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Algorithmen Wie die Vergabe von Kita-Plätzen gerechter werden könnte

Kinder spielen Tauziehen in der Kita
Von einem computergestützten Vorgehen bei der Kita-Platz-Vergabe könnten vor allem benachteiligte Familien profitieren, da die Anmeldeverfahren oft eine große Hürde sind
© Oksana Kuzmina - Shutterstock
Zu wenige Kita-Plätze, komplizierte Anmeldeverfahren, intransparente Vergabekriterien - die Suche nach einer Kinderbetreuung frustriert viele Eltern. Eine Studie diskutiert nun die Frage, welche Rolle computergestützte Algorithmen bei der Vergabe übernehmen können.

Die Vergabe der begehrten Betreuungsplätze in Kindertagesstätten könnte mithilfe von Algorithmen nicht nur effizienter, sondern auch gerechter erfolgen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung, die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde. "Die bisherigen Praxiserfahrungen einzelner deutscher Städte und Gemeinden zeigen, dass der verantwortungsvolle Einsatz von digitaler Technologie einen Beitrag dazu leisten kann, dieses gesellschaftlich relevante Problem zu lösen", sagte Julia Gundlach, Digitalexpertin bei der Stiftung.

Die Eltern sind allerdings gespalten bei der Frage, ob ein Computer über den Zugang zu Kindertagesstätten entscheiden darf. In einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung verlangten 47 Prozent der befragten Eltern, dass allein ein Mensch darüber befinden dürfe. 49 Prozent befürworten, dass die Verantwortlichen auch ein Votum des Computers bei ihrer Entscheidung berücksichtigen. Nur drei Prozent würden das Votum über die Vergabe allein dem Algorithmus überlassen.

"Kita-Plätze mit Hilfe von Algorithmen zu vergeben, spart sowohl Eltern als auch Kita-Leitungen viel Zeit und Mühe", sagte Gundlach. Auf Basis eines vorab definierten Katalogs von Vergabekriterien und der elterlichen Angaben zu Wunsch-Kitas unterstütze die Software bei der Abstimmung, welche Kita welchen Eltern einen Platz anbieten sollte. Dabei komme beispielsweise die Software "KitaMatch" zum Einsatz. Sie wurde 2017 vom ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung entwickelt und steht kostenfrei als Open-Source-Angebot zur Verfügung.

Digitaler Kriterienkatalog soll Algorithmen bei Kita-Platz-Vergabe zugrunde liegen

Vor allem Kinder aus benachteiligten Familien könnten von einem computergestützten Vorgehen profitieren, da die Anmeldeverfahren für die Eltern oft eine große Hürde sind. Es sei aber wichtig, dass der Kriterienkatalog als Grundlage für den Algorithmus unter Beteiligung von Kitas, Kita-Trägern, Jugendämtern und Eltern ausgehandelt und offen kommuniziert werde. Das erhöhe die Transparenz, Überprüfbarkeit und letztlich auch die Akzeptanz von Zu- oder Absagen. "Algorithmen sorgen nicht automatisch für mehr Fairness. Die Empfehlungen einer Software sind nur so gerecht, wie die Kriterien, nach denen diese programmiert ist", erläutert Gundlach.

Das zentrale Problem bei der Vergabe der Kita-Plätze besteht darin, dass es nicht genug Plätze gibt. Während sich 2019 fast 50 Prozent der Eltern einen Betreuungsplatz für ihr Kind wünschten, lag die tatsächliche Betreuungsquote bei nur 34,3 Prozent, heißt es in dem Bertelmann-Papier. Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) aus dem vergangenen Jahr ergaben, dass die Zahl fehlender Plätze für Kinder unter drei Jahren ansteigt, obwohl der Staat Milliardeninvestitionen in den Kita-Ausbau vorgenommen hat. Zum Stichtag 1. März 2020 fehlten demnach rund 342 000 öffentlich geförderte Betreuungsplätze in Kindertagesstätten und bei Tagespflegepersonen.

dpa

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