Svalbard Global Seed Vault in Spitzbergen Die Arche Noah der Pflanzen ist in Gefahr

In einem riesigen Tresor in Spitzbergen lagert Saatgut, tiefgekühlt im Permafrost. Der Vorrat soll bei einer Katastrophe die Ernährung der Menschheit sicherstellen. Doch das Projekt gefährden genau die ökologischen Probleme, bei denen es uns helfen soll
 Saatgut Tresor Spitzbergen

Die Rettung der Menschheit sieht aus wie ein alter Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, Glasornamente auf dem Dach funkeln in der Polarnacht. In einen verschneiten Berg gehauen, ragt das Beton-Ungetüm aus dem Permafrost der norwegischen Arktisinsel Spitzbergen, das vereiste Polarmeer unter sich. Das Svalbard Global Seed Vault steht am 78. Breitengrad, nur 1000 Kilometer vom Nordpol entfernt. In diesem eisigen Tresor lagern 900.000 Pflanzensamen, festverpackt in Plastikbeuteln und Kisten. Hier kann man sich interaktiv im Saatgut-Tresor umschauen: Crop Trust.

Das Projekt ist vorausschauend und bizarr zugleich: Im Falle einer globalen Katastrophe, bei der wichtige Pflanzenarten aussterben, soll dieser Vorrat zur Nachzucht dienen. Dahinter steckt der "Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt", kurz Crop Trust. Die internationale Organisation sitzt in Deutschland, sie verwaltet Genbanken auf der ganzen Welt. Das Saatgutlager in Spitzbergen ist jedoch einzigartig: Vor allem Getreide-, Reis- und Maissorten, aber auch Kartoffeln und Gemüse wie Tomaten und Bohnen werden seit 2004 im Bunker gelagert, um in der Krise die Ernährung der Menschheit sicherzustellen. Im Permafrost soll das Lager notfalls auch ohne Kühlung fortbestehen können – theoretisch.

Das Saatgut-Lager wird selbst Opfer des Klimawandels

Denn immer wieder droht dem Tresor gerade die Art Umweltkatastrophe, vor deren fatalen Auswirkungen sie die Menschen bewahren soll. Im Zuge des Klimawandels schmilzt der Permafrost, und das nicht zu knapp: Im Mai 2017 wurde der 100 Meter lange Zugangstunnel zum Lager mit Schmelzwasser geflutet. Das dann frierende Wasser blockierte wie ein künstlicher Gletscher den Weg. Schuld daran seien die ungewöhnlich hohen Temperaturen im Herbst und im Winter in Nordnorwegen. Bislang wurde das Saatgut nicht durch die Fluten beschädigt, trotzdem warnen Experten.

Der Tunnel konnte bisher immer vom Eis befreit werden, die Crop Trust möchte die Wände wasserdicht verstärken und alle möglichen Wärmequellen wie die Elektrik noch weiter von den Samen entfernen. Laut der Organisation wäre das Saatgut selbst bei größeren Umweltkatastrophen wie Überschwemmungen und Tsunamis sicher. Ob die Anlage auf Dauer geschützt ist, wird sich herausstellen – die Arktis ist eine der Regionen, die am stärksten vom der Erderwärmung betroffen sind.

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