Ho-Chi-Minh-Stadt: Besuch in der Boomtown Südostasiens

Die Millionenmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden Vietnams ist Tag und Nacht in Bewegung. Das ehemalige Saigon zieht mit seiner einzigartigen Atmosphäre und besonderen Geschichte Besucher aus der ganzen Welt an
Ho Chi Minh Stadt

Die Millionenmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden Vietnams ist Tag und Nacht in Bewegung

Ho-Chi-Minh-Stadt im Überblick

Wo liegt Ho-Chi-Minh-Stadt?
Die Stadt, früher bekannt als Saigon oder Ho-Chi-Minh-City, liegt im Süden Vietnams unweit des Mekong-Deltas.

Wann ist die beste Reisezeit?
Von November bis Mai ist die klimatisch günstigste Zeit für Ho-Chi-Minh-Stadt. Doch auch im Sommer regnet es nicht ununterbrochen.

Hinkommen und wieder weg?
Von Europa ist Ho-Chi-Minh-Stadt am einfachsten mit dem Flugzeug zu erreichen. Ho-Chi-Minh-Stadt hat einen internationalen Flughafen. Direktflüge ab Deutschland bietet Vietnam Airlines an. Mit einem oder mehreren Stopps fliegen beispielsweise auch Turkish Airlines, Eurowings oder Emirates.

Saigon ist voll. Übervoll. Ein steter Strom aus Vespas zwängt sich durch die Straßen, dazwischen eingekeilt Autos, Busse, Fußgänger und vereinzelte Rikschas. Zur Rushhour kann auch schon mal auf den Gehweg ausgewichen werden - zum Slalom zwischen Garküchen, Open-Air Friseuren und fliegenden Händlern.

Hunderttausende Menschen strömen jedes Jahr nach Ho-Chi-Minh-Stadt. Dabei, so sagen Experten, sei die Größe der Stadt ausgelegt für vier bis fünf Millionen Einwohner, geschätzt leben hier aber inzwischen doppelt so viele. Die Wirtschaft boomt in Saigon, wie Ho-Chi-Minh-Stadt bis 1976 hieß, und von vielen auch heute noch genannt wird. Internationale Konzerne eröffnen Niederlassungen, die Löhne liegen höher als im Rest des Landes und junge Menschen brauchen für Ihre Karriere ohnehin nur noch schnelles WLAN.

Wohl keine andere Stadt in Südostasien verändert sich so rasant wie Ho-Chi-Minh-Stadt. Großes Gerät reißt Lücken in den alten Stadtkern, neue Hochhäuser und Shoppingcenter wachsen in den Himmel. Und auch an der Peripherie wuchert die Stadt immer weiter ins Umland.

Ho-Chi-Minh: Vom Dorf im Sumpf zur Metropole

Wahrzeichen des neuen Saigon ist der Bitexco Financial Tower. Ein 260 Meter hoher Wolkenkratzer, 68 Stockwerke plus Helikopter-Landeplatz. Auf Etage 49 befindet sich das Saigon Skydeck und bietet einen atemberaubenden 360-Grad-Ausblick auf das Gewusel von Ho-Chi-Minh-Stadt, der größten Stadt Vietnams.

Ho-Chi-Minh-Stadt ist die offizielle Bezeichnung für die gesamte Stadt inklusive Vororte. Für die Innenstadt, den Distrikt Nummer eins, ist es beim alten Sai Gon oder, wie von den Franzosen eingeführt, Saigon geblieben.

Die heutige Ho-Chi-Minh-Stadt hat sich aus einem kleinen Dorf im Sumpf entwickelt und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Bereits im ersten Jahrhundert war die Region besiedelt. Später gehörte sie zum Kmeher-Reich und nach dessen Niedergang begannen die Vietnamesen die Gegend urbar zu machen. Handel mit China brachte den Ort zum blühen und um 1800 zählt er bereits an die 50 000 Einwohner. Mitte des 19. Jahrhunderts annektierten die Franzosen das Gebiet, neben einigen anderen, und geboren war die Kolonie Indochina.

Nach französischem Vorbild mit baumgesäumten Alleen wuchs Saigon nun rasant und wurde zur "Perle Südostasiens". Bis Mitte der 60er-Jahre der Vietnamkrieg begann und die Amerikaner kamen, um dem inzwischen unabhängigen Land im Kampf gegen den Kommunismus beziehungsweise das kommunistische Nordvietnam beizustehen. Saigon wurde zum Hub von Kriegsflüchtlingen, Militärs, Agenten und Journalisten.

Langer Kämpfe kurzer Sinn: Am 2. Juli 1976 wurden Nord- und Südvietnam unter dem Namen Sozialistische Republik Vietnam wiedervereint. Saigon, die ehemalige Hauptstadt Südvietnams, wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt.

Geschichte an jeder Straßenecke

Ho Chi Minh City Notre Dame

Die Dong Khoi führt vom Fluss Saigon bis zur 1883 gebauten Kathedrale Notre Dame

Bei einem Bummel durch die Straßen des alten Saigon bekommt der Besucher an jeder Ecke einen anderen Ausschnitt der Geschichte geboten, von alten Tempeln, über Kolonialgebäude bis zum Kriegsmuseum.

  • Unbedingt empfehlenswert ist ein Spaziergang entlang der von Cafés und Boutiquen gesäumten Dong Khoi. Ein Ausflug in die Geschichte der Kolonialherrschaft. Die Dong Khoi führt vom Fluss Saigon bis zur 1883 gebauten Kathedrale Notre Dame. Die Baumaterialien wurden extra aus Frankreich nach Vietnam geschafft. Erst 1959 wurde die Kathedrale Notre Dame mit Einwilligung des Vatikans als Marienkathedrale geweiht.
     
  • An der Dong Khoi liegt auch das alte Opernhaus von Ho-Chi-Minh-Stadt. Kurzfristig war es mal Sitz des Saigoner Parlaments, nun ist es wieder der Kultur gewidmet.
     
  • Ganz in der Nähe: Das 1891 eröffnete Hauptpostamt von Ho-Chi-Minh-Stadt, ebenfalls im Kolonialstil gebaut nach Entwürfen von Gustave Eiffel.
     
  • Das Alte Rathaus, ein weiteres Gebäude aus der Zeit der Kolonialherrschaft. Das imposante Gebäude wurde 1906 in Ho-Chi-Minh-Stadt erbaut, heute residiert hier das Volkskomitee.
     
  • Von 1900 datiert auch die Pagode des Jadekaisers. Nur der Stil ist komplett anders. Das von Kanton-Chinesen errichtete Heiligtum ist eines der wichtigsten in Ho-Chi-Minh-Stadt und zieht gläubige Vietnamesen genauso wie Touristen an. Der Jadekaiser ist die höchste Gottheit im Taoismus und gilt als Wächter des Himmels. Wie es ausschaut, wenn man es sich mit ihm verscherzt, zeigen die Holzschnitzereien an der Wand. Der Tempel umfasst mehrere Hallen mit einer Reihe sehenswerter Kunstwerke.

Nichts, was es nicht gibt – Ben Thanh Markt und Dan-Sinh-Markt

Souvenirs, Lebensmittel, Haushaltswaren und Alltagkleidung - der Ben Thanh Markt, noch ein Bauwerk aus der Zeit der Kolonialherrschaft, liegt mitten in Ho-Chi-Minh-City und ist mitsamt seinem Uhrturm ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Das quirlige Markttreiben zählt zum Muss für alle Besucher.

Um einiges weniger touristisch - und entsprechend preiswerter - geht es auf dem Binh Tay Markt zu. Er liegt im Zentrum des chinesischen Viertels in Ho-Chi-Minh-Stadt, wohl einer der schönsten Märkte zum stundenlangen Stöbern.

Der Dan-Sinh-Markt in Ho-Chi-Minh-Stadt hat ebenfalls ein gemischtes Angebot, ist aber vor allem bekannt für Militaria und Armee-Ausrüstung. Darunter auch so praktisches wie Regenjacken, Moskitonetze oder Taschen und Seesäcke.

Ausflug in die jüngere Geschichte: das Kriegsmuseum und der Wiedervereinigungspalast

Das War Remnants Museum (übersetzt etwa Kriegsreliktemuseum) ist das meistbesuchte Museum in Ho-Chi-Minh-Stadt und dem Vietnamkrieg gewidmet. Es wurde kurz nach Kriegsende 1975 eröffnet. Draußen stehen Panzer, Hubschrauber, Bomben und anderes Kriegsgerät. Drinnen legen Bilder Zeugnis ab von den Gräueln der Zeit zwischen 1955 und '75.

Durch und durch Sixties ist der Wiedervereinigungspalast in Ho-Chi-Minh-Stadt und allein deshalb schon einen Besuch wert. Unter dem Palast befindet sich ein Tunnelsystem als Fluchtweg. Bei einem Luftangriff während des Vietnamkrieges kam der sogar zum Einsatz. Allerdings kam der damalige Präsident auf seiner Flucht nicht allzu weit. Besichtigen kann man Privatgemächer, offizielle Räume und auch Teile des Kellers.

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Besuch bei Onkel Ho

Was in Ho-Chi-Minh-Stadt natürlich auf keinen Fall fehlen darf, ist ein Besuch beim Namensgeber. Präsident, Freiheitskämpfer und Nationalheld Ho Chi Minh steht als Statue vor dem Rathaus in Saigon und liegt in Persona im Mausoleum in Hanoi.

Ho Chi Minhs Lebensweg ist eng verknüpft mit der Geschichte und dem Unabhängigkeitskampf seines Landes, als dessen Gründer und Vater "Onkel Ho" auch heute noch von den Vietnamesen verehrt wird. Seinen Namen wechselt der 1890 als Nguyen Sinh Cung Geborene unzählige Male. Erst mit 51 Jahren nennt er sich Ho Chi Minh, übersetzt etwa "Jener, der die Erleuchtung bringt". Zuvor hieß er Nguyen Tat Thanh und in der weiten Zwischenzeit? Bleibt vieles im Dunkeln.

Fakt ist: Ho Chi Minh verbrachte lange Wanderjahre in Amerika, Paris, schließlich Moskau. Er beschäftigt sich mit marxistischer Theorie, reist durch China, Westeuropa, Thailand und Hongkong. Hier gründet er 1930 die "Kommunistische Partei Indochinas", die später umgetauft wird in "Kommunistische Partei Vietnams (KPV)".

Nach 30 Jahren im Ausland kehrt Ho Chi Minh 1941 nach Vietnam zurück und führt den Unabhängigkeitskampf. Erfolgreich: am 2. September 1945 ruft Ho Chi Minh in Hanoi die "Demokratische Republik Vietnam (DRV)" aus. Später, während des Vietnamkrieges kämpft Ho Chi Minh gegen die amerikanischen Militärs. Das Ende des Krieges erlebt er nicht mehr. 1969 stirbt er an Herzversagen.

Ausflüge ab Ho-Chi-Minh-Stadt

Mekongdelta

Das Mekongdelta bietet schwimmenden Märkte und labyrinthartige Wasserstraßen

Die Tunnel von Cu Chi: 25 Kilometer oder anderthalb Stunden Fahrtzeit von Ho-Chi-Minh-Stadt entfernt, im Nordwesten liegt das berühmte Tunnelsystem. 220 Kilometer lang bot es während der Kriege gegen Franzosen und Amerikaner Kämpfern mitsamt deren Familien Unterschlupf, die von hier aus Guerilla Aktionen und Sabotage-Akte starteten. Es gibt einen Rundweg mit Themenpark, der das Leben der Vietkong zeigt sowie ein Informationszentrum.  

Mekong-Delta: Das Mekongdelta ist eines der größten der Welt. Berühmt sind die schwimmenden Märkte und die labyrinthartigen Wasserstraßen. Es gibt von Saigon aus organisierte Touren, die sowohl als Tagesausflug, als auch in mehrtägigen Varianten angeboten werden.

Vung Tau: Das koloniale Seebad erlaubt eine schnelle Auszeit vom Chaos in Saigon. Schon im 15. Jahrhundert ankerten hier die Portugiesen und noch immer zieht es Vietnamesen und Touristen hierher. Tragflächenboote fahren in rund 80 Minuten von Ho-Chi-Minh-Stadt an den Strand. Achtung: An Wochenenden kann es voll werden.

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