walls of the water tank are covered by a reflecting foil improving the light detection. This permits the identification of cosmic m...
© K. Freund, GERDA collaboration
Sie durchqueren meist ungehindert ganze Galaxien, das Innere von Sonnen, den Körper des Menschen. Und senden uns Botschaften aus den entlegensten Winkeln des Kosmos. Seit Jahrzehnten schon versuchen Forscherinnen und Forscher den Neutrinos auf die Spur zu kommen – riesige Teilchen-Fallen sollen ihnen jetzt ihre Geheimnisse entlocken

Sie werden „Geisterteilchen“ genannt, und kein anderer Ausdruck wäre wohl passender. Denn Neutrinos sind weder zu sehen noch zu spüren, und ihre Eigenschaften sind so unglaublich, dass sie unseren Verstand an seine Grenzen bringen. Kann man sich Geschosse vorstellen, die wie Neutrinos eine dicke Felswand durchdringen, als sei sie eine Nebelbank? Mehr noch: Sie können unseren Planeten passieren, als sei er nicht vorhanden. Und fliegen selbst durch die Mil­lionen Grad heiße und ungeheuer stark zusammengepresste Materie im Inneren eines Sterns, ohne Schaden zu nehmen. Es scheint, als könnte nichts sie aufhalten oder auch nur ablenken.

Neutrinos rasen auf ihrem Weg durchs All annähernd so schnell wie das Licht, und ihre Massen sind viel, viel kleiner als selbst die der winzigen Elektronen, die den Kern von Atomen umschwirren. Zudem sind sie so zahlreich, dass es die Vorstellungskraft sprengt: Pro Sekunde durchschießen mehr als 60 Milliarden Geisterteilchen jeden Quadratzentimeter unseres Körpers, ohne dass wir etwas davon spüren. Diese seltsamen, rätselhaften Teilchen gehören zweifellos zu den verblüffendsten Erscheinungen des Weltalls.


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