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Sexismus Wie Emily Temple-Wood Wikipedia weiblicher macht

Temple-Wood
Schreibtisch-Aktivistin: Emily Temple-Wood hat unter ihrem Pseudonym »Keilana« mittlerweile mehr als 300 Wikipedia-Einträge verfasst
© Alyssa Schukar
Wikipedia ist eine Männerdomäne, Emily Temple-Wood will das ändern: Sie spürt Forscherinnen auf und verfasst deren Biografien

Als sie das erste Mal im Internet sexuell belästigt wird, ist Emily Temple-Wood zwölf Jahre alt. Je älter sie wird, desto heftiger werden die Kommentare: Dass sie einen Abschluss in Molekularbiologie hat, Medizin studiert und nun Medien über ihr Engagement berichten, sei nur möglich, weil sie mit den richtigen Männern geschlafen habe.

Dabei war das Internet für sie stets ein Ort der Freiheit – und eine faszinierende Bibliothek: Schon als Jugendliche hatte sie Wikipedia-Artikel über ihre Lieblingsband U2, später zur Geschichte der Uhr, im Studium über das Birt-Hogg-Dubé-Syndrom mitverfasst.

Temple-Wood wird „Wikipedianerin des Jahres“

Doch ihr fällt auf: Das System Wikipedia behandelt Frauen und Männer unterschiedlich. Noch Ende 2018 handelten in der englischen Wikipedia nur 18 Prozent aller Biografien von Frauen. Lediglich rund 20 Prozent der Wikipedia-Autoren sind weiblich.

„Diese Leute mögen keine klugen, gebildeten Frauen, die etwas zur Gesellschaft beitragen“, sagt Temple-Wood über die Trolle, die sie behelligen. „Was gäbe es also für eine bessere Rache, als über solche Frauen zu schreiben?“

Die erste Wissenschaftlerin, der sie sich widmete, ist die Biologin Ann Bishop, Mitgründerin der Britischen Gesellschaft für Parasitologie. 2012 gründete Temple-Wood die Projektgruppe „Women scientists“: Mittlerweile 116 Frauen und Männer haben bisher rund 9400 Artikel über Forscherinnen verfasst. Wikipedia-Mitgründer Jimmy Wales ehrte Temple-Wood 2016 als „Wikipedianerin des Jahres“.


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