Kaffee ist das mit Abstand beliebteste Heißgetränk der Deutschen – dem Portal Statista zufolge trinkt jeder Deutsche durchschnittlich rund 164 Liter pro Jahr. Das bedeutet allerdings auch schlechte Nachrichten für viele Menschen hierzulande: Zu Beginn dieses Jahres häufen sich die Meldungen von drastisch steigenden Kaffeepreisen. Er kürzlich hat das Hamburger Handelsunternehmen Tchibo mit Verweis auf den angespannten Markt seine Kaffeepreise erhöht.
Die Folgen des Klimawandels in den Anbauländern und eine steigende Nachfrage treiben den Preis für Kaffee weiter und weiter nach oben. Von 2021 bis 2025 verteuerte sich der Import von Rohkaffee um knapp 150 Prozent. Für gerösteten oder entkoffeinierten Kaffee mussten Käufer im gleichen Zeitraum rund 70 Prozent mehr bezahlen. Auch Kapseln und Pads sind seit 2020 teurer geworden, die Preise stiegen um etwa 25 Prozent.
Ein Blick in die Geschichte zeigt: Das war jedoch nicht immer der Fall. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gerieten Kaffeebauern in Brasilien immer wieder in Absatzkrisen, weil Überproduktionen die Preise einbrechen ließen. Um den Markt zu stabilisieren, trat 1963 sogar ein internationales Kaffeeabkommen in Kraft, das Mindestpreise und Exportquoten für Kaffee festlegte. 1989 zogen die USA ihre Unterstützung zurück – das Abkommen scheiterte.
Die Konsequenzen folgten rasch: Erneut wurde zu viel produziert, zugleich drängte Vietnam als neuer Wettbewerber auf den Weltmarkt. Der Preis sackte bis 2002 auf nur noch ein Drittel des Niveaus von 1989 ab. Hunderttausende Kaffeebauern sahen sich gezwungen, ihre Plantagen aufzugeben.
Was den Kaffee so teuer macht
Seither bestimmt wieder der freie Markt den Preis – und damit auch dessen Schwankungen. Kaffee ist heute, wie viele andere Rohstoffe, immer auch ein Objekt der Spekulation. Und der Klimawandel verschärft das Problem der Kaffeepreise zusätzlich: Mit Blick auf eine neue Untersuchung warnt die gemeinnützige US-Organisation Climate Central jetzt vor möglichen Folgen vermehrter Hitzetage für die Kaffee-Ernten in den Tropen. Extreme Wetterereignisse in den globalen Kaffeeanbaugebieten hätten zu den Preissprüngen bei Kaffee in den letzten Jahren beigetragen.
Der Climate-Central-Analyse zufolge kam es in den vergangenen Jahren in den Anbauregionen durch den Klimawandel öfter zu Tagen mit Höchstwerten, die vor allem Arabica-Kaffeepflanzen schaden können. Dadurch seien möglicherweise Qualität und Menge der jüngsten Ernten beeinträchtigt worden, teilte die Organisation mit.
Für die Analyse schaute sich Climate Central die Temperaturen von 2021 bis 2025 in Ländern des sogenannten Kaffeegürtels an. Dazu zählen 25 Staaten rund um den Äquator. Die Autoren verglichen die Werte mit geschätzten Temperaturen einer hypothetischen Welt ohne menschengemachten Ausstoß von Treibhausgasen. Sie wollten verstehen: Wie häufig treibt der Klimawandel die Temperaturen in diesen Ländern über die für vor allem für Arabica-Kaffeepflanzen schädliche Hitzeschwelle von 30 Grad?
Ihr Ergebnis: Durch den Klimawandel verzeichneten die Top-5-Kaffeeanbauländer – Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Äthiopien und Indonesien – jährlich durchschnittlich zusätzliche 57 Tage mit für den Kaffeeanbau schädlichen Temperaturen.
Hitzefolgen für den Kaffeeanbau
Werte über der Schwelle bedeuten für die Kaffeepflanzen der Organisation zufolge Stress. Die Pflanzen würden anfälliger für Krankheiten, lieferten weniger Ertrag und schlechtere Bohnen. Zusammengenommen könnte das das Angebot und die Qualität von Kaffee verringern und weltweit zu Preiserhöhungen beitragen, hieß es.
Landwirte müssen sich anpassen
Climate Central sieht Landwirte gezwungen, ihre Anbaumethoden anzupassen. So könnten etwa höhere Bäume rund um den Kaffee gepflanzt werden, deren Schatten die Kaffeepflanzen dann vor schädlicher Hitze schütze. Die Anbauregionen könnten sich durch den Klimawandel zudem verlagern, meint die Organisation.
Manche Analysen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2050 die Fläche der weltweiten Kaffeeanbaugebiete um etwa die Hälfte schrumpfen könnte. Hinzu kommen Transportprobleme und eine steigende Nachfrage nach Kaffeeprodukten in bevölkerungsreichen Ländern wie Indien und China. China, das mittlerweile 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohner zählt, ist einer der am schnellsten wachsenden Märkte weltweit. Das treibt die Preise zusätzlich nach oben.