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mit Maske und Tests Auszeit auf Sylt: Wie fühlt sich Urlaub unter Corona-Regeln an?

Auszeit auf Sylt
Bei gutem Wetter zieht es die Touristen aktuell wieder an die weiten Sandstrände von Sylt. Abstand zu halten war für unsere Redakteurin vor Ort aber ohne Probleme möglich
© Maike Frye
Seit dem 1. Mai ist die Insel Sylt eine der Modellregionen in Schleswig-Holstein, die wieder Reisende beherbergen dürfen. Seit dem 17. Mai sind Reisen im ganzen Bundesland wieder erlaubt. Doch wie viel Urlaubsgefühl ist zwischen Maskenpflicht, Luca-App und Testzentren möglich? GEO-Redakteurin Maike Frye und ihr Freund Florian waren fünf Tage lang vor Ort.

Warme Sonnenstrahlen im Gesicht, das Rauschen des Meeres im Ohr und den Wind in den Haaren – so fühlt sich Urlaub an! Und doch erscheint es in Zeiten einer Pandemie umso surrealer, dass wir wirklich in Hörnum, ganz unten am südlichsten Zipfel von Sylt, über den Strand laufen konnten. Schließlich stand hinter dem Urlaubs-Eintrag im Kalender bis zuletzt ein großes Fragezeichen. Ähnlich zurückhaltend verhielt es sich bis zum Tag der Anreise auch mit unserer Vorfreude, die nicht so recht den Weg ins Gepäck finden wollte. Nachdem mein Freund Florian und ich bereits im vergangenen Jahr, noch vor der dritten Welle, genau im gleichen Ort und Hotel gewesen waren, konnten wir uns nur schwer vorstellen, dass dieses Mal ein ähnliches Urlaubsgefühl möglich sein würde. Die Anreise-Checkliste des Hotels machte nicht unbedingt gleich Lust auf Urlaub: Wir mussten 24 Stunden vor Check-In eine unterschriebene Einverständniserklärung und einen negativen Corona-Antigen-Schnelltest oder ein Impfpass-Foto per E-Mail an das Hotel schicken. Zudem war während des Aufenthaltes alle 48 Stunden ein neuer Schnelltest fällig – bei Restaurantbesuchen gar ein tagesaktueller Test. Für die Kontaktverfolgung installierten wir uns die Luca-App – auch das eine der Reise-Regeln.

Hoher Aufwand für Hotelbetreiber

Bei der Ankunft am Hotel erwartete uns neben typisch norddeutschem Regenwetter bereits eine lange Schlange an wartenden Urlaubern in der Lobby. Nach dem offiziellen Check-In loggten wir uns mit der Luca-App über einen QR-Code im Hotel ein. Während für uns offiziell der Urlaub beginnen konnte, ging mit dem Modell-Projekt für Menschen wie Hotelmanager Michael Fassbender (60) vom "Hapimag Resort" in Hörnum nach einem halben Jahr Pause endlich wieder der Betrieb los. Wie viel Aufwand hinter der Öffnung unter Modell-Bedingungen steckt, verriet er in einem kurzen Gespräch: "Unser Hotel ist komplett ausgebucht, was uns total freut. Allerdings ist das Ganze auch mit einem enormen administrativen Aufwand verbunden, da wir die Tests der rund 400 Gäste auch ausdrucken und vier Wochen lang archivieren müssen. Daher arbeiten Mitarbeiter aus den geschlossenen Bereichen wie dem Schwimmbad nun bei uns in der Test-Verwaltung mit." Die Gäste seien zum Glück alle gut vorbereitet an der Rezeption erschienen. In Gesprächen mit den Urlaubern erlebt Fassbender eine große Dankbarkeit über die Öffnungen: "Mein schönstes Erlebnis war eine Dame, die mir an der Bar mit Tränen in den Augen sagte, wie dankbar sie sei, dass sie mit ihrem Bier hier sitzen könne und dieses Urlaubsgefühl wieder erleben dürfe. Das gibt auch mir natürlich extrem viel."

Sandstrand auf Sylt
Beim Sonnenuntergang am Strand von Hörnum zeigt sich Deutschlands nördlichste Insel von ihrer schönsten Seite
© Maike Frye

Mit der Sonne kommt das Urlaubsgefühl

Auf dieses Urlaubsgefühl freuten wir uns auch und passenderweise überraschte uns Sylt am nächsten Tag mit strahlendem Sonnenschein. Natürlich führte der erste Weg direkt zum Meer, wo einige Touristen bereits einen Strandkorb reserviert hatten. Auf der Hörnumer Promenade tummelten sich die Menschen. Während in Westerland eine Maske getragen werden musste, war dies hier nicht der Fall. Zum Glück war es windig und mit etwas Slalomlaufen schafften wir es dennoch, Abstand zu halten. Mit einem Eis in der Hand genossen wir dann den Blick auf die Wellen. Im Hintergrund hüpften Kinder vergnügt auf dem Trampolin, Hunde rannten wie wild durch den Sand und Pärchen schlenderten Hand in Hand am Wasser entlang. Auch Wattwanderungen und Schifffahrten sind aktuell wieder möglich und die ersten Surfanfänger wagten sich vor unseren Augen bereits mit ihrem Kursleiter in die Wellen. Bei diesem Anblick schien Corona plötzlich ganz weit weg und wir fühlten uns das erste Mal seit Langem wieder richtig erholt und entspannt.

Dünenweg zum Meer
Wer die absolute Ruhe sucht, ist in den Dünenwegen genau richtig. Hier trifft man nur selten auf Gegenverkehr

Testen ist überall unkompliziert möglich

In den nächsten Tagen erkundeten wir die Insel, mal mit dem Bus, mal mit dem Rad. Letzteres sollte besser vorab reserviert werden, denn der Ansturm auf Fahrräder ist aktuell groß. Durch die Öffnung der Gastronomie und Geschäfte haben wir überall Menschen, die das schöne Wetter bei einem Getränk in der Außengastronomie genießen, gesehen. Doch auch die Plätze drinnen sind heiß begehrt. Wer hier sitzen möchte, muss eine längere Wartezeit in Kauf nehmen. So auch am beliebten Restaurant "Sansibar". Um dort einen Tisch zu bekommen, müssen Gäste vorher die Teststation auf dem stets vollen Parkplatz aufsuchen und dann 15 Minuten auf das Ergebnis warten. Wir haben uns das Geschehen vor Ort nur von außen angeschaut, mussten uns aber dennoch testen lassen, um zum Restaurant hochgehen zu dürfen. Beim Warten auf das Ergebnis sprachen wir mit Franziska und Philipp, beide Anfang 30. "Eigentlich sind wir keine typischen Sylt-Urlauber", verrieten die beiden. "Wir sind nur auf der Insel, weil man hier gerade Urlaub machen darf." Die zwei übernachteten in einer Ferienwohnung, die sie über Airbnb gemietet hatten. Bisher gefiel ihnen der Urlaub sehr gut, lediglich das viele Testen sei nervig. Franzi war schon geimpft, Philipp musste jedoch alle zwei Tage eine Teststation aufsuchen und das erforderte ein wenig Planung.

Antigen-Schnelltest auf dem Parkplatz der Sansibar
Ob mit oder ohne Termin – in den zahlreichen Testzentren der Insel ist der Antigen-Schnelltest schnell durchgeführt
© Maike Frye

Luca-App als die größte Hürde

Zum Glück wird einem das Testen auf Sylt leicht gemacht. Neben den klassischen Teststationen mit Termin gibt es in nahezu jedem Ort einen Test-Bus, in dem man sich auch spontan testen lassen kann. Nach wenigen Minuten Wartezeit ist das erledigt, das Ergebnis gibt es anschließend per SMS. Dieses Angebot nutzten wir in Westerland und gönnten uns anschließend in der Außengastronomie eines Italieners den ersten Restaurantbesuch des Jahres. Nach kurzer Zeit fühlte sich dieser sogar erstaunlich normal an. Die Plätze im Innenbereich des Restaurants mieden wir aber lieber, zu groß war hier noch das Gefühl der Unsicherheit und die Sorge vor einer Ansteckung. Umso glücklicher machte uns deshalb die kleine Küchenzeile unseres Hotelzimmers, durch die wir uns auch selbst versorgen konnten. Nur eines wollte während unserer Zeit auf Sylt nicht immer funktionieren: die Luca-App. Mal scheiterte das Scannen des QR-Codes am nicht vorhandenen Netz, mal an technischen Fehlern in der App und ja, zugegeben auch manchmal an uns selbst. Denn bei der Vorfreude auf den Strand haben wir tatsächlich ein paar Mal vergessen uns im Hotel ein- und auszuloggen.

Abgesehen davon fiel das Fazit nach fünf Tagen auf Deutschlands nördlichster Insel positiv aus: Trotz Corona erlebten wir Sylt als einen Ort, der dank des Modellregionen-Projekts ein Stück Normalität bieten konnte und der vor allem bei Sonnenschein das lang ersehnte Gefühl von Erholung und Urlaub aufkommen ließ. Eins ist daher sicher: Wir kommen wieder – beim nächsten Mal dann hoffentlich ohne Masken, Testzentren und Luca-App!


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