Endlich verstehen Warum platzen Würstchen beim Erhitzen stets der Länge nach auf?

Wurst-Fans dürfte der Riss in der Pelle bekannt vorkommen. Warum dieser immer der Länge nach verläuft und nie quer, ist Physik. Wir erklären, wie und warum der längliche Riss in die Wurst kommt
Aufgeplatzte Würstchen

Platzen Würste beim Kochen, schmecken sie langweilig. Ganz anders bei Grillwürstchen: Deren Aroma verbessert sich durch die Risse eher noch

Eine Bockwurst zuzubereiten erfordert keine großen Kochkünste: Man legt sie in einen Topf mit leicht gesalzenem Wasser und erhitzt sie. Dabei gibt es nur eine Regel zu beachten: Die Wassertemperatur sollte auf nicht viel mehr als 70 Grad Celsius steigen. Wer das missachtet, riskiert eine herbe Enttäuschung; das Würstchen platzt, sieht danach wenig appetitlich aus und schmeckt fad. Merkwürdigerweise verläuft der Vorgang – auch bei Grillwürstchen – stets gleich: Immer ziehen sich tiefe Furchen in Längsrichtung durch das zarte Fleisch. Nie bildet sich ein Riss in Querrichtung, also rund um die Wurst. Wie lässt sich das erklären?

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Wenn man ein Würstchen erhitzt, dehnen sich Luft- und Wasserbläschen in seinem Inneren bei steigender Temperatur immer weiter aus. Vor allem durch verdampfendes Wasser bläht sich das Würstchen zunehmend auf – mit der Folge, dass die Pelle immer stärker unter Spannung steht. Der Druck, den die heißen Dämpfe im Wurstinneren entfalten, entspricht – auf Ebene der Moleküle – den Stößen der Gasteilchen, die mit hoher Geschwindigkeit umherrasen und dabei immer wieder gegen das Brät und die Hülle prallen. Durch diesen Druck wird die Wurstpelle sowohl in Längs- wie in Querrichtung auseinandergezerrt. Allerdings unterschiedlich stark. Denn steht ein Hohlkörper unter Druck, ist die in der Hülle entstehende Zugspannung nur dann zu allen Seiten gleich groß, wenn das betreffende Objekt die Form einer Kugel hat.

Die Form ist entscheidend

Für zylindrische Formen (also auch für Würste) gilt, dass die Spannung in Querrichtung stets doppelt so hoch ist wie in Längsrichtung. Dass Würste bevorzugt in einer Richtung aufplatzen, liegt also an ihrer besonderen Geometrie. Wie der Riss im Detail entsteht, wird deutlich, wenn man sich vorstellt, die Hülle des Würstchens wäre von unsichtbaren Fäden durchwoben, wie ein Stück Stoff. Manche Fäden würden in Längsrichtung des Würstchens verlaufen, also von Ende zu Ende, andere genau senkrecht dazu und damit ringförmig um den Rumpf. Da diese Ringe einer doppelt so großen Spannung ausgesetzt sind wie die Längsfäden, wird es einer von ihnen sein, der als Erster reißt. Daraufhin geben auch die seitlich daneben liegenden Ringe nach, automatisch pflanzt sich der Riss fort – in Längsrichtung des Zylinders. So kommt es, dass sich in dem Würstchen stets ein von einem Ende zum anderen Ende verlaufender Spalt bildet und praktisch nie eine Furche in Querrichtung.

Das Phänomen ist Ingenieuren wohlbekannt. Für sie sind Würstchen nichts anderes als „dünnwandige, zylindrische Druckbehälter“. Und für solche Körper haben sie „Kesselformeln“ entwickelt. Diese mathematischen Gleichungen beschreiben die Spannungsverhältnisse in Dampfkesseln, Rohrleitungen oder Getränkedosen. Daher ist immer dann äußerste Eile geboten, wenn etwa in einer Ölpipeline auch nur eine kleine Schwachstelle entstanden ist, sei es durch Korrosion, sei es durch einen Unfall. Denn nachgewiesenermaßen platzen die Gebilde genauso wie Grill-, Brat- oder Kochwürstchen: immer der Länge nach.

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