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Ausgezeichnet! Die zehn wichtigsten Nachhaltigkeits-Labels im Tourismus

Die Nachhaltigkeitslabel der Reisebranche
© GEO Saison
Fairtrade-Kaffee erkennen wir inzwischen auf den ersten Blick, genau wie Biomilch im Kühlregal. Aber was bedeuten die vielen bunten Nachhaltigkeits-Logos von Hotels und Reiseanbietern? Wir haben einige von ihnen unter die Lupe genommen

1. Ecolabel - Lasst Blumen sprechen!

Das offizielle Umweltzeichen der Europäischen Union prangt auf Waschmitteln, Fernsehgeräten – und wird auch an Hotels und Campingplätze vergeben, derzeit mit einem Schwerpunkt auf Frankreich, Italien und Spanien. Ausgezeichnet wurde unter anderem der hübsche Campingplatz »Au an der Donau« in der Nähe von Linz. Die Prüfer des Labels legen, wie die EU auch, Wert auf Visionen. So müssen die Betriebe unter anderem ein Umweltkonzept vorlegen und erklären, in welchen Schritten sie dieses umsetzen möchten. Nationale Partner, zu denen in Deutschland etwa das Umweltbundesamt gehört, entscheiden über die Vergabe des Labels, alle drei bis fünf Jahre wird überprüft, inwieweit die Teilnehmer ihr Konzept umsetzen. Ein Online-Katalog existiert, die Suchfunktion lässt allerdings zu wünschen übrig.

2. Ibex Fairstay - Aufs Horn genommen

1998 von einem Umweltschutzverein der Schweiz ins Leben gerufen, gehört das Label Ibex Fairstay heute zu Grischconsulta, einer auf Bergtourismus spezialisierten Unternehmensberatung. Mit dem Ziel, »für ein nachhaltiges Engagement zu sensibilisieren«, verpflichten sich die Macher des Labels zur Neutralität: Unabhängige Auditoren überprüfen Hotels und Hostels in der Schweiz und der näheren Umgebung, ein ebenfalls unabhängiges Komitee entscheidet über die Vergabe des Labels in vier Stufen, von »Bronze« bis »Platin«. Mit letzterem Edelmetall dürfen sich zum Beispiel die Jugendherbergen in Basel, Bern, St. Gallen und St. Moritz schmücken. Weitere zertifizierte Unterkünfte.

3. Viabono - Gemeinsame Sache

Einer der Initiatoren dieses Labels im Jahr 2001 war das Bundesumweltministerium, heute wird die deutsche Öko-Auszeichnung von rund 20 Verbänden aus Tourismus und Umweltschutz getragen. Dazu gehören so unterschiedliche Akteure wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das Deutsche Jugendherbergswerk, der ADAC und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Die Organisationen haben sich auf gemeinsame Kriterien geeinigt, die vor allem auf eines zielen: einen niedrigen CO²-Fußabdruck. Derzeit werden auf der Viabono-Website rund 90 zertifizierte Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Restaurants gelistet. Sie können anhand von Abrechnungen belegen, strenge Grenzwerte in Sachen Strom- und Wasserverbrauch sowie Abfallaufkommen einzuhalten. Ein gelungenes Beispiel ist etwa das »Hotel Speicher« am Ziegelsee in Schwerin.

4. Green Globe - Weltretter

1994 wurde »Green Globe« gegründet, hier bekommen neben Umwelt- und Klimakriterien auch soziokulturelle Aspekte wie Arbeitsbedingungen und der Umgang mit lokalen Gemeinden ein hohes Gewicht. Kein Wunder: Das Label orientiert sich an den Umwelt- und Entwicklungszielen, die die Vereinten Nationen 1992 in ihrer »Agenda 21« verabschiedet haben. Die Green-Globe-Auszeichnung kann an prinzipiell jedes touristisch ausgerichtete Unternehmen gehen, vom Campingplatz bis zum Luxushotel, von der Autovermietung bis zum Pauschalreiseanbieter. Unabhängige Prüfer begutachten die Mitglieder in derzeit 86 Ländern regelmäßig, darunter auch den »Batobus«, der in der Pariser Innenstadt als Mischung aus klassischer Bootsrundfahrt und öffentlichem Verkehrsmittel auf der Seine schippert. Weitere zertifizierte Betriebe (»Members«) gibt’s unter greenglobe.com.

5. Travelife - Hand in Hand

Hinter zwei unterschiedlichen Zertifikaten, für Unterkünfte auf der einen, Reiseveranstalter und Tourenanbieter auf der anderen Seite, stecken der britische Branchenverband ABTA und das European Centre for Ecological and Agricultural Tourism (ECEAT), eine niederländische Organisation für nachhaltigen Tourismus. Travelife-zertifizierte Unternehmen wie der indische Touren und Reiseanbieter Kerala Voyages achten auf niedrigen Energieverbrauch, das Wohl der Bevölkerung, faire Löhne und Kinderschutz. Sie werden alle zwei Jahre durch unabhängige Prüfer beurteilt. Mehr Infos: travelife.info (Veranstalter & Reisebüros) und travelifestaybetter.com (Hotels).

6. Biosphere Responsible Tourism - Die Engagierten

Das Label Biosphere Responsible Tourism ist ein Projekt des »Responsible Tourism Institute« (RTI), einer in Spanien ansässigen Non-Profit- und Nichtregierungsorganisation. Vornehmlich in Spanien und Lateinamerika liegen die zertifizierten Hotels, Pensionen, Restaurants, Freizeitparks, Golfplätze und Tourenanbieter wie »Cacomixtle«, der Radtouren im zentralmexikanischen Gunajato organisiert. Die Bewertungskriterien lassen sich auf der Website sauber recherchieren, Anbieter mit Auszeichnung sind dort leider etwas schwerer zu finden.

7. TourCert - Volle Kontrolle

Hinter dem 2009 gegründeten Label stehen unter anderem die Initiative »Tourism Watch«, die ihrerseits zu »Brot für die Welt« gehört, und die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE). Das TourCert-Label deckt weitaus mehr ab als »nur« die Ökobilanz; neben Artenschutz, Kundenzufriedenheit und Unterstützung lokaler Kommunen nimmt es auch die Einhaltung von Menschenrechten und fairen Arbeitsbedingungen in den Blick. Ein unabhängiger Rat entscheidet über die Zertifizierung von Unterkünften, Reiseveranstaltern und ganzen Reisezielen. Erfolg hatte etwa das Saarland. Wer weitere Ziele sucht: das nachhaltige Reiseportal »Forum Anders Reisen« hat TourCert zum Pflichtstandard für seine Mitglieder gemacht.

8. Green Key - Schlüsselkompetenz

Mit über 300 zertifizierten Unterkünften und Touristenattraktionen in 65 Ländern, darunter dem »Salla Rentierpark« nördlich des Polarkreises im finnischen Teil Lapplands, gehört dieses Label zu den größten weltweit. Auch bei den Partnerorganisationen, mit denen es zusammenarbeitet, zielt es auf die Spitze: Die Vereinten Organisationen unterstützen Green Key ebenso wie die Welthandelsorganisation WHO. Im Zentrum der Zertifizierung stehen unter anderem ökologische Aspekte, inklusive Nachhaltigkeitsschulungen und Maßnahmen, die Gäste sensibilisieren sollen, Ressourcen bewusster zu nutzen. Unter dem Reiter »Green Key Sites« lassen sich die Adressen relativ einfach über eine Weltkarte samt Filterfunktion finden.

Wie schätze ich ein Label richtig ein?

Wenn Sie auf ein für Sie neues Label stoßen: Recherchieren Sie! Schauen Sie nach, welche Organisation dahintersteckt, auf welche Kriterien geachtet wird und wie diese überprüft werden. Antje Monshausen, Leiterin von »Tourism Watch« bei »Brot für die Welt«, rät:

Genau hinsehen
»Wer ein ernst zu nehmendes Label vergibt, macht auf seiner Website transparent, worum es dabei geht: Zählen neben ökologischen auch soziale und kulturelle Faktoren? Je mehr Aspekte, desto besser. Ebenfalls wichtig: Die Label-Mitarbeiter sollten die Betriebe nicht selbst bewerten, sondern unabhängige Prüfer dafür beauftragen.«

Mogelpackungen vermeiden
»Gern preisen manche Reiseveranstalter ihre Angebote mit selbst erdachten Labels an, zum Beispiel: ›Unser Ökotipp‹ oder ›Grüner Gewinner‹. Die hauseigenen Logos suggerieren auch optisch ›Nachhaltigkeit‹ – haben jedoch oft nichts mit einem transparenten, unabhängigen Check zu tun. Sie dienen vor allem dem Marketing.«

Auf Gold setzen
»Steht auf der Website eines Labels der Hinweis ›Anerkannt vom GSTC‹, ist das ein richtig gutes Zeichen. Der GSTC (Global Sustainable Tourism Council), unter anderem unterstützt von den Vereinten Nationen, legt Kriterien und Verfahren fest, die ein Label tragen muss, damit es umfassend als nachhaltig gelten kann. Die Gold-Auszeichnung für Auszeichnungen!«

9. Earthcheck - Jeder Cent zählt

Die wirtschaftliche Seite von Nachhaltigkeit rückt das australische Zertifizierungs- und Umweltberatungsunternehmen in den Fokus. Klar: Wer Strom, Wasser und Papier spart, hat am Ende auch weniger Ausgaben. Eigenen Angaben zufolge hat Earthcheck bereits mehr als 1200 Betrieben durch seine Umweltberatung geholfen, über 500 Millionen Euro einzusparen. Mit dem Earthcheck-Label versehen sind derzeit 629 Unterkünfte, Golfplätze, Restaurants und Mobilitätsangebote weltweit. Auch ganze Regionen, wie die Halbinsel Snæfellsnes im Westen Islands. Unternehmen mit Durchhaltevermögen erhalten einen Extra-Bonus: Wer zehn Jahre lang dabei ist, bekommt die »Platin«-Zertifizierung. Auf der Website führt der Reiter »Search Members« zu den Label-Trägern.

10. Blaue Schwalbe - Früher Vogel

Besonders zeitig am Start waren die Macher von »Anderswo«, einem Magazin für nachhaltiges Reisen. Sie gründeten ihr Label im Jahr 1989, um es an ökologisch ausgerichtete Unterkünfte in Europa zu vergeben. Grundlage der Auszeichnungen sind Selbsteinschätzungen der Betriebe, die telefonisch und durch stichprobenartige Recherche reisen vor Ort überprüft werden. Die Kriterien der Blauen Schwalbe zielen vor allem auf Umweltschutz und Ressourcenschonung, etwa dadurch, dass saisonal gekocht, wenig Strom und Wasser verbraucht und Abfall getrennt wird. Das Verfahren ist weit weniger formalisiert als das vieler anderer Labels, dafür hat es den Charme persönlicher Empfehlungen. Eine davon: das bezaubernde Hotel »Villa Novecento« in Luzern (novecento.ch), dessen über 100-jähriges Gebäude nach baubiologischen Kriterien renoviert wurde. Service der Redaktion: Neben einer ausführlichen Beschreibung der zertifizierten Unterkünfte werden auf der Website nachhaltige Reiseanbieter empfohlen.


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