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Wandern und Radeln Meteoritenkrater: Aktiv unterwegs im Nördlinger Ries

Das Ries ist ein riesiger Krater von 25 Kilometern Durchmesser. Mittendrin liegt die Stadt Nördlingen
Das Ries ist ein riesiger Krater von 25 Kilometern Durchmesser. Mittendrin liegt die Stadt Nördlingen
© mauritius images / Mark Robertz
Die riesige Kraterlandschaft rund um Nördlingen gleicht einem Freilichtmuseum der Erdgeschichte. Wer hier herumwandert, sieht Glasbomben in Gestein und eine Trainingslandschaft von Astronauten

Mit 70.000 km/h raste der Asteroid auf das heutige Bayern zu. Er prallte auf und löschte alles Leben in dieser Gegend aus. Er hinterließ einen Krater mit einem Durchmesser von 25 Kilometern, das Nördlinger Ries.

Seit dem Einschlag sind fast fünfzehn Millionen Jahre vergangen. Heute bereitet der fruchtbare Riesenkrater im Westen des Freistaats den Boden für Aktivitäten wie Wandern und Radeln.

Deutlich zeichnen sich die Kraterränder ab, während sich im flachen Becken ein Flickenteppich aus Dörfern und Feldern ausbreitet, Weißstörche aufsteigen, Fuchsien blühen und in einer Kirche tatsächlich ein Brunnen plätschert.

Die Spuren des Kratersees

Die beste Wanderrunde im Ries ist der knapp 20 Kilometer lange Schäferweg mit Start am Nördlinger Freibad Marienhöhe.

Mitten im Wald auf dem Galgenberg, der vor Jahrhunderten seinen Namen als Richtstätte bekam, ist der Hexenfelsen die erste Station dieser Wanderung. Der isoliert stehende Dolomitklotz zählt zum inneren Kraterring und dürfte zeitweise als Insel aus dem längst verschwundenen Kratersee geragt haben.

Nur fachkundige Augen entdecken auf dem Sockel Ablagerungen des Gewässers, ebenso wie ein Stück weiter auf den Gesteinsmassen des Adlersbergs. Unterwegs hilft Geoparkführerin Carolin Schober-Mittring, die Blicke zu schärfen. "Wir bewegen uns hier durch ein Freilichtmuseum der Erdgeschichte", sagt sie. Der Einschlagkrater gilt als einer der weltweit am besten erhaltenen und erforschten.

Unterwegs führt eine Sonderschleife auf dem Lehrpfad Geotop Lindle ins Feuchtgebiet eines einstigen Steinbruchs. Es ist der Lebensraum von Gelbbauchunken. Nebenan gibt eine Aussichtsplattform den Blick auf den Astronauten-Steinbruch frei, inzwischen ein Privatgelände.

"Im August 1970 waren die Astronauten der geplanten Apollo-14-Mission zum Feldtraining im Ries, um im Krater zu lernen, was sie auf dem Mond können müssen", erzählt Carolin Schober-Mittring. "Astronauten waren ja keine Geologen, deshalb mussten sie hier einen Crashkurs in Geologie kriegen." Noch heute absolvieren Astronauten der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) hin und wieder geologische Übungseinheiten im Ries, wie es auf der Website des Geoparks heißt.

Ein Unikat am Wanderweg ist der Suevit-Steinbruch von Altenbürg. Suevit war das wichtigste Impaktgestein im Ries und Baumaterial für viele Gebäude in Nördlingen. Die Glasbomben im Gestein, "Flädle" genannt, entstanden durch die extreme Hitzeeinwirkung beim Einschlag. "Das waren bis zu 30.000 Grad", sagt Schober-Mittring.

Radtour mit Soundeffekten

Aktiv im Ries unterwegs zu sein, heißt auch, ab Nördlingen die östliche Radrunde abzustrampeln. 58 Kilometer, weitgehend durch Flachland, zunächst in die Fuchsienstadt Wemding. Hier stammt der Namensgeber der Fuchsien her, der Botaniker Leonhart Fuchs, der im 16. Jahrhundert lebte (1501-1566).

In Blumenkübeln und -kästen blühen von Mai bis September überall Fuchsien, mit denen auch die Blumenpyramide beim Marktplatz bestückt ist. Die Radroute hat ihre ganz eigenen Soundeffekte. Der Wind fährt durch Apfelbäume und Dinkelfelder und in der Wallfahrtskirche Maria Brünnlein am nordwestlichen Rand von Wemding gluckert Wasser, das Gläubige in Hoffnung auf heilsame Kräfte abzapfen.

Hinauf zum Daniel

Ob zu Fuß oder per Rad - bei der Rückkehr nach Nördlingen setzt der "Daniel" eine Landmarke. So heißt der Turm der St. Georgskirche, auf den 350 Treppenstufen führen. Er ist der Thron über dem Ries. Tritt man dort hinaus, bieten sich Prachtblicke über das Ziegeldächermeer der Stadt und auf die waldreichen Kraterränder in der Ferne.

Die kosmische Katastrophe, aus der vor Millionen Jahren neues Leben entstand, ist für die Gegend und deren Besucher ein Glücksfall.

dpa

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